Der Preis der Versuchung Mademoiselle de Joncquières Netflix

„Der Preis der Versuchung“ // Deutschland-Start: 8. März 2019 (Netflix)

Madame de La Pommeraye (Cecile de France) weiß das Leben zu genießen. Sie lebt auf einem schönen Anwesen, hat zahlreiche Freunde sowie einen toten Mann, der sie mit viel Geld zurückgelassen hat. Liebe spielte hingegen keine besonders große Rolle in ihrem Leben. Bis auch der Marquis von Arcis (Edouard Baer) bei ihr zu Besuch ist und einige Monate bei ihr verbringt. Trotz aller Warnungen, dass er ein Schwerenöter ist, lässt sich de La Pommeraye auf ihn ein, muss aber erkennen, dass die Gerüchte um ihn wahr waren. Gekränkt und verletzt beschließt sie deshalb, Rache an ihm zu nehmen und seine Gefühle für die junge Mademoiselle de Joncquières (Alice Isaaz) auszunutzen.

Liebe und große Emotionen, das lässt sich immer gut verkaufen. Das wissen natürlich auch die Verantwortlichen bei Netflix, haben sie mit Filmen wie The Kissing Booth und To All the Boys I’ve Loved Before einschlägige und einträgliche Erfahrungen gemacht. Insofern wundert es auf den ersten Blick nicht wirklich, dass sie mit Der Preis der Versuchung nun für Nachschub im romantischen Zirkus sorgen. Dieses Mal gibt es dann zwar ein historisches Setting – der Film spielt im Frankreich des 18. Jahrhunderts –, aber sonst stehen die Zeichen auf viel Herzschmerz. Das stimmt am Ende auch, jedoch nicht so, wie von den Zuschauern und Zuschauerinnen vielleicht erwartet, wenn nicht gar erhofft.

Ein Märchen mit bösem Ausgang
Eine Zeit lang sieht es noch danach aus, als wäre das Glück der Madame hold. Sie und der Marquis spazieren durch weitläufige Gärten, die Sonne strahlt, gemeinsam pflanzen sie ein kleines Bäumchen. Eine Idylle, wie man sie sich in seinen schönsten Träumen ausmalt, eine Einladung, in großen Bildern und großen Gefühlen zu schwelgen, freundliche Farben heben die Stimmung. Bis davon nichts mehr übrig ist, aus der himmlischen Atmosphäre nach und nach Desinteresse wird. Langeweile sogar. Der Alltag hat die beiden eingeholt, eine neue Frau muss her.

Ein bisschen erinnert das auf einer Geschichte von Denis Diderot (Die Nonne) basierende Der Preis der Versuchung in der Folgezeit an Love & Friendship, ein weiteres Historiendrama, in der sich alles um Liebe dreht. Und eben um Intrigen. Tatsächlich ist der spaßigere Teil des Films, wenn aus der keimenden Romanze ein hinterhältiger Rachefeldzug wird. Beiden Filmen gemeinsam ist, dass im Mittelpunkt eine reizende Dame aus gutem Haus steht, die im Hintergrund die Messer wetzt und Intrigen spinnt. Anders als so viele dieser Kostümfilme gibt es hier dann eben nicht die unschuldige Heldin, die zu gut für diese Welt ist und die am Ende Gerechtigkeit erfährt. Anders als der Originaltitel Mademoiselle de Joncquières impliziert, ist es eben nicht die junge Frau, die im Mittelpunkt steht, sondern die rachsüchtige Madame.

Die sehenswerte Rache einer Frau
Die Belgierin Cécile de France (L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr) überstrahlt dann auch das Geschehen, lässt anderen Darstellern kaum Platz neben sich – nicht einmal Édouard Baer (Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät). Dem Mann also, um den sich alles dreht. Das hat nicht die leichtfüßige Gemeinheit des besagten Love & Friendship. Emmanuel Mouret, der Regie führte und das Drehbuch schrieb, legte seinen Film trotz aller vergnüglicher Verschwörungen als Drama an. Denn auch wenn die manipulative Madame de La Pommeraye als Antagonistin aufgebaut wird, im Kontrast zur naiv-unschuldigen Titelfigur, so fällt es hier dann doch nicht schwer, Mitleid oder zumindest Verständnis zu entwickeln.

Ob sich das Ergebnis beim Netflix-Publikum gut verkaufen lässt, wird sich zeigen. Denn das für diverse Césars nominierte Drama ist nicht unbedingt der Crowd Pleaser, hat keinen vergleichbaren Schmachtfaktor wie die interne Konkurrenz, es gibt nur wenig Handlung. Aber es ist ein unbedingt sehenswerter Film, der nicht nur mit der Hauptdarstellerin und guten Dialogen glänzt, sondern auch mit der Ausstattung. Es wird hier zwar nie so opulent wie in so mancher königlicher Geschichtsstunde, die mit Materialschlachten die Augen des Publikums zu fesseln versuchen. Über mangelnde Schauwerte braucht man sich hier dennoch nicht zu beklagen. Feine Kostüme, die besagten Gärten, Angestellte, die immer irgendwo im Hintergrund herumwuseln: Der Preis der Versuchung gibt einen atmosphärischen Einblick in den französischen Landadel, dessen makellose Fassade emotionale Abgründe verbirgt.

Der Preis der Versuchung
4.2 (84%) 30 Artikel bewerten

Der Preis der Versuchung
Die Geschichte einer großen Liebe? Das ist „Der Preis der Versuchung“ eher weniger. Im Mittelpunkt dieses Historiendramas steht vielmehr eine Frau, deren enttäuschte Gefühle sie zu einem Racheplan an ihrem Liebhaber veranlassen. Das ist nicht zuletzt wegen einer wunderbar verschlagen spielenden Cécile de France sehenswert, auch die schöne Ausstattung lädt dazu ein, ins ländliche Frankreich des 18. Jahrhunderts zu reisen.
7von 10

2 Responses

  1. Jacques

    Der Film basiert nicht auf „Die Nonne“ von Diderot (wie hier fälschlich angegeben), sondern auf der Binnenerzählung der Mme de La Pommeraye-Episode aus „Jacques der Fatalist und sein Herr“, von Friedrich Schiller übrigens als „Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache“ ins Deutsche gebracht.

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    • Oliver Armknecht

      Offensichtlich haben Sie da etwas falsch verstanden. Wenn ein Film in Klammern hinter dem Namen eines Künstlers steht, dann bedeutet das, dass es sich dabei um ein weiteres Beispiel des Künstlers handelt. Siehe auch die beiden Filme im selben Text, die hinter den Namen Cécile de France und Édouard Baer stehen. Es ist also lediglich weiterführendes Material. Würden „Der Preis der Versuchung“ und „Die Nonne“ auf derselben Vorlage basieren, dann würde das auch so da stehen.

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