Kommentare zu: Lady Macbeth https://www.film-rezensionen.de/2018/05/lady-macbeth/ Popcornkino und Independent Thu, 15 Sep 2022 08:17:14 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Martin Zopick https://www.film-rezensionen.de/2018/05/lady-macbeth/comment-page-1/#comment-1070915 Thu, 15 Sep 2022 08:17:14 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=89545#comment-1070915 Vorsicht Spoiler!

Das Lob, das die Kritiker über den Film ausgeschüttet haben, rührt wohl größtenteils von der stringenten optischen Gestaltung. Der Vergleich mit Hitchcock und den Brontës ist dabei vielleicht etwas hoch gegriffen. Der Meister hätte es spannender gemacht und der Brontë-Touch kommt nur von den weiten Ebenen (Yorkshire Moors bzw. die Highlands) oder der unglücklichen Ehe. Die Bilder sind oftmals symmetrisch durchkomponiert, wobei ein Minimalismus eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Lange Pausen mit absoluter Stille und ohne Musik lassen viele Bilder als düstere Stillleben ihre Wirkung tun. Karge Dialoge verbreiten ein Klima der tiefen Ernsthaftigkeit, in dem es kein Lachen gibt und bereiten den Nährboden für Sex und Gewalt vor. Hier wird der Mensch dem Menschen ein Wolf. Hier bricht sich das unterdrückte Gefühl der alleingelassenen Katherine (Florence Pugh) ganz vehement Bahn. Dabei geht sie über Leichen und wird am Ende doch ihren Kopf aus der Schlinge ziehen und ihren Lover Sebastian (Cosmo Jarvis) und ihre Zofe Anna (Naomi Ackie) an den Galgen bringen.
Was das mit Shakespeares Frau von Macbeth zu tun hat, weiß der Himmel. Wahrscheinlich hat sich das so nach der Vorlage eines russischen Romans/Kurzgeschichte so ergeben. Hier sehen wir nur eine unglückliche Frau, die je nach Zählweise an mehreren Morden beteiligt ist. Sie wird aus Liebe zur Serienmörderin, indem sie aus der gesellschaftlichen Enge des 19. Jahrhunderts ausbricht. Voll Arthouse!

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Von: Erich Fischer https://www.film-rezensionen.de/2018/05/lady-macbeth/comment-page-1/#comment-738090 Fri, 18 Feb 2022 17:58:10 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=89545#comment-738090 Vorsicht Spoiler!

Ich muss zugeben, das ich mich für Filme, in denen keine einzige sympathische Figur, ja nicht einmal eine faszinierende Figur, die durchaus auch ein Schurke sein kann, vorkommt, nicht sonderlich begeistern kann, daher sind mir hier Logiklöcher extrem aufgestoßen. Dass Catherine, auch wenn sie mit einem lieblosen, schikanösen Gatten und einem ebensolchen Schwiegervater gestraft ist, dann dem Knecht Sebastian, einem primitiven und unzuverlässigen Macho, von dem sie doch auch nur zu seelenlosem Sex gebraucht wird, einerseits regelrecht hörig wird, andererseits dadurch zu Selbstbewußtsein findet, konnte ich nicht nachvollziehen, so eine tolle Verbesserung ihrer bedrückenden Lebensumstände ist dieser verwahrloste Ungustl ja wohl auch nicht. Wie sie das Essen des ekligen Schwiegervaters dann vergiftete, konnte ich im Film nicht erkennen, wäre aber meiner Meinung nach für die Klarheit der Handlung wichtig gewesen. Und welche großartigen Rechte das plötzlich auftauchende Mündel des Gatten, sein uneheliches Kind mit einer Schwarzen, aufgrund nicht näher beschriebener Dokumente angeblich hatte, hätte ich auch gerne näher erläutert bekommen. Denn das präpotente Auftreten der Großmutter des Kindes, einer offensichtlich nicht aus vornehmen oder zumindest begüterten Verhältnissen kommenden Schwarzen (!), und dass dieses Verhalten von Catherine längere Zeit geradezu demütig hingenommen wurde, erschien mir für das viktorianische Zeitalter reichlich unglaubwürdig – und außerdem hatte Catherine sich da ja schon abgründig entwickelt und Erfahrung im kaltblütigen Morden.

Der Film blieb für mich also trotz bloß 85 Minuten eher eine sich ziehende, teils unglaubwürdige feministische Horrormär. Seltsam, Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ hatte mich seltenen Opernbesucher seinerzeit überraschend begeistert.

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