Kommentare zu: Take Your Pills https://www.film-rezensionen.de/2018/03/take-your-pills/ Popcornkino und Independent Tue, 16 Apr 2019 09:09:41 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Oliver Armknecht https://www.film-rezensionen.de/2018/03/take-your-pills/comment-page-1/#comment-346017 Tue, 16 Apr 2019 09:09:41 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=85132#comment-346017 Als Antwort auf Ron Lange.

Hallo Ron,

danke für deine Nachricht! Ich hoffe, dass meine Rezension nicht deine Gefühle verletzt hat. Ich wollte damit natürlich niemandem zu nahe treten, der AD(H)S hat. Ob jemand tatsächlich an der Krankheit leidet oder nicht, das könnte ich gar nicht beurteilen, da mir die notwendigen Fachkenntnisse fehlen. Mir geht es nur darum, den Film vorzustellen und in einen Kontext zu stellen.

Der erste Kontext ist der, dass er nur von der Situation in den USA spricht. Dass das nicht mit den Regelungen hierzulande zu vergleichen ist, das ist klar. In den USA hat man ein anderes Verhältnis zu Medikamenten. Der zweite Kontext ist der, dass der Film gar nicht so sehr von AD(H)S spricht, sondern vielmehr von einer Leistungsgesellschaft mit krankhaften Ausmaßen. Er konzentriert sich also auf den Missbrauch, nicht die Krankheit, für die die Medikamente gedacht ist. Der Film sieht das auch durchaus kritisch, macht sich aber eher über die Leute lustig, anstatt die gesundheitlichen Gefahren in den Mittelpunkt zu stellen.

Ob das der richtige Zugang ist, darüber lässt sich natürlich streiten. Mir persönlich war er zu sehr auf Unterhaltung gemacht und zu oberflächlich, ein vergleichbarer Film aus Deutschland wäre mit Sicherheit ganz anders. Dass Menschen, die an AD(H)S leiden, sich dadurch nicht ernstgenommen fühlen, kann ich verstehen. Ich denke aber nicht, dass die Doku über diese Menschen urteilen will, weil hier eben nicht die tatsächlich Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Das wäre schlicht ein anderes Thema.

Viele Grüße
Oliver

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Von: Ron Lange https://www.film-rezensionen.de/2018/03/take-your-pills/comment-page-1/#comment-346004 Tue, 16 Apr 2019 08:31:12 +0000 https://www.film-rezensionen.de/?p=85132#comment-346004 Hallo Oliver,
leider hat mir deine Rezension komplett das Interesse an der Doku genommen. Nicht, weil du sie inhaltlich schlecht umrissen hast, im Gegenteil. Ich habe selbst ADHS und meine Kinder leider auch, daher sehe ich es ausgesprochen kritisch, wenn eine Doku über den Methylphenidat-Missbrauch nicht wirklich klarstellt, dass dieser Wirkstoff in erster Linie ein Medikament zur Normalisierung des Dopamin-Haushalts im Gehirn bei einer bestehenden Diagnose ist.

Ebenso kritisch ist es für eine Doku, die deiner Beobachtung nach tendenziell verharmlosend wirkt, vor allem die Kontraindikationen des Medikaments zu Unterschlagen. In Deutschland sind beispielsweise ein EKG und eine Blutuntersuchung Voraussetzung für eine Verschreibung von MPH, weil bei bestimmten Werten z. B. lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Ich bin mir bei deinem Text nicht sicher, in wie weit du die Haltung der Doku wiedergibst oder deine persönliche Meinung vertrittst. Ich kann dir zumindest für Deutschland sagen, dass die Diagnose nur von Fachärzten durchgeführt wird, die Verschreibung nur unter den o.g. Abklärungen erfolgt und die Therapie mit minimalster Dosisfindung unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stattfindet. Vor zwanzig Jahren war das tatsächlich anders, da wurden vielleicht Kinder von unqualifizierten Kinderärzten auf Druck der Eltern mit MPH „vollgestopft“. Das entspricht aber mittlerweile nicht mehr der Realität;) Und bitte: AD(H)S ist eine real existierende, feststellbare Einschränkung, keine Mode. Der Missbrauch der Substanz Methylphenidat, um dem Leistungsdruck gerecht zu werden, hingegen schon.

Ich befürchte, solche Dokumentationen fördern eher die Vorbehalte Nichtbetroffener gegenüber der Behandlungswürdigkeit von AD(H)S.
Gruß
Ron

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