„A Thought of Ecstasy“, Deutschland/USA/Schweiz, 2017
Regie: Rolf Peter Kahl; Drehbuch: Rolf Peter Kahl, Torsten Neumann
Darsteller: Rolf Peter Kahl, Ava Verne

A Thought of Ecstasy

„A Thought of Ecstasy“ läuft ab 25. Januar 2018 im Kino

Es kommt ihm schon sehr bekannt vor, was Frank (Rolf Peter Kahl) in dem Buch da liest. Vermutlich weil er darin vorkommt, teilweise zumindest. 20 Jahre liegt seine Beziehung mit Marie nun schon zurück, vergessen konnte er seine große Liebe jedoch nie. Und jetzt weniger denn je, wo sie doch offensichtlich einen Roman geschrieben hat, in dem sie ihr Leben verarbeitet hat. Oder täuscht Frank sich dabei? Um das herauszufinden, beschließt er eine Reise nach Amerika, dorthin wo Marie einst ging. Während er durch das Land reist, das Buch als Wegweiser, trifft er die unterschiedlichsten Leute, darunter auch die mysteriöse Nina (Ava Verne).

Ist das Kunst oder kann das weg? Das darf man sich ja immer mal wieder fragen, auch bei Filmen. Vor allem, wenn dahinter jemand wie Rolf Peter Kahl steckt, der dafür bekannt ist, gerne mal ein bisschen mit Grenzen zu spielen und das Publikum herauszufordern. Lange hat der deutsche Filmemacher nichts mehr von sich hören lassen. Die eine oder andere kleine Nebenrolle gab es in den letzten Jahren mit dem gebürtigen Cottbuser, dazu Kurzfilme. Mit A Thought of Ecstasy meldete er sich letztes Jahr auf dem Filmfest München zurück, sein erster eigener Langfilm seit Bedways sieben Jahre zuvor.

Sex geht immer … und überall
So manch einer im Publikum wird dort auch gedacht haben: Wäre er doch besser im Bett geblieben, anstatt seine dort generierten Fantasien auf die Leinwand bringen zu wollen. Wie der Titel schon andeutet, dreht sich hier viel um Sex. Der ist zwar nicht besonders ekstatisch, dafür aber häufig. Und wenn mal niemand da ist, mit dem man ins Bett gehen könnte, vielleicht nicht einmal ein Bett da ist, dann läuft man eben nackt durch die Gegend. In der Wüste sieht einen ja eh niemand. Außer man selbst. Manchmal zumindest.

Das erinnert ein wenig an Fluidø, welches vor einigen Wochen auf deutschen Leinwänden kopulierte. In beiden Fällen war die Frage nahezu unvermeidlich, was zuerst da war: der Sex oder der Inhalt? Dünn ist Letzterer in beiden Fällen, spielt eindeutig die zweite Geige hinter den Bildern. Und doch gehen die beiden Kollegen in unterschiedliche Richtungen. Wo bei Fluidø das Szenario einer dystopischen Drogen-Sex-Gesellschaft im Mittelpunkt stand, ist A Thought of Ecstasy zwar in der Zukunft angesiedelt, ansonsten aber losgelöst von der Zeit. Man weiß oft auch gar nicht so genau, wo wir zeitlich überhaupt verortet sind, zu sehr gehen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fantasie ineinander über.

Zwischen Poesie und dem Nichts
Begleitet von mitunter poetischen Texten, welche aus dem Buch im Film stammen, reist Frank umher, trifft Leute, schaut sich Amerika an. Das hat Elemente eines Roadmovies, gemischt mit einem Thriller. Und eben Sex. Wirkliche Erkenntnisse oder Spannung sollte man von dieser Rundreise jedoch nicht erwarten. A Thought of Ecstasy hat eine dichte Atmosphäre, verspielt bis bedrohlich funkelnd, ein sandweißer Noir-Film der erotischen Abgründe. Er hat aber nichts, womit er diese Atmosphäre füllen wollte. Und vielleicht ist das auch besser so, denn jedes Mal, wenn Kahl sich einer Geschichte annähert, wird es auf eine wenig beglückende Weise kurios. Befriedigend ist der Film nicht, was irgendwie komisch ist für einen Film, bei dem es so viel zum Zwecke der Befriedigung geschieht. Aber zumindest eine Zeit lang lässt man sich diesen mitunter surrealen Bilderrausch gefallen, taucht ein in einen Kosmos, der die Kunst jenseits der Grenzen sucht, über Leben, Libido und Tod nachdenkt. Oder vielleicht auch nicht.

A Thought of Ecstasy
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A Thought of Ecstasy
Ein Buch der großen Liebe, ein gefangener Mann, eine Spurensuche durch Amerika – das Szenario in „A Thought of Ecstasy“ ist überschaubar, der Inhalt ist es auch. Die Stärke des experimentellen Genregemisches liegt aber ohnehin bei der Atmosphäre und den Bildern. Wenn hier die Grenzen der Kunst infrage gestellt werden, dann ist das gleichzeitig faszinierend und nichtssagend, surreal, distanziert und unbefriedigend – trotz der vielen Nacktszenen.
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