Bed of the Dead

Bed of the Dead

(„Bed of the Dead“ directed by Jeff Maher, 2016)

bed-of-the-dead
„Bed of the Dead“ läuft im Rahmen des 30. Fantasy Filmfests vom 17. August bis 18. September 2016

Wer Geburtstag hat, der darf sich etwas wünschen! Ren (Dennis Andres) muss da nicht lange überlegen, er weiß recht genau, was er von seinen Freunden will: einen flotten Vierer im Bett! Und wer könnte ihm diesen Wunsch schon ausschlagen? Also macht sich das Geburtstagskind zusammen mit seiner Freundin Sandy (Alysa King), dem besten Freund Fred (George Krissa) und dessen Freundin Nancy (Gwenlyn Cumyn) auf den Weg zu einem Sexhotel, wo das Quartett eine lauschig-heißte Nacht verbringen will. Dass die dort eigentlich kein Zimmer mehr freihaben, ist zwar ärgerlich, lässt sich aber mit ein bisschen Bestechungsgeld rasch beheben. Die Folgen jedoch nicht: Nachdem sie das riesige Bett erst einmal betreten haben, gibt es kein Zurück mehr, schließlich erwartet jeden von ihnen ein grausamer Tod, sobald sie auch nur einen Fuß aus dem Bett bewegen.

Okay, mal überlegen. Wir hatten einen älteren Herren, der sich mit Fett einreibt, um nachts Menschen zu erwürgen (The Greasy Strangler). Eine Heavy-Metal-Familie, die gegen den Teufel kämpfen musste (The Devil’s Candy). Ein schwarzweiße Sci-Fi-Groteske im Stil der 60er über eine Gruppe von Menschen, die in einem Busbahnhof alle dasselbe Aussehen annehmen (The Similiars). Und nicht zu vergessen die mörderischen Nazibrastwürste von Yoga Hosers. Da sollte man eigentlich meinen, das Fantasy Filmfest 2016 hätte schon genügend Kuriositäten hervorgebracht. Und doch gibt es einen Film, der es irgendwie schafft, noch einmal sämtliche Erwartungen zu unterlaufen. Vorhang auf für Bed of the Dead, dem Film mit der wohl blödesten Prämisse, welches das Genrefestival dieses Jahr hervorgebracht hat.

Ein Bett, das alle Menschen umbringt, die es berührt haben? Aber erst dann, wenn sie es wieder verlassen? Das ist ebenso grotesk wie die Einleitung, in der vier Freunde eine gemeinsame Sexnacht verbringen wollen, als wäre das die natürlichste Art und Weise, einen Geburtstag zu verbringen. Und die Überraschungen machen an dieser Stelle nicht Halt. Nicht nur, dass der Film trotz des verräterischen Titels nichts mit Zombies zu tun hat, er ist auch trotz der komischen Grundidee keine Komödie, sondern ein tatsächlicher und ernst gemeinter Horrorfilm. Das lässt ganz böse Ahnungen entstehen, gerade nach der traumatisch schlechten Erfahrung von Havenhurst im selben Festivalprogramm. Und dann das: Bed of the Dead macht Spaß.

Das fängt schon mit dem Quartett an. Dieses ist genregemäß nicht allzu helle, tiefsinnig ohnehin nicht, weshalb ihr vorzeitiges Ableben einem auch nicht so wahnsinnig nahegeht. Wobei, ein bisschen schade ist es schon, da zumindest bei ihrem kräftigen Gezanke vor der Horrornacht tatsächlich der Humor in Bed of the Dead Einzug erhält, den man für den gesamten Filme hätte erwarten sollen. Zudem sind die Rollen besser gespielt, als man es aus diesem Bereich gewohnt ist. Für Freunde etwas makabrer Stoffe wird deren Ende dafür mehrfach versüßt: Die Todesarten der Jugendlichen sind nicht nur kreativ, sondern auch ausgesprochen blutig und brutal. Vor allem wird dabei nicht lange gefackelt, Ungeduldige müssen nicht lange darauf warten, bis hier jemand auf absurd unsanfte Weise sein Leben verliert.

Und gerade wenn man sich daran gewohnt hat, dass hier jeder in Windeseile stirbt, man sich schon fragt, was denn im Rest des Films noch groß passieren soll, schlägt Regisseur und Co-Autor Jeff Maher erneut einen ganz anderen Weg ein und präsentiert uns den ermittelnden Polizisten Virgil (Colin Price). Dessen anschließenden Erfahrungen ergeben auch nicht unbedingt sonderlich viel Sinn, das Geschehen kommt aber doch selbst für Genreveteranen so unvorhergesehen, dass Bed of the Dead der Konkurrenz einiges voraus hat. Wo einige der obigen Kollegen sich oft lange auf einer obskuren Idee ausruhen und in Folge viel zu schnell zu langweilen beginnen, muss man die Verrücktheiten von Maher vielleicht nicht mögen. Aber es nötigt einem schon Respekt ab, wenn man wie hier derart oft überrascht wird. Denn das ist selbst beim Fantasy Filmfest eher die Ausnahme geworden. Mehr als einmal braucht man den Möbelhorror sicher nicht gesehen zu haben, dafür liegt der Reiz zu sehr im Neuen. Doch zumindest dieses eine Mal gehört der bislang nicht für Deutschland angekündigte Streifen zu den positiveren Überraschungen des diesjährigen Festivaljahrgangs.



(Anzeige)

Wer dieses Bett betritt, stirbt beim Verlassen einen grausigen Tod. Das ist trotz der blödsinnigen Prämisse sehr viel weniger komisch, als es sich anhört, „Bed of the Dead“ ist ein überraschend unterhaltsamer Horrorfilm, der einen gleich in mehrfacher Hinsicht in die falsche Richtung führt.
6
von 10