Hochzeitsnacht im Geisterschloss

Hochzeitsnacht im Geisterschloss

(„Haunted Honeymoon“ directed by Gene Wilder, 1986)

Haunted Honeymoon ist eine jener mehr oder lustigen und erfolgreichen Gene Wilder-Komödien der 80er Jahre und zur Entstehungszeit (1986) hatte Wilder seine beste Zeit als Komiker (Silver Streak) oder Partner von Mel Brooks (Frankenstein Junior) hinter sich. Zwei Jahre nachdem er seine Partnerin Gilda Radner geheiratet hatte, schwang sich Wilder für Haunted Honeymoon selber auf den Regiestuhl, um Regie bei dieser kleinen Gruselkomödie zu führen, in welcher Radner ihren letzten Leinwandauftritt hat. Die begabte Komödiantin verstarb drei Jahre später an Krebs. Vorliegender Film zählt wohl selbst bei eingefleischten Gene Wilder-Fans nicht zu den Highlights und diese Tatsache erschwert es, dem Film Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Es ist nämlich – man höre und staune – kein schlechter Film.

Larry Abbott (Gene Wilder), unter Angstattacken leidend, arbeitet beim Radio – wir befinden uns schätzungsweise in den späten 30er Jahren – wo er zusammen mit seiner Verlobten (Gilda Radner) Gruselhörspiele einspricht. Die Szenen im Radiostudio sind recht hübsche Hommagen an die Zeiten von Größen wie Orson Welles, der mit großem Erfolg Hörspiele sendete. Man sieht sogar im Hintergrund ein kleines Musikensemble unter der Leitung eines Dirigenten spielen, so wie damals noch Livemusik in Hörspielen zu bewundern war. Larry wird nun zusammen mit einigen Verwandten in das Schloss seiner Tante eingeladen (glänzend gespielt von Dom DeLuise als vollschlanke Verwandte). Der Grund der Einladung ist für die Handlung des Films unwichtig. Larry soll nun so schnell wie möglich seine Angstattacken überwinden und so schickt man sich an, ihm mit einigen Tricks das Fürchten zu lehren.

Über Humor lässt sich streiten, ob man bestimmte Komödien lustig findet oder nicht, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden, deshalb verzichte ich auch in diesem Fall auf eine Punktevergabe. Doch darüber hinaus erweist sich Haunted Honeymoon als sehr charmantes Filmchen und wartet mit einigen sehr geschickt gefilmten Einstellungen und Szenen auf, die ein nie vorher gesehenes Talent Gene Wilders als Regisseur darlegen. Nicht nur, dass die Stimmung und Atmosphäre mit in die Gänge wehenden Gardinen, künstlichen Nebelschwaden oder blitzendem Donner sehr schön eingefangen wurde, auch gezielt parodierende Einstellungen wie das allmähliche Abdunkeln bestimmter Gesichtspartien und das Eintauchen in Schatten mit zeitweise erhellenden Kerzenflammen sind filmisch sehr geschickt gemacht, sodass man den Eindruck bekommt, hier handele es sich nicht um eine lieblos dahingeschluderte Komödie, sondern um eine, welche sorgsam durchdacht wurde.

Ein immer wiederkehrender Witz ist, dass der Butler Larrys Verlobter in ihr Ohr schreit, da er denkt, sie sei schwerhörig. Auch hier zeigt sich der Unterschied zwischen guten und schlechten Komödien. Die meisten Regisseure, die wenig Ahnung von lustigen Filmen haben, hätten diesen Witz vielleicht zwanzigmal, von Anfang bis Ende, im Film wiederholen lassen, bis er dem Zuschauer zum Hals raushängt. Wilder lässt diesen Witz drei- bis viermal im ganzen Film abwandeln und wiederholen, lässt dann aber von ihm ab, damit man dem Witz nicht überdrüssig wird. Diese genaue Portionierung kommt dem Film sehr zugute und auch sonst wartet Haunted Honeymoon mit einigen sehr amüsanten Szenen auf, die Musical-Einlage erinnert sogar stark an Mel Brooks’ Klassiker Frankenstein Junior – natürlich sollte man derartigen Humor mögen, um an dem Film Gefallen finden zu können. Dem Zuschauer werden einige Logiklöcher präsentiert, doch sind die in einer derartigen anarchistischen Gruselkomödie kaum problematisch.

Es ist sicherlich kein Film, der jemals Klassikerstatus erlangen wird und wahrscheinlich wird man diesen Film in zehn Jahren sowieso komplett vergessen haben, doch es ist ein insgesamt sehr liebevoll gemachter und sehr kurzweiliger Streifen, der beste Unterhaltung für 80 Minuten garantieren kann.



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