(„Chopper“ directed by Andrew Dominik, 2000)

ChopperEin Schriftzug informiert den Zuschauer zunächst darüber, dass es sich bei Chopper nicht um eine Biografie handelt. Der Film beruht auf einer Buchbearbeitung, welche erzählerische Freiheiten enthält. Dennoch ist Mark Brandon „Chopper“ Read, um den sich dieser Film dreht, real. Und er ist wirklich ein Verbrecher, Australiens berühmtester Gesetzesbrecher, ebenso Australiens meistverkaufter Autor. Er schrieb ein Buch über sein Leben, seine Straftaten und seine Morde.
Ich bin ein völlig normaler Typ, der auf Folter steht„. Sagt Mark Brandon Read gefolgt von einem Lachen.
Alles fing damit an, dass Chopper (Eric Bana), nach seiner Entlassung aus dem Hochsicherheitsgefängnis, auch seinen Kindergartenfreund Jimmy Loughnan (Simon Lyndon)  aus selbigem befreien möchte. Zu diesem Zwecke entführt Chopper (eng: „Zerhacker“) einen Richter, oder versucht es viel mehr, denn er wird erwischt und landet ohne Umwege wieder selbst im H-Block. Dort wird dem Betrachter durch surreale Farben deutlich, mit diesem Mark Read stimmt etwas nicht. Er begeht seinen ersten Mord scheinbar ohne Skrupel, doch als sein Opfer stark blutend auf dem Boden liegt, sieht man in Chopper einen Mann, ja viel mehr ein Kind, dass scheinbar nicht gewusst hat, was geschieht wenn er einem anderen Menschen ein Messer wiederholt ins Gesicht rammt. „Fuck!“ Er bietet seinem Opfer sogar eine Zigarette an, sozusagen als Wiedergutmachung. Nach dieser Tat ist er auf sich allein gestellt, sogar sein bester Freund Jimmy stellt sich gegen ihn. Hinterrücks attackiert er Chopper in einer isolierten Zelle, sticht mehrmals auf ihn ein. Wieder keinerlei Regung seitens Read, obgleich er zusammensackt. Er überlebt schwer verwundet, fürchtet sich jedoch nun vor weiteren Anschlägen. Nachdem einer Verlegung widersprochen wird, lässt sich Chopper große Teile seiner beiden Ohren abschneiden und wird somit doch aus dem H-Block entfernt.

Sein Bekanntheitsgrad steigt damit, innerhalb sowie außerhalb des Gefängnisses, die Medien schildern seine Tat auf der Titelseite. Wir befinden uns im Jahre 1986, als Chopper Read aus dem Gefängnis entlassen wird. Er vermag nicht mehr zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, ist von Verfolgungswahn befallen. Als er nach Hause kommt, lernt man seinen Vater kennen, der nicht sehr zimperlich in seinen Äußerungen ist, obendrein noch stolz auf seinen Sohn und man könnte vermuten, dass auch sein Elternhaus eine gewissen Schuld an seiner gestörten, schizophrenen Art trägt. Chopper bändelt wieder mit seiner alten Freundin, der Prostituierten Tanya (Kate Beahan) an, die, wie er zu wissen glaubt, eine Affäre mit einem seiner früheren Opfer, Neville Bartos (Vince Colosimo) hat. Bartos bekam einst eine Opferentschädigung, sowie eine gute Rente, hat demnach keinen Grund mehr wütend auf Chop zu sein, obgleich er ihm sein Knie zertrümmerte, will er einfach nur sein Leben genießen. Chopper passt dies natürlich nicht, hält ihn für einen Snob und sucht ihn zu Hause auf. Zunächst scheint alles in bester Ordnung, bis Bartos ihm den verlangten Geldsegen abspricht. Read schießt Bartos in den Bauch, fährt ihn danach allerdings, mitsamt eines Batzen Geldes ins Krankenhaus, streitet es jedoch überall als völlig zusammenhangslos ab. Weiterhin getrieben von seinem krankhaften Verfolgungswahn, begeht er schließlich einen weiteren Mord an seinem vermeintlichen Killer. Vorerst gelingt es ihm die Tat, zu seinen Gunsten, zu dementieren, doch er kann später durch eine Zeugenaussage überführt und wieder hinter Gitter gebracht werden. Der Film endet 1992 mit einem Interview, indem man Chopper fast sympathisch findet. Der normale Bürger bräuchte sich vor ihm nicht zu fürchten, er tötet ausschließlich Verbrecher, berichtet Mark Brandon „Chopper“ Read bei bester Laune
I never killed anyone that didn’t deserve it.

Mark Read hat sein Ziel erreicht, er ist berühmt geworden. Nicht nur dass, er schrieb seine Geschichte nieder und wurde zum Bestseller-Autor. Das Drehbuch zu seinem Film lieferte er also selbst, die Entscheidung pro Eric Bana (Hulk), der ihn verkörpern sollte, war ebenfalls seine Idee. Bana macht seine Sache wirklich gut, er überzeugt auf ganzer Ebene. Er mimt überaus glaubwürdig den nicht begreifbaren Psychopathen, erschleicht sich das Mitleid des Betrachters und rüttelt ihn durch seine verstörenden Taten unsanft wieder zur Vernunft. Die stimmungsgeladene Anfangsmelodie täuscht, man erwartet eher eine Komödie, als eine Gewaltorgie. Schon die seltsamen Farben innerhalb des Hochsicherheitstraktes vermitteln einem den Eindruck von Unwirklichkeit. Die tristen, unheimlichen aber passenden Stimmungsfarben durchziehen den gesamten Film, so dass man glaubt es könne gar nicht anders sein. Andrew Dominik gelingt hier die gelungene, düstere Inszenierung einer Semi-Autobiografie und man wünscht sich unbeachtet seiner Worte, diesem Chopper nicht zu begegnen.

Fazit: Obgleich der Film durch einige wenige Stellen, die man als witzig bezeichnen könnte, aufgelockert wird, bleibt die Tatsache: Hierbei handelt es sich um eine wirkliche Person und überwiegend um tatsächlich geschehene Taten. Dennoch, als Film betrachtet, bekommt er von mir die volle Punktzahl. Man glaubt nicht recht was man da zu sehen bekommt. Brutal, verstörend, fesselnd, fragwürdig, aber… auf seine Weise interessant. Sehenswert!

Chopper
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