Kommentare zu: Dogville https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/ Popcornkino und Independent Sat, 25 Apr 2020 23:25:56 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 Von: Candide https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-8784 Wed, 27 Oct 2010 17:40:35 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-8784 Ich liebe diesen Beitrag und seine Kommentare! 🙂
Schöne Zusammenfassung die so aus dem Gedächtnis durchaus einleuchtet, selbiges gilt für die Antwort auf meine in den Raum gestellte Frage.

Dass bei von Trier der christliche Aspekt auf keinen Fall außen vor gelassen werden darf stimmt und zieht sich quasi durch sein Gesamtwerk hindurch das zuletzt in Antichrist mündete..

Hab übrigens vor kurzem mal damit angefangen seine TV-Serie Geister zu schauen. Hab bisher drei vier Episoden gesehen die mir sehr gut gefielen. Solltest Du als Fan auf keinen Fall verpassen, hier ist von Trier sogar sehr verspielt und spricht nach jeder Episode sogar noch eine Art Outro bzw. Intro zur nächsten Episode. Höchst unterhaltsam und auf gewohnten Niveau!

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Von: Parker https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-8778 Wed, 27 Oct 2010 14:03:25 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-8778 Als Antwort auf Der kleine Candide.

Genau da liegt natürlich der Knackpunkt: darf ich den Menschen aus Dogville Schuld zusprechen oder nicht?

@Candide: Ich denke Lars von Trier will uns sagen: Ja sie haben Schuld und können sich nicht auf ihre Sozialisierung ausreden. Durch die Gewaltorgie zum Schluß macht sich Trier aber eben auch über die „natürliche“ Reaktion Gedanken: Wie fällt man über Schuldige Menschen ein gerechtes Urteil? Ist Gnade angebracht und wenn ja, wieso (Sozialisierung fällt als Begründung weg!)?

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Von: Parker https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-8777 Wed, 27 Oct 2010 13:58:10 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-8777 Gestern wieder gesehn und erneut sind mir Facetten aufgefallen die ich davor nicht so begriffen habe. Der Plot kam mir auch wesentlich kürzer vor als beim ersten mal. Die Figuren wirkten schon zu Beginn interessanter, da man ja weis welche Veränderungen sie durchleben werden.
Meiner Meinung nach kritisiert Lars von Trier die amerikanische Kultur auf mehreren Ebenen.
Einerseits die kapitalistische Ökonomisierung jedes Lebensbereiches (Grace sollte ihre Behandlung ja nicht „persönlich“ nehmen, sondern wirktschaftlich betrachten) und die dadurch einhergehende Verrohung der Menschen.
Andererseits spielt der christliche Glaube eine (wenn auch nicht offensichtlich) eine westliche Rolle die erst nach Sichtung des letzten Kapitels verstanden werden kann. Die Themen „Gerechtigkeit“ und „Gnade“ sind meiner Meinung nach die treibende Kraft für Lars von Trier gewesen dieses Monster von Film zu erschaffen. Ganz großes Kino.

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Von: Breakout https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-451 Mon, 18 Aug 2008 12:46:33 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-451 Klar, die von mir zitierten Passagen fixieren sich auf eine Deutungsrichtung. Ich will damit nicht sagen, dass es nur diese Lesart gibt.

Andererseits, in Kontrast zu Monsieur Candide, würde ich die Beurteilung der Gesellschaft für das individuelle Handeln anders bewerten. Aber das führt womöglich zu weit vom eigentlich Film weg. Das machen wir mal bei einer Flasche Wein.

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Von: parker https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-450 Mon, 18 Aug 2008 11:17:11 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-450 Bei aller hier sozialwissenschaftlicher Kritk wird das wesentliche Element abichtlich oder durch Betriebsblindheit übersehen: Moral. Uns zwar „menschliche Moral“ vs. „christliche Moral“ welche in einem Wort beschrieben werden kann: Vergebung.

Wenn ich nicht einsehe das der Mensch egal ob jetzt genetisch, psychologisch oder soziologisch betrachtet ein fehlbares Wesen ist, das sich selbst eben keinen höheren moralischen Mastab geben kann als anderen, so wie Grace es getan hat (ihr Vater entlarvt sie), dann kann ich auf den St.Nimmerleinstag warten bis die Welt besser wird und die Mensch „edlich emanzpierte und mündige Individuen“ sind.

Woher kommt dann die Legitimität zur Vergebung? Liebe? Welche Liebe könnte so groß sein, die Schmach die Grace erleiden musste zu überdauern?

Zu der Sicht von Trier gibt es ein gutes Yang 😉 (obwohl Triers Werk stilisitsch höher zu bewerten ist): https://www.film-rezensionen.de/?p=1265

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Von: Der kleine Candide https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-448 Sat, 16 Aug 2008 21:48:16 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-448 Danke. Einmal mehr bereicherst du einen Beitrag von mir. Sehr interessante Links, auch wenn ich bis jetzt nur deine ausgewählten Auszüge gelesen habe. Beim ersten sehen ging es mir übrigens sehr ähnlich wie dir. Ich konnte mich nicht sofort festlegen und meinen Standpunkt untermauern, aber ich finde Lars von Trier hat sein Ziel erreicht: Der Zuschauer reflektiert über eine wie ich finde grundlegende Frage, die sich früher oder später jeder von uns stellen wird. Was den zweiten Kommentar angeht den du gepostet hast, so möchte ich noch hinzufügen, dass es meiner Meinung nach irrelevant ist welche Umstände die Menschen aus Dogville sie eben zu solchen gemacht hat. Relevant ist in Triers Film eigentlich nur, dass sie die Schuld tragen und dass man für seine Taten verantwortlich ist. Genau da liegt natürlich der Knackpunkt: darf ich den Menschen aus Dogville Schuld zusprechen oder nicht?
Wie im Review auch angedeutet bracht der Regisseur zwar drei Stunden Laufzeit dafür, aber meiner Meinung nach nutzt er jede Sekunde aus um ganz gezielt etwas mitzuteilen, ja um uns Dogville uns seine Bewohner näher zu bringen, damit sie uns familiär werden. Somit schockiert das Ende natürlich noch mehr.

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Von: Breakout https://www.film-rezensionen.de/2008/04/dogville/comment-page-1/#comment-447 Sat, 16 Aug 2008 20:33:12 +0000 http://film-rezensionen.de/?p=558#comment-447 Hab gerade die fast drei Stunden hinter mir und muss sagen, dass das Ende dafür entlohnt hat mehr als zwei Stunden nicht zu wissen was Lars von Trier jetzt eigentlich für eine Geschichte erzählen will, was er für eine Botschaft rüberbringen will und welche Entscheidung, die Grace am Ende auch treffen musste, er zur Diskussion stellen will. Ich weiß allerdings selbst nicht genau was ich nun davon halten soll… denn ich sehe es selbst eigentlich auch so wie Grace ursprünglich… dass diese Menschen selbst Opfer sind. Aber, Daddy hat auch recht… ist das beste gut genug?

Zum Film gibt es auch einen Artikel in der Phase 2, einer Zeitschrift der radikalen Linken, der auch interessantes ausführt:

Weil Lars von Trier den Staat trotz seiner Partikularität und Gewalttätigkeit als einzige Möglichkeit darstellt, die individuelle Entscheidung zur Missachtung der Menschenwürde zu verhindern, ist Dogville ein Film, der zwar die richtigen Fragen an linke Utopien und Gesellschaftsanalysen stellt, aber selbst nichts zu deren Lösung beiträgt. Dogville kann nur warnen und warnt eindringlich vor der sozialrevolutionären Erhebung über die Gesellschaft, die aus einer Warte der Überlegenheit das Funktionieren der Gesellschaft demonstrieren will. Dieses überlegene Demonstrieren des intellektuellen Reformers, der sich als Menschenfreund fühlt, trägt viel zur Unmenschlichkeit Dogvilles bei. Es ist dem Film anzumerken, wie sehr die Figur des Idealisten verachtet wird, der sein Leben fristen kann, ohne einer Tätigkeit nachgehen zu müssen. Diese/r »studentische« Intellektuelle will, statt selbst gesetzte Ziele zu verwirklichen, lieber in das Leben anderer eingreifen, um aus dem Leid, das seine Experimente erzeugen, schließlich die Inspiration für »sein« Buch zu saugen.

Hm, ja… da fühle ich mich angesprochen…

Der ebenfalls linke (schließlich behandelt der Filme eine wichtige Frage, die sich alle Menschen stellen müssen, welche meinen Utopien oder Alternativen vorschlagen zu können) CEE IEH antwortet darauf:

Was bleibt, ist die Frage nach der Natur bzw. Erziehbarkeit des Menschen. MB [Autor des Phase 2 Texts] scheint anzunehmen, dass Menschen Entscheidungen sowohl beeinflusst als auch unbeeinflusst von gesellschaftlichen Verhältnissen treffen können. Dabei übersieht er, dass jedes Individuum etwas Gewordenes ist. Jeder Mensch hat eine gewisse Sozialisation und Erziehung durchlaufen, die sie oder ihn zu dem machen, was er oder sie ist und seine oder ihre Entscheidungen in bestimmten Situationen hervorbringen. Eben diese Individuen wiederum reproduzieren oder verändern aber auch die gesellschaftlichen Verhältnisse. Diese Überlegungen sind die Vorraussetzung für die Vorstellung, dass eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Zusammenhänge möglich ist und sie stellen keine Entschuldigung allen menschlichen Handelns dar.

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