(„No Country For Old Men“ directed by Joel & Ethan Coen, 2007)

Mittlerweile kann man wirklich behaupten, dass da wo die Coen-Brüder ihre Finger im Spiel haben, bestimmt etwas wunderbares und geniales dahintersteckt. Auch mit ihrem letzten Streifen können mich die beiden auf ganzer Länge überzeugen. In 120 Minuten Laufzeit bleibt keine Zeit für Langeweile, die Story hält den Zuschauer ständig bei der Stange.
Ein einfacher amerikanischer Bürger namens Llewelyn Moss (Josh Brolin), der Nahe an der mexikanischen Grenze in einem Wohnwagen wohnt, stößt zufällig auf den Schauplatz eines geplatzten Drogendeals. Es ist ein regelrechtes Schlachtfeld das er vorfindet. Zwischen jeder Menge Leichen, Pickup-Trucks und schweren Waffen, entdeckt er eine beachtliche Menge Heroin und einen Koffer mit 2 Millionen Dollar in bar. In der Annahme niemand könne ihn ausfindig machen nimmt er das Geld zu sich. Bald schon heftet sich aber ein psychotischer Killer, Anton Chigurh (Javier Bardem), an seine Fersen. Dieser wird wiederum von Carson Wells (Woody Harrelson) verfolgt, der für einen nicht näher bekannten Geschäftsmann (Stephen Root) arbeitet. Hinzu kommt der typische Südstaaten Sheriff, Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der die Spur der Verwüstung und der Toten folgt. Während die Freundin von Llewelyn, Carla Jean Moss (Kelly Macdonald), in Lebensgefahr schwebt, versucht ihr Mann mit dem Geldkoffer nach Mexiko zu fliehen…
Das geschwisterliche Regisseur-Duo macht wieder einmal alles richtig. Geniale Mischung aus guter Story, interessanten Charakteren und wunderbaren Bildern. Die Musik von Carter Burwell war dabei sehr zurückhaltend oder ging dabei vollkommen unter, ich weiß es nicht. Josh Brolin gefiel mir bereits in Planet Terror ausgezeichnet und setzt seine Performance mit diesem Film fort. Der Rest des Cast ist ebenfalls gut gewählt, besonders aber zu erwähnen gilt der mir bisher total unbekannte Javier Bardem, der den Part des „Psycho-Killer mit Prinzipien“ hier genial übernimmt. Wer die Filme der Coen-Brüder (The Big Lebowsky oder O Brother Where Art Thou?) mag, sollte ihren letzten Streich auf keinen Fall verpassen, aber auch alle anderen werden ihre Freude an diesen Meisterwerk haben. Bereits der zweite Film nach There Will Be Blood, der mich im Kinojahr 2008 begeistern kann, das lässt die Hoffnung auf noch mehr von der Sorte aufkommen.

No Country For Old Men
4.25 (85%) 4 Artikel bewerten

5 Responses

  1. parker

    Wichtig zu erwähnen das der Charakter der Killers noch nie dagewesen ist. Er ist zwar ein Psycho, handelt aber doch rational. Manchmal kommt soar richtige Symathie für den „Menschen“ in ihm auf.

    Tommy Lee Jones spielt zwar gut, aber wer einen gnadenlosen Marshal a la „Auf der Flucht“ erwartet wird entäuscht werden. Das Dirty-Harry Klischee erfüllt er diesmal nicht, denn er ist einer der „Old Men“ von dem der Titel spricht.

    Ich war auch voll begeistert. Sie haben eine ähnliche Stimmung wie bei Fargo erzeugt.

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  2. Breakout

    Also ich muss doch sagen, dass der Film nicht das erfüllt hat, was ich bei einem sog. „Coen-Film“ erwartet habe. Allen bisherigen gesehenen Filmen – und das waren etliche, wenn auch nicht alle – war eine gewisse Portion subtiler Humor inne. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Entweder fällt dieser Film jetzt auch dieser Schiene heraus oder der Humor war schon so subtil und dezent eingesetzt, dass ich ihn einfach nicht mehr erkannt habe.

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  3. Marco Behringer

    Für mich einer der besten Coen-Filme. Der Humor ist nicht mehr subtil, sondern geht schon ins zynische. Das muss natürlich nicht jedem gefallen.

    Was mich aber beispielsweise umgehauen hat, war, dass die Brüder keine einzige Minute Filmmusik verwendet haben. Das war nicht nur ein einmaliges Filmerlebnis, weil es für mich neu war, sondern hat dem Film auch eine ganz eigene, unnachahmliche Atmosphäre verliehen. Dieses karge, ja fast schon spröde steht im krassen Gegensatz zu dem musikalisch völlig überladenen Hollywood-Mainstream.

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  4. Lorenz Mutschlechner

    Zynisch ist wohl ein treffendes Adjektiv für diesen Film. Wie man aus dem Review unschwer erkennen kann, konnte mich der Film begeistern und auch bei nochmaliger Sichtung im Heimkino war ich über die Qualität dieses Streifens erstaunt. Vor allem die kräftigen Bilder gefielen mir bei der Zweitsichtung noch mehr als beim ersten Mal.

    Die Enttäuschung von Beakout kann ich im Anbetracht des Hypes der um diesen Film entstanden ist, aber dennoch irgendwo nachvollziehen. Passiert mir selbst oft genug, dass ich mit sehr hohen Erwartungen an einem Film herantretet und dann enttäuscht werde.

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