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Incite Mill – Jeder ist sich selbst der Nächste

Asia, Thriller , geschriebenam 17 März, 2012 von Keine Kommentare

(„インシテミル 7日間のデス・ゲーム“ directed by Hideo Nakata, 2012)

Auf eine Stellenanzeige, die einen außergewöhnlich hohen Stundenlohn verspricht, melden sich 10 verschiedene Menschen, welche das Geld alle mehr oder weniger gut gebrauchen können. Worum es bei diesem „Job“ genau geht, ahnt zunächst keiner von ihnen. Alles was die Gruppe tun muss ist 7 Tage, eingesperrt in einer entlegenen Einrichtung abzuwarten, in der es ihnen jedoch an eigentlich nichts mangelt. Das Spiel ist beendet, wenn nur noch zwei von ihnen am Leben oder die sieben Tage vollendet sind. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass jeder von ihnen, verschlossen in einer Truhe, eine individuelle Mordwaffe hat und der erste mysteriöse Todesfall nicht lange auf sich warten lässt und keiner mehr dem anderen vertrauen schenkt.

Beworben wird die DVD unter anderem damit, dass der Regisseur von The Ring und die Machern von GANTZ an diesem Streifen beteiligt waren. Beides in der Tat Argumente, die den unsicheren Käufer überzeugen können. Doch kann Incite Mill wirklich mit den beiden genannten Werken mithalten? Wenn es um das Thema Spannung geht, ist von den drei genannten The Ring die Nummer eins und bietet als Horrorthriller absolut gute Unterhaltung auf gruseligem Niveau. GANTZ hingegen fährt als Science Fiction Film eher die Schiene von von Incite Mill.
Was ebenfalls für das neue 10-kleine-Negerlein-Theater spricht sind die gut ausgewählten Schauspieler, allen voran auch Tatsuya Fujiwara (Death Note), welche alle überzeugende Darbietungen präsentieren.

Ein Vergleich mit der SAW Reihe ist immer wieder beliebt bei solch einem Genre, doch in meinen Augen hier nicht passend. Was SAW an Gewalt, Blut und Fragwürdigkeiten zu bieten hat geht ohnehin direkt ins Splatter- und Foltergenre. Incite Mill ist eher die kleine Schwester von dem ersten The Cube Teil und verhält sich wie ein moderner Krimi mit einigen guten Ansätzen. Natürlich werden auch Moral und Ehre angesprochen, aber zu keiner Zeit auf den Punkt gebracht. Nach dem Finale ist klar, das hat keinem etwas gebracht.

Fazit: 107 Minuten nette Unterhaltung, die einem helfen, wenn man sich das The Cube-Prinzip noch einmal etwas anders anschauen möchte. Langeweile dürfte eigentlich nicht aufkommen, aber ein zweites Mal ansehen, wenn man weiß wie es ausgeht, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Wertung: 6.5 von 10

Incite Mill erscheint am 5. April auf Blu Ray und DVD

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Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Drama , geschriebenam 11 März, 2012 von Keine Kommentare

(“Tyrannosaur” directed by Paddy Considine, 2011)

Joseph (Peter Mullan) ist kein besonders guter Mensch. Seinen Hund tötet er im Affekt mit einem Wutausbruch, der mit einem harten Tritt in die Rippen endet. Einen Postangestellten bedroht er, um anschließend die Fensterscheibe seines Arbeitsplatzes einzuwerfen. Vulgäre Jugendliche schlägt er mit einem Billardqueue nieder, lehrt ihnen die Angst und die gottesfürchtige Verkäuferin, bei der er Gesellschaft sucht, hänselt er aufgrund ihres Glaubens und bringt ihr heiles Weltbild ins Wanken. All das tut er vornehmlich aus dem Grund, weil er es nicht länger ertragen kann, Menschen zu sehen, die glücklicher sind als er. Und davon gibt es viele, denn der Nihilist Joseph hat alles verloren, was ihm etwas bedeutete. Seine Frau, die er in liebevoller Verabscheuung „Tyrannosaurus“ nannte, ist vor fünf Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, sein bester Freund erliegt einem Krebsleiden, das schmutzige Milieu, in dem er zuhause ist, widert ihn an. Es ist die Wut eines verrotteten, gewalttätigen und vulgären Mannes gegen eine verrottete, gewalttätige und vulgäre Gesellschaft, die er mit Gewalt bekämpfen will.

Joseph ist jedoch – auch wenn er das niemals zugeben würde – kein von Grundauf derart schlechter Mensch, wie er es gerne sein würde, um seiner Wut ein Ventil geben zu können. Der kleine Nachbarsjunge kann sich des Schutzes Josephs sicher sein; nie soll jemand dem Kind auch nur ein Haar krümmen. Weil Joseph sich selbst anwidert, bricht er eines Tages in einem kleinen Geschäft, in dem er sich hinter einem Kleidergeschäft versteckt, in Tränen aus. Es ist das Geschäft Hannahs (Olivia Colman), die für ihn betet, ehe sie zum Opfer der Anfeindungen des verbitterten Mannes wird. Weil aber Joseph trotz all seiner schlechten Seiten, die ihn zum Außenseiter machen, noch den letzten Rest Wärme und die Sehnsucht nach Geborgenheit in sich spürt, kommt er nicht von Hannah los. Ihre Naivität mag ihn anwidern, doch ist sie diejenige, die ihn bereitwillig aufnimmt, nachdem er von einer Gruppe Immigranten niedergeschlagen wird und eines Morgens blutend vor ihrem Geschäft sitzt. Zuflucht sucht er in dieser heilen Welt, die von Gott beschützt wird, während er immer wieder von Anfällen unkontrollierter Aggression geplagt wird.

Dass die heile Welt der naiven Hannah irgendwann zerbricht, müsste ihn, der die Verkäuferin mit Flüchen überschüttet, daher eigentlich freuen. Im Gegenteil. Der letzte Ort einer Zuflucht vor sich selbst ist vor der Zerstörung einer bösen, unerbittlichen Welt nicht sicher. Als Hannah ihm eines Tages mit einem blauen Auge gegenübersteht, weil ihr Mann sie geschlagen und vergewaltigt hat, beginnt es in Joseph nicht nur zu brodeln, der Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten – er sieht sich auch mit seiner eigenen Vergangenheit, seinem verdorbenen Charakter, der seine verstorbene Ehefrau psychisch misshandelt hat, konfrontiert und versucht verzweifelt mit Hannah die Fehler seiner Vergangenheit wieder gutzumachen.

Sicherlich hätte man diese Ausgangssituation als Anlass zur lehrreichen Moralstudie nehmen können, um die Charaktere auf den rechten Weg zu bringen. Sicherlich hätte man Joseph, den fluchenden und trinkenden Wutbürger als Amokläufer inszenieren können, der kein Morgen kennt und alles kaputt macht, was ihn kaputt macht. „Tyrannosaur“ ist aber kein versöhnlicher Blockbuster, der seinen Zuschauer das bietet, was sie sehen wollen, um, von einem Happy-End beglückt, friedlich schlafen zu können. Er ist auch kein einseitiges, erbarmungsloses Rachedrama, sondern vielmehr ein intensives Charakterporträt zweier Menschen, die lediglich davon vereint werden, ein besseres Leben führen zu wollen. Weil diese Charaktere – gewalttätig und zärtlich, behütet und durch den Schmutz gezogen – sich in all ihrer Vielfalt erst langsam dezent und nie zu offensichtlich entblättern, gibt das Regisseur und Drehbuchautor Paddy Considine Gelegenheit zu einigen wenigen, zurückhaltenden und daher umso berührenden Momenten der Wärme und des Glücks wie zarte Sonnenstrahlen, die gelegentlich durch die dichten Wolken brechen.

Dass Joseph niemals gegen Menschen antritt, die größer und ebenso gewalttätig sind wie er, ist dabei die ehrliche Erkenntnis bei einem Film, dem durch erstklassige Darsteller mit Wut, Trauer, Ekel und all ihrem Zynismus Leben eingehaucht wird. Paddy Considine läuft dabei immer wieder Gefahr, die harte Charakterzeichnung des verbitterten Mannes mit der Verwendung des F-Worts in unzähligen Variationen, als wolle man einen Rekord brechen, und voyeuristischen, kaum notwenigen Zugaben zu überanspruchen und aus dem Ruder laufen zu lassen. Hauptdarsteller Peter Mullan tut hingegen sein Bestes, dem in einer unaufgeregten, angemessenen Art entgegenzuwirken, um aus der Figur Josephs keine Dr. Jeckyll/Mr. Hyde-Karikatur werden zu lassen. Den Film als schmutziges, vielseitiges Porträt verlorener Menschen rettet das.

Wertung: 4 von 5

 

Tyrannosaur ist seit 8. März auf Blu Ray und DVD erhältlich

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Jagdszenen aus Niederbayern

Drama , geschriebenam 10 März, 2012 von 1 Kommentar

(“Jagdszenen aus Niederbayern” von Peter Fleischmann, 1969)

Hätte Peter Fleischmann mit „Jagdszenen aus Niederbayern“ nur einen einzigen Film in seiner Karriere gedreht, wäre ihm allein dafür der Platz unter den wichtigen deutschen Regisseuren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sicher gewesen. Sein sozialkritischer, ätzender Film, der damals vor allem in seinem Heimatland für lautstarke Proteste sorgte, hat sich in den Jahren nach seiner Entstehung nicht nur als Wegbereiter für ähnliche Werke – wie etwa Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers (…)“ – entpuppt, sondern auch als Film, der in seiner atmosphärischen Schwarzweiß-Fotografie bereits Stilvorgaben für etwa Michael Hanekes „Das weiße Band“ vorlegte. „Jagdszenen aus Niederbayern“ hat in seinem Vorreiterstatus – gerade in der deutschen Kinolandschaft – viel für das Verständnis und die Akzeptanz der Homosexualität geleistet, handelt doch Martin Sperrs Theaterstück von 1966, auf dem der Film basiert, eben von dieser Thematik, die zu jener Zeit noch zu tabuisieren versucht wurde.

Hauptfigur jener Moralstudie ist Abram (Martin Sperr), der nach einer Zeit der Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückkehrt. Dieses Dorf in Niederbayern ist stellvertretend für all jene Landstriche des deutschsprachigen Raumes, die noch mit traditionsverbundenen Überlebenden der Nazi-Diktatur bevölkert waren, geschildert in Bildern des ländlichen Rückstandes, die einem Großstädter heute wie Erinnerungen an jahrhundertealte Zeiten vorkommen mögen, wenn die Dörfler mit von der Schule befreiten Kindern zur Ernte schreiten, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Es dauert gerade einmal wenige Sekunden nach der Ankunft Abrams, ehe Fragen zu seinem Aufenthalt laut werden, denn über den Ort, an dem er sich in den letzten Wochen aufhielt, schweigt er beharrlich. Dass es in einem Dorf keine Geheimnisse gibt, ist eine Erkenntnis, die Abram schmerzvoll erfahren muss: Man braucht sich nicht lange mit vagen Vermutungen und Boshaftigkeiten das Maul zerreißen, bis herausposaunt wird, dass der junge Mechaniker, der wieder bei seiner Mutter wohnt, aufgrund unzüchtigen Verkehrs mit dem männlichen Geschlecht im Gefängnis gesessen habe.

Diese Behauptung muss nicht bestätigt werden, um eine Welle der Empörung und des Hasses hervorzurufen. Schnell wird Abram zum Lieblingsopfer der bösartigen Dorfgemeinde, ein Pulk der vollkommen schlechten Menschen, nach oben sich verbeugend, nach unten tretend – immer auf die Kleinen und Hässlichen, bis sich Hure und Homo gegenseitig umbringen. Die Charakterzeichnung ist Sperr und Fleischmann dabei erstaunlich vielseitig geglückt: während das pöbelnde Volk als organisierte Wand der Bosheit auf all jene eindreschen, die nicht ihren eigenen Moralvorstellungen entsprechen, versäumt es Abram nicht, seinen Gegnern einen Grund für den aus der puren Angst entsprungenen Hass zu geben, indem er sich eines sonnigen Nachmittages an den pubertären und zurückgebliebenen Sohn seiner derzeitigen Arbeitgeberin heranzumachen. In dieser Groteske wechseln die Täter- und Opferrollen fortwährend, denn niemand ist in dieser tiefschwarzen Moralstudie ohne Schuld.

So ist Hannelore (Angela Winkler) als Dorfhure ein immer wieder gern gesehenes Opfer der Männer, die in ihr kaum mehr als eine verdorbene Fußmatte sehen, auf welcher sie sich abtreten können. Doch selbst, als sie von (angeblich) Abram schwanger ist, gibt sie, die Hure, ihrer Schwäche nach; in einem Anfall von Selbstmitleid, geplagt von den Qualen, die ihr aufgrund ihres Status bereitet werden, schläft sie betrunken mit einem Bekannten gegen Geld, um wenig später vom zurückgebliebenen Deppen, dem Opfer von Abrams Annäherungen, mit einem Holzstück beworfen zu werden. Natürlich hat all das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren und natürlich wäre es falsch, die Handlung lediglich auf das niederbayerische Dorf zu beziehen, schließlich geht es hier um das allgemeine Phänomen, sich mit der Mehrheit gegen eine Minderheit zusammenzurotten, welche den eigenen Ethiken nicht entsprechen (umgeben wir alle uns nicht am liebsten mit Menschen, die uns ähnlich sind?). Nichtsdestotrotz entwerfen Fleischmann und Sperr in dieser ätzenden Satire auf den deutschen Heimatfilm ein präzises, rabenschwarzes Sittengemälde, das durch die Vielfältigkeit der Charaktere seiner Opfer sogar Mitgefühl vom Zuschauer erwarten kann, ohne zu sentimentalem Kitsch zu verkommen.

Jagdszenen aus Niederbayern“ ist ein wichtiger Film für seine und die nachfolgenden Generationen, für sein Land und für alle anderen. Präzise, offen, stimmungsvoll, voller Zynismus und Sarkasmus.

Wertung: 4,5 von 5

Jagdszenen aus Niederbayern ist seit 9. Februar auf Blu Ray und DVD erhältlich

 

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Obsession – Tödliche Spiele

Horror, Mystery , geschriebenam 9 März, 2012 von Keine Kommentare

(„Little Deaths“  directed by Sean Hogan, Andrew Parkinson & Simon Rumley, 2012)

Jede der drei Geschichten ist anders, und doch dreht es sich immer um das eine: Sex, Drogen oder Gewalt. Fatal ist bei dieser Konstellation, dass bei keinem der Kurzfilme Spannung aufkommt oder man am Ende begeistert von der ach so gelungenen Wendung ist.
Das erste Konstrukt begleitet ein psychisch gestörtes Ehepaar, welches sich die Nöte Obdachloser zu Nutze macht und diese nach Hause einlädt, um die Mittellosen nach einer perfekten Mahlzeit mit ihren perversen Spielchen zu peinigen. Dass es sich bei ihrer letzten Errungenschaft um das Mitglied eines Zombieschwarms handelt und sie somit selbst zur Beute werden, konnte doch keiner ahnen…

In dem zweiten Teil „Mutant Tool“ müssen wieder einmal die Nazis ran, denn mit ihrer damals so fortschreitenden Genmutationsforschung haben sie dem Wissenschaftler Dr. Reece eine Aufgabe zu Teil gemacht. Er bedient sich dem Urin von Mutanten und stellt daraus Tabletten her. Diese neue Droge soll Menschen den unglaublichsten Trip verschaffen, den sie jemals erlebt haben, doch dass die Probanden dabei ungeahnte Fähigkeiten erlangen und ein Teil des Ursprungsmutanten werden, hat ungeplante Folgen.

„Bitch“ soll einen Einblick in die Welt der menschlichen Gefühle offenbaren und bedient sich dabei dem Kampf um die Liebe. Als Claire ihren geliebten Pete hintergeht, obgleich er für sie stets die Hundemaske getragen hat und ihr damit vollkommene Unterlegenheit präsentierte, schmiedet er einen detaillierten Racheplan. Claires schreckliche Angst vor Hunden bringt ihn auf eine delikate Idee, bevor Pete sich aus dem Staub macht.

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie und wohl nur eine Genugtuung für die drei Regisseure, von denen jeder einmal seine ganz eigenen, schlimmsten Fantasien ausleben oder sich auf diese Weise bei seiner Ex revanchieren durfte. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal etwas Besseres zu sehen bekommen und die drei nun ihren Seelenfrieden gefunden haben.
Fazit: Ansatzweise gute Ideen erkennbar, schlechte Sync, mittelmäßige Darsteller und im Gesamteindruck langweilig. Schade um die Zeit.

Wertung: 1 von 10

Obsession – Tödliche Spiele ist seit 8. März auf Blu Ray und DVD erhältlich

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Luther Staffel 1

Crime, Drama, Thriller, TV-Serie , geschriebenam 5 März, 2012 von 1 Kommentar

(„Luther Season 1“ directed by Brian Kirk, Sam Miller und Stefan Schwartz 2010)

Hinter der britischen Polizei-Thriller-Serie Luther stecken die Macher der Serien The Tudors, Dexter und Spooks. Die Erwartungen an die dramatische Fernsehserie liegen im Vorfeld entsprechend hoch. Der Autor und Drehbuchautor Neil Cross, der schon bei Spooks mitgewirkt hat, ist der Erfinder und Produzent von Luther.
Detective Chief Inspector John Luther (Idris Elba) ist ein unkonventioneller Cop. Mit der genialen Mörderin Alice Morgan (Ruth Wilson) bekommt es impulsive Polizist mit einer ebenbürtigen Kontrahentin zu tun. Dann gerät auch noch sein Privatleben aus den Fugen als sich seine Frau Zoe (Indira Varma) trennen will.

Wie einst beim Krimi-Klassiker Columbo geht es nicht darum, dass der Zuschauer erfährt, wie der Protagonist einen Fall löst. Denn die Täter sind dem Publikum bekannt. Im Vordergrund steht deshalb die „Jagd“ auf die meist pathologischen Täter, die durch die intuitive und scharfsinnige Genialität Luthers gefasst werden. Dabei geht der als „Maverick“ stilisierte Luther nicht immer den rechtlichen Weg, wenn es der Sache dienlich ist. Die ethischen Grenzfälle werden im Laufe der Serie durch Dialoge immer wieder verhandelt, aber im Mittelpunkt steht die fesselnde Spannung.

Die DVD enthält drei Episoden. Dabei sind jeweils zwei Originalfolgen zu einer 100 minütigen Folge zusammengefasst worden. Die Regie übernahmen dabei in der genannten Reihenfolge Brian Kirk, Sam Miller und Stefan Schwartz für entsprechend zwei Originalfolgen. Je nach Regisseur wird das Thriller-Genre mit Elementen des Dramas, des Psycho-Thrillers und des Crime-Genres vermischt.
Die Charaktere wirken großteils stark theatralisch und die Handlung der Folgen wartet teilweise mit überraschenden Momenten auf. Luther bemüht sich nicht um eine authentische Darstellung von Polizeiarbeit, sondern um eine zugespitzte Story, die auf hohem Niveau fesseln soll. Das gelingt den Regisseuren über weite Strecken. Zwischendurch verfällt Luther aber auch in althergebrachte Genre-Konventionen.

Als Hauptdarsteller konnte der gebürtige Londoner Idrissa Akuna Elba verpflichtet werden, der besser bekannt ist als Idris Elba. Elba konnte durch die von Kritikern gefeierte Fernsehserie The Wire auf sich aufmerksam und hat für seine Rolle als Titelheld von Luther einen Golden Globe bekommen. Er gibt der Serie tatsächlich eine überzeugende Komplexität, die nicht von allen anderen Nebencharakteren im gleichen Maße mitgetragen werden können.
Musik und Design des Films wirken düster und erzeugen tatsächlich eine dichte Atmosphäre, die symptomatisch für die Stimmung des Titelhelden stehen. Der Titelsong „Paradise Circus“ stammt zum Beispiel vom Massive Attack-Album Heligoland. Die Kameraarbeit ist weder herausragend noch negativ aufgefallen.

Die erste Staffel von Luther steigert sich mit jeder Folge und bietet ein überraschendes Ende, das doch sehr untypisch für Fernsehproduktionen ist. Wer spannende Unterhaltung gern clever erzählt hat, der ist mit der BBC-Produktion bestens bedient. Wenn man die erste Staffel gesehen hat, dann will man jedenfalls auch die zweite Staffel sehen.
Für alle, die die britische Serie bereits von der deutschen Ausstrahlung bei ZDFneo oder ZDF kennen, bietet die DVD-Veröffentlichung als Bonusmaterial den gut halbstündigen Film Luther – The World of a true Maverick, der hintergründige und aufschlussreiche Interviews mit Cast & Crew enthält.

Wertung: 3,5 von 5

Luther ist seit 27. Februar 2012 auf DVD/Blu-Ray erhältlich.

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