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137 Karat – Ein fast perfekter Coup

Thriller , geschriebenam 13 Dezember, 2014 von Keine Kommentare

(„Le Dernier Diamant“ directed by Eric Barbier, 2014)

137 Karat – Ein fast perfekter CoupEr kann es einfach nicht lassen: Da ist Simon (Yvan Attal) nun schon auf Bewährung und darf sich eigentlich so gar nichts zu Schulden kommen lassen, da zuckt es schon wieder in seinen Diebeshänden. Aber wer kann schon Nein sagen, wenn er die Gelegenheit bekommt, den legendären Florentiner-Diamanten im Wert von 40 Millionen Euro zu stehlen? Zusammen mit seinem Partner Albert (Jean-Francois Stevenin) tüftelt er daher an dem Riesencoup, nachdem sich die beiden endlich zur Ruhe setzen können. Und dieser Coup führt über Julia (Bérénice Bejo), welche die Auktion organisiert, wo das Prunkstück verkauft werden soll.

Ein bisschen aus der Mode gekommen sind die sogenannten Heist-Movies ja schon. Aber warum auch groß Energie investieren, um Juwelen und Gemälde zu stehlen, wenn man mit Cyber- und Wirtschaftskriminalität deutlich mehr verdienen kann? Und das oft, ohne aus dem Haus zu gehen? Entsprechend altmodisch wirkt der französische Film rund um den Jahrhundertraub dann auch, bei dem großes Geschütz aufgefahren wird für einen einfachen Diebstahl. Ein bisschen Technik kommt bei den Überwachungskameras zum Einsatz, ansonsten verlässt sich die Bande aber auf bewährte, grobschlächtigere Hilfsmittel, wie sie schon bei Kollegen vor 30 Jahren verwendet wurden.137 Karat – Ein fast perfekter Coup Szene 1

Und auch das verstärkt den Eindruck, einen zeitlosen Film vor sich haben: 137 Karat greift recht schamlos auf das Material früherer Genrevertreter zurück. Ob es nun die angestrebte Beute ist, der Schauplatz des Hotels, die Methoden oder auch die Figuren, da ist nichts dabei, was man in der langen Historie der cineastischen Raubzüge nicht schon einmal woanders gesehen hätte. Selbst die jazzig angehauchte Musik kommt einem irgendwie bekannt vor. Die großen Überraschungen bleiben daher aus, die obligatorische, eigentlich überflüssige Liebesgeschichte findet ebenso ihren Platz wie diverse meist vorhersehbare Wendungen und Verwerfungen innerhalb der Gangstergruppe.

Doch was 137 Karat macht, das macht es gut. Auf komödiantische Einlagen à la Ocean’s Eleven oder The Art of the Steal müssen wir verzichten, Regisseur und Ko-Autor Eric Barbier setzt viel lieber auf Spannung. Die ist dann auch die meiste Zeit über auf einem annehmbar hohen Level, lediglich im letzten Drittel kommt der Thriller zwischenzeitlich etwas aus dem Takt. Am spaßigsten ist aber ohnehin weniger die Auflösung, sondern der Coup an sich, mitanzusehen, wie die einzelnen Zahnräder ineinandergreifen und welchen Zweck die anfangs unergründlichen Aktionen verfolgen. Glücklicherweise wurde hierzu auch sehr viel Zeit eingeplant, abgesehen von der knappen Einführung dreht sich der komplette Film wirklich nur um die Jagd nach dem Diamanten.137 Karat – Ein fast perfekter Coup Szene 2

Da auch die Ausstattung passt und Bérénice Bejo (The Artist) wie immer eine ansprechende Darbietung liefert, dürfen sich Genrefans den französischen Beitrag unbesorgt anschauen. Wer sich nicht dazu zählt, wird sich eventuell an der mangelnden Glaubwürdigkeit stoßen: Der Raubzug ist teilweise übertrieben kompliziert, um den Showfaktor zu erhöhen, das Verhalten der Figuren ist ebenfalls nicht immer nachzuvollziehen. Doch auch das gehört bei solchen Filmen nun mal dazu.

Fazit: Der altmodische Thriller um einen großen Diamantraub verbeugt sich sichtbar vor früheren Heist-Movies. Eigene Einfälle fehlen, auch die Glaubwürdigkeit lässt zu wünschen übrig. Dafür ist der französische Film spannend, gerade der Coup an sich unterhält mit vielen ausgeklügelten, wenn auch übertriebenen Einzelaktionen.

Wertung: 7 von 10

137 Karat – Ein fast perfekter Coup ist seit 4. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Anger Management – Die komplette 3. Staffel

Komödie, Serie , geschriebenam 13 Dezember, 2014 von Keine Kommentare

(„Anger Management – Season Two“ directed by various, 2014)

Anger Management – Die komplette 3. StaffelFrauen, Charlie Goodson (Charlie Sehen) kann nicht mit ihnen, er kann aber auch nicht ohne sie. Dabei gäbe es ja eine, mit der der Schwerenöter gerne zusammen wäre: Dr. Kate Wales (Selma Blair). Die ist auch gar nicht abgeneigt, mit ihm ins Bett zu hüpfen, wehrt sich aber gegen eine richtige Beziehung. Dass dies ein ständiger Reibepunkt ist, ist klar, umso mehr, da die beiden Therapeuten gemeinsam an einer Sexstudie arbeiten. Und das ist nicht das einzige, das ihm Kopfzerbrechen bereitet, denn immer wieder kommt es in seinem privaten Umfeld, aber auch in seinen Therapiegruppen zu chaotischen Zwischenfällen.

Nach der etwas enttäuschenden zweiten Staffel, schließt Nummer drei (welche in den USA eigentlich Teil von Season Two ist) wieder an die Qualitäten des Auftakts an. Dabei ist es nicht einmal so, dass sich das Konzept entscheidend geändert hätte. Größte Zäsur ist sicher der fristlose Rausschmiss von Selma Blair zur Mitte der Staffel, nachdem sich diese öffentlich über die Arbeitsweise Sheens beschwert hatte. Gleich zwei neue Hauptpersonen füllen die Lücke von Charlies Love Interest Nummer eins: Laura Bell Bundy spielt die ehemalige Alkoholikerin Dr. Jordan Denby, welche an Kates Stelle die Studie fortsetzt. Brian Austin Green als Sean Healy werden Serienveteranen schon kennen, der Exfreund von Charlies Exfrau Jennifer (Shawnee Smith) bekommt nun eine deutlich größere Rolle.Anger Management – Die komplette 3. Staffel Szene 1

Das ist einerseits schade, denn die gefühlskalte Therapeutin gehörte zu den stärksten Figuren der Serie. Durch den Wegfall der auf Dauer eintönigen Liebesmachtspielchen und die gleichzeitige Reduktion der Familienepisoden bekommen aber endlich die witzigen Nebencharaktere aus Charlies Therapiesitzungen mehr Sendezeit. In einigen Folgen wird die eigentliche Hauptperson sogar stark an den Rand gedrängt. Sehens Fans mag das weniger gefallen, Anger Management tut dies jedoch gut. Anspruchsvoller oder intelligenter wird die Sitcom so zwar nicht, hier wird oft die Gegend unterhalb der Gürtellinie angepeilt. Doch die ständigen Frotzeleien und die völlig überzeichneten Figuren sind deutlich spannender als es die im Grunde recht dröge Rolle Sheens ist.Anger Management – Die komplette 3. Staffel Szene 2

Nachteil der Schwerpunktverschiebung: Wie schon in Staffel 1 wird man ein wenig von den vielen Charakteren etwas erschlagen – rund 20 verschiedene Figuren gehören innerhalb der 24 aktuellen Episoden zum festen Ensemble, hinzu kommen Gastauftritte, die sich schon mal über mehrere Folgen ziehen. Damit setzt Anger Management einen Trend fort, der schon letztes Mal begann. Die Zeiten der völligen Austauschbarkeit sind vorbei, Geschichten dürfen sich nun auch schon mal über die üblichen 20 Minuten hinaus entwickeln. Für Einsteiger wird es dadurch schwieriger, an einer beliebigen Stelle einzuschalten ist hier manchmal keine gute Idee. Langzeitfans werden sich daran jedoch kaum stören, wem schon die ersten beiden Staffeln gefallen haben, findet hier mehr vom Gewohnten, und das auch noch auf gesteigertem Niveau. Wer die Serie noch nicht kennt, darf trotzdem seinen Spaß haben. Ein Meilenstein ist die Sitcom sicher nicht, die Chancen, dass man sich in einigen Jahren noch an sie erinnern wird, stehen eher schlecht. Aber sie bietet nette Zerstreuung für zwischendurch, und manchmal braucht es auch nicht mehr als das.

Fazit: Business as usual? Nur zum Teil. Anger Management erfindet sich zwar nicht neu, gibt den Nebenfiguren aber mehr Platz und lässt Geschichten jetzt auch über mehrere Folgen laufen. Das ist zwar nicht anspruchsvoll, aber doch zumindest oft unterhaltsam.

Wertung: 6 von 10

Anger Management – Die komplette 3. Staffel ist seit 13. November auf DVD und Blu-ray erhältlich

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DVD

Spirit of Wonder

Abenteuer, Animation/Trickfilm, Anime, Komödie, Science Fiction , geschriebenam 12 Dezember, 2014 von Keine Kommentare

(„Shōnen Kagaku Kurabu“ and „Chaina-san Tanpenshū“ directed by Takashi Annô, 2001)

Spirit of WonderWie schon letzte Woche bei Alois Nebel reisen wir auch dieses Mal in unserem fortlaufenden Animationsspecial zurück in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Doch während der tschechische Film vom Aufarbeiten vergangener Traumata handelte, richten wir in Teil 32 den Blick in die Zukunft. Ein Widerspruch? Ja, aber ein schöner.

Seit 50 Jahren existiert der Wissenschaftsclub „The Scientific Boys“ nun schon, da planen die größtenteils etwas betagten Mitglieder endlich ihren Traum zu erfüllen: eine Reise zum Mars! Das technische Know-how haben die Leute sogar, um ein Raumschiff zu bauen, nur das mit den Berechnungen, das ist dann doch nicht so ihre Sache. Glücklicherweise ist Wendy, Tochter einer der Wissenschaftler, in der Hinsicht deutlich begabter. Aber wird sie ihnen auch helfen? Denn eigentlich wollte sie mit dem Thema nichts mehr zu tun haben, nachdem ihre Theorien zum ätherischen Fluss kaum beachtet wurden. Und auch Miss China, Besitzerin eines nahegelegenen Restaurants, steht ein wenig mit der Technik auf dem Kriegsfuß – was aber auch damit zusammenhängt, dass die Experimente des Clubs oft in Katastrophen enden.Spirit of Wonder Szene 1

Anime und Science Fiction, das ist eine Kombination, die wie füreinander gemacht ist. Ob nun Riesenroboter durch die Gegend stampfen (Neon Genesis Evangelion, Rahxephon), die Grenzen zwischen Mensch und Maschine aufgehoben werden (Ghost in the Shell, Serial Experiments Lain) oder wir mal lustige (Roujin Z, Space Dandy), dann wieder düstere Zukunftsvisionen (Akira, Texhnolyze) miterleben dürfen, kaum ein Genre ist bei den japanischen Zeichentrickkünstlern ähnlich oft und gut umgesetzt worden wie dieses. Doch selbst wer sich in dem reichhaltigen Fundus auskennt, wird kaum ein Film oder Serie nennen können, mit dem Spirit of Wonder wirklich vergleichbar wäre.

Wenn überhaupt müsste man seinen Blick in eine ganz andere Richtung wenden, weg vom Land der aufgehenden Sonne, hin nach Frankreich: Ähnlich wie in den Romanen von Jules Verne („Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „20.000 Meilen unter dem Meer“) ist auch Spirit of Wonder – ganz wie sein Titel verrät – von der Abenteuerlust geprägt, von Neugierde und Fantastereien, von der aufrichtigen Begeisterung für fremde Welten. Action? Die gibt es hier kaum, auch keine bedrohlichen Aliens oder epische Weltraumschlachten. Stattdessen sind unsere Protagonisten schrullige ältere Männer, die so wie in Wie der Wind sich hebt ihrem Lebenstraum folgen. Dass sie keine übermenschlichen Muskelpakete sind, sondern sich eher wie kleine Jungs verhalten, die ihren Schabernack treiben, verleiht dem Anime seinen ganz besonderen Charme.Spirit of Wonder Szene 2

Weniger interessant als die beiden Episoden zum Wissenschaftsclub sind die zwei anderen rund um Miss China. Zwar sind auch diese amüsant und enthalten den einen oder anderen rührenden Moment, sie verlassen sich jedoch zu stark auf einen recht albernen, slapstickartigen Humor. Problematisch ist zudem, dass hier auf eine Geschichte angespielt wird, welche die meisten nicht kennen werden, und entsprechend nur Verwirrung stiftet. Wie so oft basiert auch Spirit of Wonder auf einem Manga. Eine fortlaufende Handlung hat dieser dabei nicht, vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten von Kenji Tsuruta, die zwischen 1986 und 1995 entstanden sind. Eine davon – „Miss Chinas Ring“ – wurde 1992 bereits von Mitsuru Hongo (Crayon Shin-chan, Tenkai Knights) verfilmt. In Deutschland ist dieser Animekurzfilm jedoch nie erschienen. Und das ist gleich doppelt schade, denn die Geschichte ist nicht nur sehr warmherzig, sondern auch der Vorgänger zu den Episoden der deutschen DVD.

Dennoch, auch ohne entsprechende Vorkenntnisse sind die vier Folgen von Spirit of Wonder, welche Takashi Annô (The Hakkenden) 2001 mit dem Animationsstudio Ajia-do Animation Works umsetzte, unbedingt empfehlenswert. Für manche zumindest: Die gefühlvollen, sehr nostalgisch geprägten Geschichten richten sich eher an ein erwachsenes Publikum, welches die Sehnsucht nach den eigenen Kindheitsträumen nachempfinden kann. Und auch die realistische, gut animierte, aber eher simple und effektarme Optik wird heutige Zuschauer nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen veranlassen. Dass in der derzeitigen Animeszene hierzulande die Kurzfilmsammlung in Vergessenheit geraten ist, verwundert daher nicht wirklich. Doch für die Liebhaber etwas altmodischer Zeichentrickfilme ist das ein Grund mehr, zusammen mit dem Wissenschaftsclub kleine Abenteuer zu erleben und vielleicht auch den dazugehörigen Manga zu kaufen. Der enthält nicht nur eine Reihe weiterer Geschichten, sondern auch sehr schöne, detaillierte Zeichnungen, welche eher nach Artwork aussehen und weniger wie ein gewöhnlicher Comic.

Fazit: Spirit of Wonder erzählt in mehreren Episoden von betagten Wissenschaftlern und ihren verrückten Versuchen. Das ist optisch und inhaltlich etwas altmodisch, appelliert in seiner nostalgischen Liebenswürdigkeit aber an unseren Entdeckungsgeist und die kindliche Begeisterung in uns.

Wertung: 7 von 10

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Hannibal – Staffel 2

Crime, Filmtipp, Serie, Thriller , geschriebenam 11 Dezember, 2014 von Keine Kommentare

(„Hannibal – Season 2“, directed by various, 2014)

Hannibal – Staffel 2Schlimmer hätte es für Will Graham (Hugh Dancy) wohl kaum laufen können: Abigail Hobbs ist tot, ihr Killer Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) ist auf freiem Fuß und alle Welt denkt dank der falschen Spuren, dass Will hinter den bestialischen Morden steckt. Nicht einmal seine einstigen Mitstreiter Dr. Alana Bloom (Caroline Dhavernas) und Special Agent Jack Crawford (Laurence Fishburne) glauben noch an seine Unschuld. Und so muss Will dem zivilisierten Kannibalen allein das Handwerk legen – was nicht so einfach ist, wenn man in einer Hochsicherheitszelle eingesperrt ist und jeder dich für verrückt hält.

Ein knappes Jahr mussten die Fans gespannt darauf warten, bis die zweite Staffel von Hannibal in unsere Läden kam und wir erfahren durften, wie es denn nun weiter geht mit dem wohl gestörtesten Zweiergespann, welches das Fernsehen gerade zu bieten hat. Und um die Spannung auch gleich auf hohem Niveau fortzuführen, beginnt die Thrillerserie mit einer ungewohnt actionreichen Szene, welche ein Ereignis vorwegnimmt, welches erst deutlich später passieren wird. Da Vinci’s Demons griff kürzlich auf einen ganz ähnlichen Kniff zurück. Und auch hier schleicht sich das Gefühl ein, man wollte auf diese Weise überspielen, dass hier anfangs kaum etwas passiert.Hannibal – Staffel 2 Szene 1

Hatte die erste Staffel teilweise das Problem, zu viele Ideen auf einmal unterbringen zu wollen und keine davon richtig auszuarbeiten, nimmt man sich dieses Mal deutlich mehr Zeit. Das ist einerseits löblich, gleichzeitig aber auch eine Verschlimmbesserung. Zwei Punkte waren es, welche die Faszination von Hannibal deutlich mitbestimmten: 1. ein Will Graham, der langsam dem Wahnsinn verfiel und Realität von seinen Halluzinationen nicht mehr unterscheiden konnte. 2. die vielen bizarren Fälle, die er zu lösen hatte. Für beide Punkte ist jetzt jedoch kaum mehr Platz. Will leidet noch immer an seinen Alpträumen, diese wiederholen sich jetzt jedoch zu sehr, ohne dass etwas entscheidend Neues passieren würde oder eine Entwicklung zu sehen wäre. Und während die Morde noch immer verstörend sind, wurde die Anzahl deutlich reduziert, manche sind nur eine kleine Randnotiz.

Stattdessen konzentriert sich Hannibal nun auf die Frage: Werden die Leute Lecter auf die Schliche kommen und ihn unschädlich machen? Und diese ist deutlich weniger interessant, schließlich ist bekannt, dass noch rund vier weitere Staffeln geplant sind. Wie die Antwort auf die Frage ausfallen wird, werden auch weniger fantasiebegabte Zuschauer rasch wissen. Gerade zu Beginn bleiben die großen Überraschungen daher aus, im direkten Vergleich schneiden die neuen Episoden erst einmal eher enttäuschend ab. Noch immer sind die Schauspielleistungen beeindruckend, die elegante Inszenierung und die unheimlich-verzerrte Musik suchen nach wie vor ihresgleichen. Äußerst gelungen, ja, aber eben nur die schwächere Version einer ungewöhnlichen Serie.Hannibal – Staffel 2 Szene 2

Doch im weiteren Verlauf der dreizehn neuen Folgen nimmt die Geschichte wieder deutlich Fahrt auf, beispielsweise durch die Einführung mehrerer Figuren – darunter den sadistischen Fleischwerksbesitzer Mason Verger (Michael Pitt) und den sozial gestörten Tierliebhaber Peter Bernardone (Jeremy Davies) – aber auch diverse unerwartete Wendungen. Und spätestens wenn sich zum furiosen Finale hin die Ereignisse vollkommen überschlagen, ist der enttäuschende Beginn wieder vergessen. An den letztjährigen Auftakt reicht Runde zwei von Bryan Fullers aktueller Serie zwar dennoch nicht ganz heran, für sich genommen ist aber auch die zweite Staffel sehr gut. Da sie zudem am Ende komplett offen lässt, wie es in Zukunft weiter geht, überhaupt weiter gehen kann, lässt das die Wartezeit auf Staffel 3 nicht unbedingt kürzer werden. Aber wer Hannibal anschauen möchte, der sollte ohnehin besser hart im Nehmen sein, denn in ihrer hypnotischen Grausamkeit geht die Serie oft an die Grenze dessen, was noch zumutbar ist. Und manchmal eben darüber hinaus.

Fazit: Staffel zwei um den zivilisierten Psychopathen Hannibal Lecter führt die bekannten Stärken fort, reduziert jedoch den Anteil der bizarren Fälle. Gerade zu Beginn sind die neuen Episoden von Hannibal daher etwas enttäuschend, steigern sich jedoch im weiteren Verlauf bis hin zu einem furiosen Finale.

Wertung: 8 von 10

Hannibal – Staffel 2 ist seit 4. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Wie der Wind sich hebt

Animation/Trickfilm, Anime, Biographie, Drama, Historisch , geschriebenam 10 Dezember, 2014 von Keine Kommentare

(„Kaze Tachinu“ directed by Hayao Miyazaki, 2013)

Wie der Wind sich hebtSeit seiner Kindheit hat Jiro Horikoshi den Traum, hoch in die Lüfte aufzusteigen und zu fliegen. Als Pilot stehen dafür die Chancen jedoch schlecht, seine Kurzsichtigkeit verhindert, dass er selbst hinter dem Steuer Platz nimmt. Also bleibt ihm nur der Umweg über die Ingenieurslaufbahn: Jiro beschließt, einfach selbst Flugzeuge zu entwerfen. Inspirationen sucht er sich dabei in der Natur, aber auch bei seinem großen Vorbild, dem italienischen Konstrukteur Caproni. Doch immer wieder wird seine Berufung auf eine harte Probe gestellt, denn Japan steuert auf einen Krieg zu. Als Naokos Tuberkulose sich verschlimmert, muss er sich entscheiden, ob er weiter seinen Traum verfolgt oder er seiner großen Liebe zur Seite steht.

Immer wieder hatte er es angekündigt, jetzt scheint es wahr zu werden: Hayao Miyazaki, Mitbegründer der Animationsmeister Studio Ghibli und Schöpfer zahlreicher Klassiker wie Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland beendet seine Karriere. Ein letztes Mal führte er bei Wie der Wind sich hebt noch bei einem abendfüllenden Zeichentrickfilm Regie, danach soll endgültig Schluss sein. Erwartet die Zuschauer deshalb ein wehmütiger Rückblick. Jein. Langjährige Fans werden dort tatsächlich viele Elemente wiederfinden, die schon seine früheren Werke geprägt haben. Und doch unterscheidet sich das Drama in vielen Punkten von dem, was den Japaner zu Hause und international bekannt gemacht hat.Wie der Wind sich hebt Szene 1

Auffallend ist der betonte Realismus. Immer wieder hatte Miyazaki früher von Wunderwelten erzählt oder zumindest einzelne fantastische Elemente eingebaut (Mein Nachbar Totoro, Porco Rosso). Doch zum ersten Mal seit Das Schloss von Cagliostro, mit dem die Regielegende vor 25 Jahren ihr Spielfilmdebüt gab, verzichtet er hier völlig auf jegliche Magie oder Science Fiction: Abgesehen von den wiederkehrenden Träumen und Fantasien Jiros ist Wie der Wind sich hebt fest in der Realität verankert, der Film basiert auf dem wahren Leben von Jiro Horikoshi, der im zweiten Weltkrieg viele Kampfflugzeuge Japans entwarf. Lediglich seine Beziehung zu Naoko ist komplett fiktiv.

Dass Miyazaki, der sich in seinen früheren Filmen wie Nausicaä aus dem Tal der Winde oder Das Schloss im Himmel vehement dem Pazifismus verschrieben hatte, nun ausgerechnet einem Mann einen Denkmal setzt, dessen Erfindungen vielen Menschen den Tod gebracht hatten, das sorgte vielerorts für Irritationen. Dabei spielt der Krieg an sich hier kaum eine Rolle. Anders als etwa bei Ghiblis großem Antikriegsdrama Die letzten Glühwürmchen werden die Schrecken dieser Zeit kaum thematisiert. Oft genug sind die Kampfhandlungen und die Auswirkungen auf die Menschen so weit weg, Wie der Wind sich hebt hätte prinzipiell zu jedem beliebigen Zeitpunkt spielen können.

Stattdessen interessiert sich der Film mehr für seine Hauptfigur. In einem sehr gemächlichen Tempo folgen wir ihr, nehmen Erfolge und Misserfolge mit, und stellen dabei ganz allgemeine Fragen zum Leben. Wie weit sollte ich gehen, um meinen Lebenstraum zu erfüllen? Was bin ich bereit, dafür zu opfern? Durch die Einführung von Jiros schwerkranker Frau bietet Miyazaki zumindest eine Alternative an, bleibt dabei aber ohne größere Konsequenz. Kritisch hinterfragt wird der Fokus des Flugzeugbauers, am Ende schlägt sich Wie der Wind sich hebt aber doch recht eindeutig auf dessen Seite. Interessanter wäre es gewesen, den Zuschauer auch tatsächlich mit den Folgen von Jiros Entscheidungen zu konfrontieren, aber so weit wollte man hier dann wohl doch nicht gehen. Bei aller Melodramatik schlägt Miyazaki doch einen versöhnlichen Ton an, in dem für Tragik und Trauer kein Platz bleibt.Wie der Wind sich hebt Szene 2

Ein bisschen idealisierend ist das schon und wie so oft bei Miyazaki auch nostalgisch gefärbt. Und manchmal auch etwas ereignislos: Immer wieder dürfen wir während der gut zwei Stunden schöne, ruhige Szenen sehen, die für sich genommen alle wunderbar sind. Als Gesamtfilm fehlt aber irgendwo die Geschichte, Wie der Wind sich hebt verliebt sich in Einzelheiten, Momente, Ereignisse, ohne ihnen einen durchgängigen Rahmen zu geben. Doch auch wenn der Film inhaltlich manchmal zur Beliebigkeit neigt, sollte sich keiner das melancholische Abschiedwerk des Altmeisters entgehen lassen. Geradezu verschwenderisch detailliert sind die Hintergründe, die Animationen so flüssig, das Zusammenspiel von Zeichnungen und dezenten Computergrafiken so perfektioniert, einzelne Aufnahmen so traumhaft schön, dass das Drama nicht nur einen würdigen Abschluss von Miyazakis Vermächtnis darstellt, sondern auch daran erinnert, dass der oft als Kinderkram belächelte Animationsfilm erwachsene Geschichten erzählen und eine eigene Kunstform sein kann.

Übrigens lohnt es sich, Wie der Wind sich hebt trotz einer gelungenen deutschen Synchronisation im japanischen Original anzusehen. Zum einen spricht Hideaki Anno, Schöpfer von Neon Genesis Evangelion, in einer seiner seltenen Schauspielrollen die Rolle des Jiros. Zum anderen spielt der Film teilweise in Deutschland, die Figuren sprechen daher auch im Original Deutsch, das jedoch in einem recht kuriosen Akzent.

Fazit: Wie der Wind sich hebt ist ein optisch wunderschöner und insgesamt würdiger Abschluss im Lebenswerk von Hayao Miyazaki. Inhaltlich neigt das Drama um einen Flugzeugbauer und seinen großen Traum aber zur Idealisierung und verliert sich zu sehr in Einzelszenen.

Wertung: 7 von 10

Wie der Wind sich hebt erscheint am 12. Dezember auf DVD und Blu-ray

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