DVD

The Returned – Weder Zombies noch Menschen

Drama, Horror , geschriebenam 15 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„The Returned“ directed by Manuel Carballo, 2013)

The Returned – Weder Zombies noch MenschenDie Regeln des Genres sind einfach: Zombie frisst Mensch, Mensch schießt Zombie in den Kopf. Was aber, wenn es Leute gibt, die sich nicht daran halten? Die den Zombievirus in sich tragen, aber noch immer Menschen sind?

Alex (Kris Holden-Ried) ist einer von ihnen. Vor Jahren wurde er von einem Zombie angefallen und wäre auch selbst zu einem geworden, hätte er nicht rechtzeitig das rettende Serum erhalten. Seither kann er normal weiterleben, muss aber jeden Tag das Medikament zu sich nehmen. Doch die Herstellung ist teuer, die Vorräte knapp. Und in der Bevölkerung wachsen die Vorbehalte gegen die „Returned“, die Beinahezombies. Seine Freundin Kate (Emily Hampshire) hält zu ihm, besorgt ihm als Krankenschwester sogar illegal das begehrte Mittel, um immer einen Vorrat zu haben. Aber die Unruhen werden stärker und die Infizierten werden von gewalttätigen Gruppierungen regelrecht verfolgt und gejagt.

Auch wenn man sich das heute kaum mehr vorstellen kann, als George A. Romero Ende der 60er mit Die Nacht der lebenden Toten den modernen Zombiefilm begründete, ging es dabei nicht nur darum, den Blutdurst von Horrorfans zu stillen, sondern auch eine gesellschaftlich relevante Geschichte zu erzählen. Davon kam man später natürlich ab, wenn Genrebeiträge heute vom reinen Gemetzelpfad abweichen, dann über den Umweg der Komödie. The Returned kehrt nun zu den Ursprüngen zurück und geht noch einen ganzen Schritt weiter: Ähnlich wie bei Ben & Mickeys Vs. The Undead kürzlich legte Drehbuchautor Hatem Khraiche (Das verborgene Gesicht) den Fokus hier nicht auf die müffelnden Untoten, sondern die Menschen.The Returned – Weder Zombies noch Menschen Szene 1

Das geht hier so weit, dass die Zombies hier fast nirgends zu sehen sind. Nur am Anfang, als die Vorgeschichte erzählt wird, dürfen wir den Menschenfressern bei der Arbeit zuschauen. Anschließend sind deren Auftritte äußerst rar. Horrorfans könnten sich hier deshalb um ihre Beute betrogen fühlen. Bei The Returned gibt es kein Splatter, keine Gewalt, keine Action. Langweilig ist die spanisch-kanadische Koproduktion dennoch nicht, Regisseur Manuel Carballo schafft es sehr schön, in seinem Film die wachsende Paranoia der Bevölkerung festzuhalten, die sich in Beschimpfungen, Misstrauen, aber eben auch Übergriffen ausdrückt. Nur zum Schluss war Carballo wohl doch der Meinung, dem Zuschauer ein bisschen mehr bieten zu müssen und ließ sich zu einem etwas überdramatischen Finale hinreißen.The Returned – Weder Zombies noch Menschen Szene 2

Nötig hätte der Film das nicht gehabt, denn an Tragik mangelte es ihm vorher nicht. Nur lag die eben im Zwischenmenschlichen und Alltäglichen. Wenn The Returned eine Reihe trauriger Einzelschicksale aufzeigt, dann mutiert Carballos Genrebeitrag zu einem reinen Drama, das sich die Horrormaske nur übergestülpt hat. Interessant ist aber vor allem die gesellschaftliche Komponente, wie mit den Infizierten umzugehen ist. Der Vergleich mit der Situation von HIV-Infizierten liegt auf der Hand, aber man könnte die feindliche Ausgrenzung im Grunde auf alle Menschen übertragen, die aus irgendeinem Grund nicht ins Bild passen, Ausgestoßene, Fremdkörper. Und dann wäre da natürlich noch die gemeine Frage, wie sie kürzlich auch in The Philosophers gestellt wurde: Wenn nur einige überleben können, wer soll das sein? Ist ein Leben wertvoller als das eines anderen? Und wer darf das überhaupt bestimmen?

Fazit: Reine Horrorfans werden entsetzt sein: ein Zombiefilm ohne Gemetzel, Action und sogar fast ohne Zombies. Trotzdem ist The Returned ein sehr sehenswerter Beitrag, der die Genrezutaten verwendet, um daraus ein echtes Drama mit unbequemen Fragen zu machen.

Wertung: 7 von 10

The Returned – Weder Zombies noch Menschen ist seit 15. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Blu-ray

Das Mädchen und der Künstler

Drama, Historisch , geschriebenam 14 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„El artista y la modelo“ directed by Fernando Trueba, 2012)

Das Mädchen und der KünstlerNur Ärzte und Künstler dürfen nackte Frauen anschauen, so die feste Überzeugung von Léa (Claudia Cardinale); Ärzte, um sie zu heilen, Künstler, um so schöne Bilder und Skulpturen zu schaffen. Und Léa muss es wissen, war sie in ihrer Jugend doch das umschwärmte Modell vieler namhafter Künstler. Einer davon wurde auch ihr Ehemann. Viel hat Marc Cros (Jean Rochefort) in letzter Zeit jedoch nicht mehr erschaffen, inzwischen stolze 80 Jahre alt, lebt er mit seiner Frau und Haushaltsgehilfin Maria (Chus Lampreave) zurückgezogen auf dem Land. Als Léa im Sommer 1943 die flüchtige Mercé (Aida Folch) im Dorf entdeckt, macht sie ihr das Angebot, für ihren Mann Modell zu stehen. Tatsächlich willigt die junge Katalanin ein und posiert für den Künstler, während um sie herum der Zweite Weltkrieg seinen Höhepunkt ansteuert.

Für Marc hat das Geschehen in der Welt jedoch nur wenig Belang, und damit auch für den Film. Etwas brisanter wird es, als der französische Widerstandskämpfer Pierre (Martin Gamet) auftaucht, und auch die Deutschen stehen zwischenzeitlich vor der Tür. Ansonsten hätte Das Mädchen und der Künstler aber zu jeder beliebigen Zeit und an jedem beliebigen Ort spielen können. Wie schon bei seinem oscarnominierten Animationsfilm Chico & Rita interessiert sich der spanische Regisseur Fernando Trueba hier vor allem für die Künste.Das Mädchen und der Künstler Szene 1

Wie lassen sich Momente und Ideen in Bildern einfangen? Wozu dient die Kunst? Was ist sie überhaupt? Das alles sind Fragen, die während des spanisch-französischen Dramas hier und da auftauchen. Um definitive Antworten geht es Trueba dabei aber nicht, Anleitungen zur Kunst gibt es keine. Das muss auch Mercé immer wieder feststellen, deren naive Vorstellungen mit der abgebrühten Lebensmüdigkeit des alten Bildhauers zusammenprallen. Die Geschichte von Das Mädchen und der Künstler ist daher auch die zweier Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten, die anfangs nicht viel miteinander anfangen können, sich mit der Zeit aber zu schätzen wissen.

Wirklich überraschend kommt diese Annäherung nicht, ist aber doch glaubwürdig umgesetzt. Dafür braucht Trueba auch keine großen Worte, über weite Strecken verzichtet er auf Dialoge und vertraut lieber der Mimik und Gestik seiner beiden Darsteller. Und für dieses Vertrauen wird er belohnt. Der französische Altstar Jean Rochefort spielt den zurückgezogenen Künstler mit einer Mischung aus Verbitterung und aufrichtiger Liebe, der dank der lebenshungrigen Mercé wieder aufblüht. Für diese Leistung wurde er wie auch Aida Folch für einen Goya Award nominiert. Überhaupt zählte der Film 2013 neben Blancanieves, Kings of the City und The Impossible zu den ganz großen Kandidaten bei dem wichtigen spanischen Filmpreis. Doch trotz 13 Nominierungen, keine einzige Trophäe durften die Beteiligten mit nach Hause nehmen.Das Mädchen und der Künstler Szene 2

Dabei hätte Das Mädchen und der Künstler zumindest für seine Optik sicher eine Auszeichnung verdient, wie auch Blancanieves fesselt das Drama durch ungemein stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder. „Draußen im Freien ist alles in Bewegung, sogar das Licht. Wie soll man das einfangen?“ Wenn das Licht durch die Blätterkronen bricht oder sich im nahegelegenen See spiegelt, ist das so ausdrucksstark, dass man selbst dann noch gebannt auf den Bildschirm starrt, wenn gerade nichts passiert – und das ist sehr oft der Fall, der Film ist insgesamt sehr ruhig. Und das gilt sogar in mehrfacher Hinsicht: Musik verwendet Trueba so gut wie keine. Nur das Zwitschern der Vögel füllt die Stille, das Rascheln der Blätter, das Geräusch von Marcs Stift, wenn er seine Zeichnungen anfertigt. Ein bisschen Geduld braucht man hier also schon. Und auch eine Empfänglichkeit für die Schönheit des Lebens und der Natur. Dann aber darf man sich hier zurücklehnen und betören lassen.

Fazit: Ohne viel Handlung und ohne große Worte erzählt Fernando Trueba die Geschichte eines alten Künstlers und seiner jungen Muse. Das Ergebnis ist zwangsweise sehr ruhig, aber glaubhaft umgesetzt und betört mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bildern.

Wertung: 7 von 10

Das Mädchen und der Künstler ist seit 10. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Meine Schwestern

Drama , geschriebenam 13 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Meine Schwestern“ directed by Lars Kraume, 2013)

Meine Schwestern„Der Tod machte mir keine Angst. Wir waren alte Bekannte. Während ich mich mein Leben lang auf ihn vorbereitet hatte, versuchten alle anderen ihn zu verdrängen.“

Drei Monate hatten die Ärzte ihr damals nur gegeben, dreißig Jahre sind es am Ende geworden: Schon seit ihrer Geburt leidet Linda (Jördis Triebel) an einem schweren Herzfehler, mal wieder soll eine Operation ihre Lebenserwartung noch ein bisschen in die Länge ziehen. Doch diesmal spürt sie, dass es die letzte sein wird und will deshalb noch etwas Zeit mit ihren beiden Schwestern Clara (Lisa Hagmeister) und Katharina (Nina Kunzendorf) verbringen. Zusammen fahren sie zunächst zu einer alten Ferienwohnung an der Nordsee, später sogar nach Paris, um eine Tante zu besuchen. Genug Gelegenheit, um Spaß zu haben, alte Erinnerungen aufleben zu lassen, aber auch verdrängte Konflikte auf den Tisch zu bringen.

Auf eine Rettung in letzter Sekunde ist hier nicht zu hoffen, der Film beginnt damit, wie Linda auf einer Liege in die Leichenhalle gefahren, vorbei an Papiercontainern und Kisten, den langen, grauen Gang entlang. Ohne Worte, ohne große Sentimentalität. Auch sonst verzichtet Meine Schwestern auf Kitsch, schwerwiegende Symbole oder eine große Dramatik. In einem Rückblick werden die letzten Tage der Schwerkranken erzählt und ihrem Versuch, sich von ihren beiden Schwestern zu verabschieden, ohne dass sie etwas davon merken. Regisseur Lars Kraume verzichtet darauf, auf die Tränendrüse drücken zu wollen, sondern erzählt seine Geschichte in unaufgeregten Episoden und mal witzigen, mal traurigen Szenen.Meine Schwestern Szene 1

Bemerkenswert ist aber nicht nur die zurückhaltende Herangehensweise an ein schweres Thema, sondern dass die Krankheit gar nicht mal im Mittelpunkt steht. Oder auch die Betroffene selbst. Vielmehr lotet Meine Schwestern aus, was es eigentlich heißt, mit jemandem zusammenzuleben, der jeden Moment tot umfallen kann und damit – ungewollt und sogar unbewusst – zum Gravitationszentrum der Familie wird. Katharina, die älteste der drei Schwestern, wurde dadurch zu einem verbitterten Kontrollfreak, das Nesthäkchen Clara zu einem unselbständigen Hauch von Nichts, das so gar nichts auf die Reihe bekommen kann und will. Über Linda erfahren wir hingegen wenig, vielleicht sogar zu wenig, sie bleibt bis zum Ende das verbindende Mittel der beiden ungleichen Schwestern.Meine Schwestern Szene 2

Doch auch wenn die Figuren sicher noch etwas tiefer herausgearbeitet hätten werden können, schaut man den drei Schwestern gerne zu. Wer selbst mit Geschwistern aufgewachsen ist, wird sich – auch dank der guten Leistungen der Hauptdarstellerinnen – gut hineinversetzen können, wenn sich die drei mal anzicken, dann wieder in den Arm nehmen und letztendlich einfach selbst nicht so genau wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Antworten auf existenzielle Fragen oder allgemeingültige Lebensweisheiten gibt es hier deshalb auch keine. Bis auf die vielleicht, sich und anderen nicht unnötig mit Sorgen oder Vorgaben alles schwer zu machen, sondern das Leben zu genießen. Und da spielt es keine Rolle, ob man gesund oder krank ist, in einem kleinen Ferienort oder in Paris, allein oder mit anderen.

Fazit: Drei Schwestern verbringen ein letztes Wochenende zusammen: Das ist erstaunlich unsentimental und frei von Kitsch. Die Figuren des deutschen Dramas sind vielleicht etwas einfach, dafür aber gut gespielt, Meine Schwestern insgesamt ein authentischer Blick auf die Umgebung einer Todkranken.

Wertung: 7 von 10

Meine Schwestern ist seit 11. Juli auf DVD erhältlich

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Drei Meter über dem Himmel

Drama, Romanze , geschriebenam 12 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Tres metros sobre el cielo“ directed by Fernando González Molina, 2010)

Drei Meter über dem Himmel„Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.“ Sagt man. Wenn das stimmt, wäre nach dem ersten Aufeinandertreffen zwischen Hache (Mario Casas) und Babi (María Valverde) der Ofen aus gewesen – welche selbstbewusste Frau lässt sich schon gerne als „Schnecke“ bezeichnen? Doch das Schicksal meint es nicht gut mit der Schülerin, denn kurze Zeit später trifft sie auf einer Party erneut den Macho mit den schlechten Manieren. Und dieses Mal ist die Begegnung noch verheerender: Hache und seine Freunde demolieren das Haus, beleidigen die Gäste, verprügeln auch den einen oder anderen, am Ende landet Babi im Swimmingpool, den die Partycrasher mit Spülmittel ruiniert haben.

Hache ist das mit dem ersten Eindruck jedoch reichlich egal, der Raufbold bleibt auch weiterhin an der unnahbaren Schönheit dran. Gelegenheit dazu gibt es reichlich, als sich ihre beste Freundin Katina (Marina Salas) in seinen engsten Kumpel Pollo (Álvaro Cervantes) verliebt und es so nahezu unmöglich wird, einem weiteren Kontakt aus dem Weg zu gehen. Und mit der Zeit muss Babi zugeben, dass da vielleicht doch mehr dran ist an dem Rebell, dass hinter seiner harten Schale eine empfindsame Seele kauert, die aus einem bestimmten Grund auf die schiefe Bahn geraten ist.

Ein Prinzesschen aus gutem Hause trifft muskelbepacktes Raubein und verliebt sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten in ihn – Preise für die originellste Geschichte lassen sich damit eher weniger gewinnen. Doch das hatte der italienische Schriftsteller Federico Moccia vermutlich auch nicht vor, als er Anfang der 90er „Tre metri sopra il cielo“ schrieb, die Romanvorlage des Dramas. Überraschend ist, dass die Verfilmung nicht in Italien, sondern Nachbarland Spanien entstand. Doch das ist mehr oder weniger auch das einzige überraschende Element hier. Große Ambitionen hatte Moccia nicht, ihm ging es darum, einem jüngeren, weiblichen Zielpublikum eine große Liebesgeschichte zu präsentieren, die sich gegen alle Widerstände durchsetzt.Drei Meter über dem Himmel Szene 1

In der Hinsicht macht Drei Meter über dem Himmel auch alles richtig: Die Hauptdarsteller sehen fantastisch aus, es gibt schöne Bilder aus Barcelona, stimmige Musik und dazu überlebensgroße Liebesbekundungen fürs Poesiealbum. Gehört man jedoch nicht zu der Zielgruppe, findet man hier fast ohne Ende Szenen und Handlungen, die einfach nicht nachzuvollziehen sind. Das fängt schon mit der Schwierigkeit an, Hache überhaupt sympathisch zu finden. Faszination für unangepasste Rebellen hin oder her, wer andere Menschen brutal zusammenschlägt, frauenfeindliche Sprüche im Sekundentakt raushaut und auch kein Problem damit hat, den Besitz von anderen, völlig fremden Menschen zu zerstören, braucht da schon gute Gründe.Drei Meter über dem Himmel Szene 2

Doch die bleibt der Film schuldig. Es wird nie so ganz klar, warum Babi plötzlich Gefühle entwickelt, abgesehen von einem diffusen Reiz des Risikos. Wenig gelungen ist auch, wenn in Rückblenden erzählt wird, weshalb aus dem früheren Musterschüler Hache ein herablassender Schläger wurde. Ja, eine Erklärung oder besser eine Initialzündung wird gegeben, doch die fällt so dürftig aus, dass Drei Meter über dem Himmel ohne sie besser gefahren wäre. Hier stehen Ursache und Wirkung einfach in keinem Verhältnis zueinander, die Reaktion des jungen Mannes ist hier wie auch an anderen Stellen völlig überzogen. Damit fällt die Möglichkeit zur Identifikation weg, eine wichtige Voraussetzung für die Wirksamkeit eines Dramas. Wer nur ein bisschen schmachten will, wird darüber hinwegsehen können und sich schon auf die Fortsetzung Ich steh auf dich freuen, die am 8. August hierzulande erscheint. Hoffentlich dürfen die sympathischen Schauspieler dann etwas glaubwürdigere Rollen verkörpern, damit auch Zuschauer jenseits der Zielgruppe etwas davon haben.

Fazit: Die Romanverfilmung Drei Meter über dem Himmel nimmt ein altbekanntes Szenario und weicht auch im weiteren Verlauf kaum vom bekannten Weg ab. Für Freunde von Teenieromanzen ist das eine gute Nachricht, denn hier gibt es viele schöne Menschen, tolle Bilder und überlebensgroße Gefühle. Der Rest wird sich an den Klischees und den wenig glaubhaften Figuren stören.

Wertung: 4 von 10

Drei Meter über dem Himmel ist seit 11. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Kino

The King of Pigs

Animation/Trickfilm, Anime, Drama , geschriebenam 11 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Dwae-ji-ui wang“ directed by Sang-ho Yeon, 2011)

The King of PigsNa bitte, geht doch: Da beschwert man sich, dass es keine Anime mehr auf die große Leinwand schaffen, und dann kommen auf einmal mit The King of Pigs und Wie der Wind sich hebt gleich zwei am selben Tag ins Kino. Während wir Hayao Miyazakis Abschiedsfilm zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen werden, nehmen wir Ersteren zum Anlass, in Teil 10 unseres fortlaufenden Animationsspecials nach Südkorea zu reisen – und dort wird es richtig hässlich.

Eine Frau liegt erwürgt auf dem Tisch, an allen Möbeln hängen Zettel, ein Mann steht weinend unter der Dusche: Schon der wortlose Beginn zeigt, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Doch richtig hart wird es erst, als dieser Mann mit einem alten Schulfreund über die gemeinsamen Erfahrungen ihrer Kindheit spricht, wir nach und nach in Flashbacks und Gesprächen erfahren, wie er zu dem heutigen Menschen wurde. Und dieser Weg führt über grausame Oberschüler, die selbsternannten „Hunde“, die ohne Skrupel das Leben der jüngeren, meist wehrlosen „Schweine“ zur Hölle machen.

Kyung-min ist eines dieser Schweine. An Geld mangelt es in seiner Familie nicht, führt sein Vater doch einen gut laufenden Karaokeladen. Mut und Kraft? Da sieht es schon schlechter aus, weshalb der kleine Junge mit der Brille ständig schikaniert wird. Seinem besten Freund Jong-suk geht es nicht besser, denn der stammt aus schwierigen und sehr ärmlichen Verhältnissen. Erst als Chul an ihre Schule versetzt wird und sich nicht von den Hunden einschüchtern lässt, sammeln die Unterdrückten wieder Lebensmut. Doch so einfach lassen sich die Alphatiere ihre mühsam aufgebaute Hierarchie nicht kaputt machen; immer gewalttätiger werden die Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern der Schule und dem König der Schweine, bis es dann zur Katastrophe kommt.The King of Pigs Szene 1

Dass sich die Südkoreaner auf schwer verdauliche Gesellschaftskritik verstehen, durften in den letzten Jahren Regisseure wie Bong Joon-ho (Mother) und Kim Ki-duk (Pieta) eindrucksvoll unter Beweis stellen. Dem steht ihr Kollege Sang-ho Yeon in nichts nach, obwohl der für sein Spielfilmdebüt auf reale Schauspieler verzichtete und stattdessen auf eine Mischung aus handgezeichneten und computergenerierten Bildern vertraute. An der Effektivität hat der Rückzug in eine Trickwelt nichts geändert, auch nach dem heftigen Einstieg wird immer wieder der Fluss des Films von verstörenden Szenen unterbrochen, die sich einem tief ins Gedächtnis brennen.

Beispielsweise „verarbeiten“ die Jungs ihren Alltag in Halluzinationen, unter denen sie regelmäßig leiden und die den Film dabei ins Alptraumhafte gleiten lassen. An dieser Stelle verzeiht man Yeon auch den häufigen Einsatz von Computern, da gerade in diesen Szenen die künstlichen Effekte die Wirkung verstärken. An anderer Stelle ist die Optik weniger gelungen: Gerade die holprigen Animationen und die Bewegungen der Hintergründe können das geringe Budget von The King of Pigs nicht verbergen, an vielen Stellen wären mehr Details doch schön gewesen. Doch schön will das koreanische Drama ohnehin nicht sein, denn die Charakterdesigns schaffen es ähnlich wie bei Tekkonkinkreet gleichzeitig bemerkenswert realistisch und doch irgendwo auch grotesk-verzerrt zu sein.The King of Pigs Szene 2

Etwas zwiespältig ist auch das Fazit zum Inhalt. So sehr The King of Pigs auch erschüttert, zwischendrin verkommt der koreanische Film zu einer bloßen Aneinanderreihung immer neuer grausamer Szenen, ohne erzählerisch etwas hinzuzufügen. Doch trotz dieser Schönheitsmakel ist der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2012 eine ernsthafte und sehenswerte Auseinandersetzung mit dem oft unterschätzten Thema Mobbing unter Schülern. Dabei stellt das Drama die Gewalt und die Grausamkeiten nicht als gesondertes Phänomen dar, sondern stellt es in einen direkten, beidseitigen Zusammenhang mit der Welt der Erwachsenen, mit dem Erfolgsdruck der Gesellschaft und der auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Oft tauchen die Erwachsenen in The King of Pigs zwar nicht auf, doch wenn sie das tun und Yeon einen kurzen Blick in die Abgründe ihrer Seelen wirft, wird klar, dass so manche Wunde in der südkoreanischen Gesellschaft tiefer sitzt, als es einem die Hochglanzbilder der Hightech-Nation weismachen wollen.

Fazit: Sang-ho Yeons Spielfilmdebüt The King of Pigs zeigt viel Mut zu Hässlichkeit, innen wie außen. Der Animationsfilm erschüttert mit seiner Darstellung von Gewalt an koreanischen Schulen und verstörenden Alptraumszenen. Dazu passen die leicht grotesken Figuren, auch wenn die Optik budgetbedingt teils sehr billig wirkt.

Wertung: 7 von 10

The King of Pigs läuft ab 17. Juli im Kino

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