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Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten

Action, Krieg , geschriebenam 21 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(“Hans Kloss. Stawka wieksza niz smierc” directed by Patryk Vega, 2012)

Hans Kloss - Spion zwischen den FrontenEs gibt Filme bei denen man einen ganz speziellen Zugang braucht um die Faszination die selbiger bei anderen Menschen auslöst, nachvollziehen zu können. „Hans Kloss“ ist eines jener Werke die es mir in dieser Hinsicht überhaupt nicht einfach gemacht haben. Im eigenen Land als Kinohit gefeiert und von so manchen Pressestimmen als Geheimtipp geahndet, musste ich nach Sichtung enttäuscht feststellen, dass sich der Film zwar erfrischend „anders“ präsentiert als der übliche Einheitsbrei, im Grunde aber kaum Inhalt und nur schlechte Schauspielleistungen zu bieten hat.

Dabei wäre die Prämisse angesiedelt im 2. Weltkrieg und obschon ihrer Abgedroschenheit durchaus interessant: Hans Kloss ist eigentlich nur der Deckname des polnischen Geheimagenten Stanislaw Kolicki (Stanislaw Mikulski bzw. Tomasz Kot als junger Kloss), auch bekannt unter dem Codenamen J-23. Kloss hat erfolgreich die deutsche Wehrmacht infiltriert und kann dank seines Offiziersstatus den Gegenmächten wertvolle Informationen über den Feind liefern.

In den Sechzigern reichte dieser Stoff für insgesamt 18 Episoden die im polnischen Fernsehen sowie in der DDR ausgestrahlt wurden. Fans dieser Serie wird es besonders freuen, dass bei dieser Neuverfilmung wieder der damalige Hauptdarsteller Mikulski die Rolle übernommen hat. Der Streifen von Patryk Vega spielt allerdings zunächst nicht unmittelbar im Geschehen des 2. Weltkriegs, sondern beginnt in den Siebzigerjahren, wo ein sichtlich gealterter Agent J-23 geflohene Nazis zur Strecke bringt.Hans Kloss - Spion zwischen den Fronten Szene 1

Um den schmalen Inhalt des Films nicht komplett auf pompös inszenierte Action zu beschränken, hat man noch schnell die Suche nach dem sagenumwobenen Bernsteinzimmer mit eingebaut. Hans Kloss soll nämlich über Informationen verfügen, die den Aufenthalt des verschollenen Zimmers enthüllen sollen. Mit dem unermesslichen Wert dieses Schatzes soll unter dem überlebenden Martin Bormann (Maciej Ferlak) schließlich das vierte Reicht finanziert werden. Eigentlicher Gegenspieler von Kloss ist allerdings der sadistische Hermann Brunner (Emil Karewicz) der den polnischen Doppelagenten enttarnt und für seine Zwecke nutzt.

Neben den beiden Hauptdarstellern kommen noch etliche andere Figuren hinzu, die allerdings allesamt nur am Rand eine mehr oder weniger unwichtige Rolle spielen. Schnell wurden z.B. noch mit Marta Zmuda Trzebiatowska und Anna Szarek zwei attraktive, aber für die Story leider komplett irrelevante Frauen beigemischt, eben ganz nach der Marketingstrategie „sex sells“.Hans Kloss - Spion zwischen den Fronten Szene 2

Die Schauspieler wirken wie schon angerissen laienhaft und ungewollt komisch, was mich immer wieder daran zweifeln lies ob es denn wirklich nicht so gewollt war um einen Trash-Effekt zu haben. Man hat zudem das Gefühl, die Kostüm- und Bühnenbildner hätten einen Hakenkreuz-Fimmel. Ich gehöre nicht zu den Personen, die dafür sind solche Symbole im künstlerischen Bereich zu zensieren, schließlich gehört dies zur Geschichte und ich bin der Auffassung eine Zensur kommt nur denjenigen zu Gute die bedacht sind die Gräueltaten der Faschisten zu verharmlosen oder gar zu verleumden, allerdings wirkte es hier fast schon so als müsse man möglich viel Symbolik reinstopfen um alles möglichst „cool“ und bunt wirken zu lassen. Überhaupt schient der Grundtenor ziemlich militaristisch angehaucht zu sein, das Drama nimmt verhältnismäßig einen kleinen Stellenwert ein.

Meine Meinung zu „Hans Kloss“ werden viele Fans der ersten Stunde wohl nicht unbedingt teilen, zumindest hab ich dieses Gefühl wenn ich man sich durch einschlägige Quellen liest, vielleicht liegt es wie eingangs erwähnt einfach nur daran, dass mir der Schlüssel zu diesem Film fehlte. Für mich jedenfalls war es reine Zeitverschwendung.

Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten erscheint am 22. Juli auf Blu-ray und DVD

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Dallas Buyers Club

Biographie, Drama, Filmtipp , geschriebenam 20 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Dallas Buyers Club“ directed by Jean-Marc Vallée, 2013)

Dallas Buyers Club„Ich bin keine Schwuchtel, Sie blöder Wichser. Ich kenne auch keine verfickten Schwuchteln. Sehen Sie mich an. Was sehen Sie? Das gottverdammte Rodeo, das sehen Sie.“

Die feinste Ausdrucksweise ist das sicher nicht. Aber doch auch irgendwo verständlich, denn der etwas einfach gestrickte, homophobe Ron Woodroof (Matthew McConaughey) hat gerade erfahren, dass er HIV-positiv ist. Und das war Mitte der 80er in Texas unvorstellbar. Die Ankündigung, er habe noch 30 Tage zu leben, wird deswegen auch gleich mal beiseite geschoben, kampflos ergibt sich ein Woodroof nicht. Bei seiner Suche nach wirksamen Medikamenten landet er bei einem zwielichtigen Arzt in Mexiko, der ihm tatsächlich helfen kann. Problem dabei: Die Mittel sind in den USA nicht zugelassen und entsprechend schwierig zu besorgen. Was den Todkranken auf eine Idee bringt. Warum nicht genau mit diesen Medikamenten handeln? Und schon bald führt er mit der Transsexuellen Rayon (Jared Leto) ein florierendes Geschäft, was jedoch die US-Kontrollbehörde FDA auf den Plan ruft.

Auch wenn der weitere Verlauf der Geschichte etwas absurd erscheint – Woodroof gründet den „Dallas Buyers Club“, um dem Verkaufsverbot aus dem Weg zu gehen – so ist sie doch wahr. Wie im Film macht auch der echte Woodroof aus der Not eine Tugend, verdiente mit dem Verkauf der Medikamente eine Menge Geld und wurde später zu einem Vorkämpfer der AIDS-Kranken. Da ist dann natürlich viel Material dabei, was beim Publikum ankommt: der Kampf David gegen Goliath, das Bloßstellen aufgeblasener, teils korrupter Behörden, dazu eine Hauptfigur, die zu einem besseren Menschen wird und zum Schluss noch ein paar rührselige Momente.Dallas Buyers Club Szene 1

Anders als man es bei dem schweren Thema hätte erwarten können, ergibt sich Dallas Buyers Club jedoch nicht melodramatischer Betroffenheit. Natürlich gibt es immer mal wieder ernste Momente; vor allem die, wenn bei Woodroof die Kräfte schwinden und sich doch seine Krankheit bemerkbar macht, hat der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée effektiv in Szene gesetzt. Ansonsten ist der Film aber oft überraschend komisch. Das betrifft zum einen die trickreichen Versuche Woodroofs, die Regeln der anderen zu umgehen. Zum anderen sind gerade die beiden Hauptfiguren so herrlich überzogen, dass sie für sich genommen schon für Lacher gut sind. Und im Doppelpack umso mehr.

Jared Leto machte in den letzten Jahren vor allem durch seine Rockgruppe Thirty Seconds to Mars von sich reden. Ihn für die Rolle von Rayon zu besetzen, dürfte da für manchen überraschend gekommen sein. Doch die Entscheidung war sicher richtig, Wenn er mit High-Heels, knappen Röcken und tief ausgeschnittenen Blusen durch die Gegend dackelt, zickt und säuselt, ist es so, als hätte er nie etwas anderes getan. Für sein weibliches Fanpublikum könnte der Anblick schwer zu verkraften sein, aber er macht als aufgetakelte, überbordende Transsexuelle eine so gute Figur, dass er vermutlich in jedem anderen Film die Kamera an sich gerissen hätte.Dallas Buyers Club Szene 2

Wäre da nicht Matthew McConaughey, der so oft als Schönling verspottete Schauspieler, der in den letzten zwei, drei Jahren eines der beeindruckendsten Comebacks Hollywoods feiern durfte, mit viel Mut zur Hässlichkeit und einer enormen Wandlungsfähigkeit in den unterschiedlichsten Film- und Fernsehproduktion auftrat (Bernie, Magic Mike, The Paperboy, Mud, True Detective). Und auch wenn der Hype zwischenzeitlich vielleicht ein bisschen viel wurde, liefert er hier dennoch eine seiner größten Leistungen seiner Karriere ab. Bis zur Unkenntlichkeit heruntergehungert tritt er sein ehemaliges Image mit Füßen, gerade zu Beginn, vor seiner Wandlung zum mitfühlenden Mitmenschen. Wenn er und auch Leto dieses Jahr mit einem Oscar belohnt wurden, unverdient ist das nicht.

Im Gegensatz dazu fällt die Dritte im Bunde, Jennifer Garner, deutlich ab. Das liegt jedoch weniger an ihrer Darstellungskunst als vielmehr an ihrer undankbaren Rolle. Als nüchterne wenn auch verständnisvolle Ärztin Eve Saks sind ihr kaum große Auftritte vergönnt. Gerade weil Woodroof und auch Rayon schon sehr nahe an der Karikaturgrenze angelegt sind, kann eine „normale“ Person da nur im Schatten stehen. Doch auch wenn die Figuren eher unterhaltsam als spannend sind – Woodroofs Gegenspieler bleiben ebenso schablonenhaft –, sehenswert ist Dallas Buyers Club unbedingt. Und das nicht nur als Demonstration großer Schauspielkunst, sondern auch als Zeitdokument. Was Jean-Marc Vallée sehr schön gelang, ist es zu zeigen, was es hieß, damals Mitte der 80er mit AIDS in Berührung zu kommen. Irgendwo zwischen einfacher Unkenntnis und Paranoia bedeutete die „Schwulenseuche“ das gesellschaftliche Aus, eine Krankheit, mit der niemand etwas zu tun haben wollte. Und von der viele nicht einmal wussten, was sie überhaupt bedeutete.

Fazit: Die Figuren hätten sicher etwas mehr Tiefe vertragen, da ist man manchmal schon nahe an der Karikatur. Da die aber brillant gespielt werden ist das überraschend komische AIDS-Drama absolut sehenswert und bietet zudem einen überzeugenden Einblick in die Lebenssituation von Betroffenen Mitte der 80er.

Wertung: 8 von 10

Dallas Buyers Club erscheint am 22. Juli auf DVD und Blu-ray

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House of Cards – Die komplette dritte Miniserie

Politik, Thriller, TV-Serie , geschriebenam 19 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„The Final Cut“ directed by Mike Vardy, 1995)

House of Cards – Die komplette dritte MiniserieNicht mehr lange und er hat den Rekord von Margaret Thatcher gebrochen, Francis Urquhart (Ian Richardson) wäre damit der am längsten regierende Premierminister Großbritanniens. Und wer sollte ihm den Sieg noch nehmen? Feinde hat er, mehr als genug sogar. Und seine Beliebtheitswerte sind auf einem historischen Tiefpunkt. Nachdem FU, wie ihn sein Umfeld liebevoll nennt, in der ersten Serie alle parteiinternen Konkurrenten aus dem Feld geschlagen hat und in der zweiten sogar den König ausmanövrierte, sind aber einfach nicht mehr genügend Leute übrig, die es mit ihm aufnehmen wollen. Erst als Urquhart seinen Außenminister Tom Makepeace (Paul Freeman) öffentlich demütigt, kommt es zu einer Gegenbewegung. Und dann taucht auch noch Maria Passolides (Yolanda Vazquez) auf, die den Tod ihrer Onkel in den 50ern aufklären will. Das jedoch kommt Urquhart sehr ungelegen, denn der weiß mehr über die Geschichte, als ihm lieb ist.

Wer die ersten beiden Serien rund um den intriganten, machtbesessenen und äußerst skrupellosen Francis Urquhart gesehen hat, weiß bereits was ihn dieses Mal erwartet. Zwar gibt es kaum noch personelles Überbleibsel der Vorgänger – neben Richardson ist das hauptsächlich Diane Fletcher als seine Frau Elizabeth – doch am Prinzip der Serie hat sich nichts geändert: Ein älterer, selbstverliebter Politiker nutzt jeden Trick, um an der Macht zu bleiben. Das ist gut und schlecht zugleich. Spannend ist die BBC-Serie House of Cards, welche die Vorlage für die gleichnamige amerikanische Serie mit Kevin Spacey bildete, noch immer. Vielleicht sogar noch mehr als zuvor, da dieses Mal auch andere beweisen dürfen, dass sie sich aufs Ränkeschmieden verstehen. Gleichzeitig fehlt aber das Neue oder Überraschende, etwas, das Teil drei tatsächlich hervorhebt.House of Cards – Die komplette dritte Miniserie Szene 1

Neueinsteiger werden dieses Problem natürlich nicht haben, doch die sollten besser bei der ersten Serie einsteigen. Die ist nicht nur die beste, da sie den Thrillerteil mit viel beißender Satire verknüpft, es werden auch inhaltlich viele Grundsteine gelegt. Zwar ist die dritte Serie, eine Verfilmung des Romans „The Final Cut“ von Michael Dobbs, keine direkte Fortsetzung und kann grundsätzlich für sich allein stehen. Doch diverse Anspielungen, gerade die eingespielten Szenen um die Journalistin Mattie Storin, werden nirgends erklärt, was den Einstieg erschwert.

In der Buchvorlage spielte deren Schicksal auch keine Rolle und wurde eigens für die Verfilmung noch einmal hervorgekramt, um die Verbindung zu schaffen. Auf der einen Seite verständlich, den Bogen schlagen zu wollen und an die Beginne der Kultserie anzuknüpfen. Aber man merkt schon deutlich, dass das in der ursprünglichen Fassung nicht vorgesehen war: Reinpassen will es nicht so recht. Dafür wurde die zweite Serie hier komplett ignoriert, was enttäuschend ist. Man hätte schon ganz gerne gewusst, wie es mit dem König nach dessen Niederlage weiter ging. Doch der findet diesmal keine Erwähnung.House of Cards – Die komplette dritte Miniserie Szene 1

Fans werden sich dennoch darüber freuen, dass das finale Kapitel nun ebenfalls auf Deutsch vorliegt. Im Vergleich zu Teil zwei und insbesondere dem Auftakt ist die Stimmung hier durchgehend düster. Die komödiantischen Aspekte sind komplett aufgegeben worden und die Skrupellosigkeit von Urquhart hat noch einmal eine Steigerung erfahren. Konnte man ihm vorher zugute halten, dass er nicht nur aus Eigeninteresse handelte, sondern auch echte politische Überzeugungen vertrat, dreht sich hier alles nur um den eigenen Gewinn. Und wenn zum Schluss hin zum Tiefschlag angesetzt wird, ist man fast schon froh darüber, wie wenig wir letzten Endes erfahren, was hinter verschlossenen Türen unserer realen Politiker so passiert.

Fazit: Das Ende einer Ära: Das letzte Kapitel um den intriganten Politiker Francis Urquhart setzt da an, wo die bisherigen aufgehört haben. Für alte Hasen fehlen damit die Überraschungen oder neuen Elemente, spannend ist der düstere Thriller um Macht und Verrat aber auch beim dritten Mal.

Wertung: 7 von 10

House of Cards – Die komplette dritte Miniserie ist seit 15. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

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DVD

Allegro non troppo

Animation/Trickfilm, Komödie, Musik , geschriebenam 18 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Allegro non troppo“ directed by Bruno Bozzetto, 1976)

Allegro non troppoNachdem es in den letzten beiden Folgen unseres fortlaufenden Animationsspecials doch recht dramatisch zuging, wird es mal Zeit für gepflegten Nonsens. Und wer eignet sich besser dafür als der italienische Regisseur und Satiriker Bruno Bozzetto? Während seine Serien und Kurzfilme um den untersetzten Träumer Herr Rossi auch 40 Jahre später die Augen vieler erleuchten lassen, sind seine drei abendfüllenden Zeichentrickfilme ein wenig in Vergessenheit geraten. Ein Wunder ist das nicht, sowohl Der wildeste Westen als auch VIP – Mein Bruder, der Supermann sind in den Katakomben der Öffentlich-Rechtlichen verschollen. Allein Allegro non troppo wurde ein DVD-Release gegönnt, weshalb Teil 11 ihm gewidmet ist. Aber auch der ist einen Blick wert. Und ein Ohr sowieso.

Im Gegensatz zu seinen früheren Werken dreht sich bei Bozzettos letztem großen Zeichentrickfilm alles um Musik. War Der wildeste Westen eine Parodie auf die in den 60ern so populären Wildwestfilme und VIP eine nicht ganz ernst gemeinte Superheldengeschichte, musste bei Allegro non troppo Walt Disneys Fantasia dran glauben. Wie beim großen Vorbild werden auch hier klassische Musikstücke als Grundlage für eine Reihe animierter Kurzfilme genommen. Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Film und Musik gibt es selten, zwischen den einzelnen Episoden überhaupt nicht – und damit auch keine durchgehende Handlung.Allegro non troppo Szene 1

Einen Rahmen dafür schon, auch wenn der nicht unbedingt zu den Stärken des Films gehört: In schwarz-weiß gedrehten Realaufnahmen verfolgen wir den Auftritt eines Orchesters, das ausschließlich aus Damen im deutlich fortgeschrittenen Alter besteht. Dazu wird ein zuvor in Ketten gelegter, namenloser Zeichner (Maurizio Nichetti) auf die Bühne geholt, der die Musik passend illustrieren soll. So richtig gelingen will das aber nicht, weshalb er ständig mit dem herrischen Dirigent (Néstor Garay) aneinander gerät. Und zwischen allen Stühlen sitzt der Moderator (Maurizio Micheli), der die undankbare Aufgabe hat, das Publikum durch eine Show zu führen, bei der so rein gar nichts klappen will. Die Absicht ist klar: Hier wird nicht nur Fantasia aufs Korn genommen, gleichzeitig sollen die unwürdigen Arbeitsbedingungen von Zeichnern an den Pranger gestellt werden. Während das Satirische immer mal wieder durchschimmert, beschränken sich die Szenen meistens aber auf sehr einfach gestrickten Slapstick, der nicht weit von den damaligen Bud-Spencer-Filmen entfernt ist.

Und auch die erste der gezeichneten Episoden will nicht so richtig zünden. Zu „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy die Geschichte eines alten Fauns zu erzählen, der mit Tricks junge Damen verführen will, ist irgendwo naheliegend. Lustig dafür weniger, dafür zieht sich der Abschnitt zu sehr und besteht aus zu vielen Wiederholungen. Auffällig ist hier schon, dass es im Vergleich zum Verwandten des Mäuseimperiums in Italien nicht ganz so jugendfrei zugeht. Hier und auch an anderen Stellen wird deutlich nackte Haut gezeigt, bei Film Nummer zwei wird es sogar gewalttätig. Zu den Klängen von „Slavonic Dance No. 7, Op. 46“ von Antonín Dvořák greift ein Höhlenmensch zu recht drastischen Mitteln, damit er nicht ständig von anderen imitiert wird.Allegro non troppo Szene 2

Ist der recht kurze Beitrag schon ziemlich witzig, kommt der Höhepunkt der Sammlung direkt im Anschluss. Der „Boléro“ von Maurice Ravel dürfte den meisten im Ohr sein, hier dient er als musikalische Untermalung für eine ganz eigene, oft hypnotische Evolutionsgeschichte, in der bizarre Wesen wie aus Der phantastische Planet umherziehen. Ganz so grandios ist der Folgefilm nicht, dafür aber umso bewegender. Eine Katze streift durch ein zerstörtes Haus und erinnert sich an eine glückliche Zeit, als sie noch mit einer Familie hier lebte. Gerade diese starken Kontraste zwischen den schönen Erinnerungen und der harschen Gegenwart – dazu läuft Jean Sibelius’ „Valse Triste“ – resultieren in einer emotionalen Achterbahnfahrt und den einzigen nicht-komischen Szenen des Films. Dafür wird es anschließend amüsant-harmlos, wenn das Picknick einer Biene immer wieder von Menschen gestört wird (Musik: „Concerto in C Major“ von Antonio Vivaldi). Zum Schluss darf Bozzetto noch einmal sein satirisches Talent zeigen und erzählt in einer Mischung aus Realfilm, Stop Motion und Zeichentrick eine leicht verstörende, völlig durchgeknallte Abwandlung des biblischen Sündenfalls.

Wie andere Episodenfilme (Manie Manie) hat also auch Allegro non troppo mit einer nicht ganz konstanten Qualität zu kämpfen: Zwei brillante Kurzfilme treffen auf drei gute und einen langweiligen, dazu gibt es noch eine belanglose Rahmenhandlung. Oft wird man sich die italienische Zeichentricksammlung also eher nicht am Stück ansehen. Doch wer den Umgang mit der Skip-Taste seines DVD-Players beherrscht, wird immer wieder in die skurrile Welt von Bruno Bozzetto zurückkehren. Die Zeichnungen sind wie bei ihm üblich recht einfach gehalten, viele Details gibt es nicht zu bewundern. Doch die brauchte der Altmeister auch nicht, um mal witzige, dann traurige und oft faszinierende Geschichten zu erzählen, die ihn trotz seines insgesamt überschaubaren Werks zu einem der großen Animationskünstler Europas machten.

Fazit: Bruno Bozzettos Parodie auf Fantasia verknüpft wie das Vorbild kleine Zeichentrickepisoden mit klassischer Musik. Nicht alle davon sind gleich gut gelungen, doch insgesamt stimmt die Qualität. Einige der skurril-seltsamen Geschichten sind so brillant, dass Allegro non troppo allein dafür von Animationsfans zumindest einmal gesehen werden sollte.

Wertung: 7 von 10

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Sternenkrieger – Survivor

Action, Science Fiction , geschriebenam 17 Juli, 2014 von Keine Kommentare

(„Survivor“ directed by John Lyde, 2014)

Sternenkrieger – SurvivorEinmal auf einem Pferd reiten, welches kleine Mädchen träumt nicht davon? Nur ist Kate (Danielle Chuchran) dem Kindesalter bereits entwachsen. Dass die junge Frau dennoch einen so vergleichbar kindlichen Traum hegt, liegt an ihren Lebensumständen: Sie ist an Bord eines Raumschiffes aufgewachsen, kennt weder Natur noch frische Luft. Und eben auch keine Pferde. Seit Jahrzehnten schon durchqueren die Transporter das Weltall auf der Suche nach einem neuen Zuhause, nachdem die Erde unbewohnbar geworden war. Als die Crew unter Führung von Captain Hunter (Kevin Sorbo) endlich eine potenzielle Heimat ausmacht, ist die Freude groß. Doch die währt nicht lang, als sie von einem Meteoritenschauer erfasst werden und abstürzen. Aber es kommt noch schlimmer: Der Planet wird von Monster und wilden Stämmen bewohnt, die nun Jagd auf Kate und ihre Mitstreiter machen.

Größer ist besser? Nicht unbedingt, was Filme angeht. Oft genug zeigt hier der Independentbereich, dass ohne Geld und ohne finanziellen Druck ganz eigene Wege eingeschlagen werden können. Nur bei einem Genre macht sich mangelndes Budget oft auch in der Qualität bemerkbar: Science Fiction. Wenn es darum geht, bedrohliche Bestien zu erschaffen oder galaktische Schlachten zu schlagen, kommt man ohne die passenden Mittel meistens nicht sehr weit. Sicher gibt es Ausnahmen, etwa Europa Report oder Zero Gravity, bei denen der Mensch im Vordergrund steht und weniger futuristische Maschinen.

Nur orientiert sich Sternenkrieger – Survivor nicht an diesen ruhigen Genrevertretern, sondern versucht, mit den Blockbustern zu wetteifern – und tut damit weder sich noch dem Zuschauer einen Gefallen. Dass die Optik nicht mithalten kann, ist wenig überraschend und verzeihlich, hier ist man auf dem Niveau einer Fernsehserie aus den 90ern hängengeblieben. Das hätte man aber noch ausgleichen können, mit einer ungewöhnlichen Folklore des Planeten, einer spannenden Geschichte, guten Dialogen, interessanten Figuren oder zumindest andersartigen Monstern. Aber nichts davon ist hier zu finden.Sternenkrieger – Survivor Szene 1

Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass man bei den Charakteren und ihren Interaktionen seine Ansprüche besser ein paar Stufen nach unten schrauben sollte. Doch wirklich übel wird es erst, wenn die Mannschaft auf dem fremden Planeten landet und eine unsinnige Szene nach der nächsten kommt. Wie schaffen es die Monster beispielsweise, auf einem völlig ebenen Strand mit freier Sicht die Gruppe anzugreifen, ohne dass diese sie kommen sieht? Die komplette Tierwelt scheint ausgestorben zu sein, aber ausgerechnet ein einzelnes Pferd existiert noch? Und auch, dass der schwerverletzte Captain sich nicht von der Stelle rühren kann, aber problemlos einige Tage und völlig ohne Nahrung überlebt, ist so an den Haaren herbeigezogen, dass es bei aller Liebe für den Indiebereich nur noch schmerzt. Man ertappt sich sogar bei der Hoffnung, dass die Menschen möglichst bald ausgelöscht sind, damit das Debakel ein Ende hat.Sternenkrieger – Survivor Szene 2

Große Überraschungen bleiben zudem aus, sieht man einmal von dem Twist gegen Ende des Films ab, der aber wie der Rest des Films ein offensichtliches Desinteresse an jeglicher Plausibilität hatte. Hätte Regisseur und Drehbuchautor John Lyde (berüchtigt für den Zombietrash Osombie) wenigstens den Mut gehabt und sich eindeutig zum Trash bekannt, hätte das noch witzig werden können. So aber bleiben maximal kurze passable Kämpfe und die netten Aufnahmen der kargen Berglandschaft auf der Plusseite. Und selbst da ist man besser beraten, eine beliebige Naturdokumentation zu besorgen. Da besteht zumindest die Chance, dass etwas von Wert zurückbleibt.

Fazit: Eine Gruppe von Menschen stürzt auf einem Planeten ab und muss gegen Monster kämpfen. Das hätte mit einem höheren Budget vielleicht unterhaltsam sein können. Da aber nicht nur das Geld fehlt, sondern auch eine spannende Geschichte, gute Dialoge oder interessante Figuren, ist Sternenkrieger – Survivor ein Film, den die Welt nicht braucht.

Wertung: 3 von 10

Sternenkrieger – Survivor erscheint am 22. Juli auf DVD und Blu-ray

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