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Belladonna

Animation/Trickfilm, Anime, Drama, Erotik, Horror , geschriebenam 17 Oktober, 2014 von Keine Kommentare

(„Belladonna“ directed by Eiichi Yamamoto, 1973)

BelladonnaUnd wir bleiben bei der Erwachsenenunterhaltung: Wie schon letzte Woche in Das fehlende Glied gibt es auch dieses Mal ausgiebig nackte Haut und Gewalt zu begutachten. Der Unterschied ist jedoch, dass im Gegensatz zur absurden Evolutionsgeschichte der heutige Teil 24 unseres fortlaufenden Animationsspecials eine tragische Geschichte zum Inhalt hat, eine sehr tragische sogar.

Dabei steht am Anfang von Belladonna sogar das Glück: Jeanne und Jean lieben sich über alles, wollen für immer zusammen sein und geben sich vor der versammelten Dorfgemeinschaft das Ja-Wort. Aber wie das so ist mit dem Glück, es ruft auch Missgunst und Neid hervor, zumindest aber den Wunsch, an eben jenem Glück teilzuhaben. Und so fordert der herrschende Fürst seinen Anteil, vergewaltigt ebenso wie seine Untergebenen die frischvermählte Jeanne. Doch das ist nur die erste von mehreren Grausamkeiten, welche die junge Frau in den Folgejahren erleiden muss und die sie letztendlich in die Arme des Teufels treibt.

Auch wenn Fritz the Cat immer ganz gerne als frühestes Beispiel für einen Zeichentrickfilm für Erwachsene genannt wird, die Japaner waren da ein bisschen früher dran. Anders als Bakshi, den vor 1972 keiner wirklich kannte, gehen die fernöstlichen Gehversuche auf Osamu Tezuka zurück – und der Schöpfer von Astro Boy und Black Jack wird nicht nur von Fans als „Gott des Manga“ bezeichnet. Dieser hatte bereits Ende der 60er die Idee, mit seinem Animationsstudio Mushi Productions erotische Filme für eine ältere Zielgruppe herzustellen. Animerama hieß die Reihe, Belladonna der dritte Teil. Und der erste, an dem Tezuka nicht direkt beteiligt war. Stattdessen überließ er hier Eiichi Yamamoto völlig freie Hand, der unter anderem schon bei der Tezuka-Serie Kimba der weiße Löwe und den beiden anderen Animerama-Filmen A Thousand & One Nights und Cleopatra Regie geführt hatte.Belladonna Szene 1

Gewöhnungsbedürftig war für die zeitgenössischen Zuschauer aber nicht nur der hohe Anteil an Sexualität, sondern auch wie diese dargestellt wurde. Viele der Bilder würde man eher in einem westlichen Film vermuten, von Anime-Ästhetik ist hier weit uns breit nichts zu sehen. Und von Animationen genauso wenig. Nur hin und wieder einmal bewegt sich etwas, ansonsten greift Yamamoto vor allem auf starre Wasserfarbenmalereien zurück, an denen die Kamera entlangfährt. Dass hier vieles verschwommen ist, liegt in der Natur der Sache, hin und wieder – etwa bei den anonymen Dorfbewohnern – ist nicht einmal klar, wo überhaupt die Grenzen liegen.

Wer nur die computergenerierten Verwandten der Neuzeit kennt, wird sich mit dem bewusst kontrastlosen Belladonna schwer tun. Tatsächlich aber ist die unwirkliche Optik ein wichtiger Punkt im Gesamtkonzept des lose auf „Die Hexe“ von Jules Michelet basierenden Films: Yamamoto stößt mit seinen ausdrucksstarken Bildern die Tore zur Hölle weit auf – im realen und übertragenen Sinn –, lässt uns zusammen mit der bedrohlichen Synthiemusik in einem surreal-psychedelischen Sinnesstrudel voll sexueller Symbolik versinken.Belladonna Szene 2

Leider nur ist der Inhalt hinter der faszinierenden Fassade weit weniger spannend. Das Grundprinzip einer metaphorischen Geschichte über den Geschlechterkampf – Frauen sind entweder Opfer oder Hexen – ist sicher interessant. In der Umsetzung beschränkt sich der Film jedoch meistens darauf, Jeanne bei bizarren Sexszenen zu zeigen oder diabolische Phallussymbole durch die Gegend fliegen zu lassen. Der Wandel von der unterdrückten Heiligen zur lustvollen Überfrau ist deshalb auch recht forciert, die titelgebende schöne Frau wächst nie über die Rolle einer Projektionsfläche hinaus, von den persönlichkeitslosen Figurendrumherum ganz zu schweigen.

Für die Geschichte allein lohnt sich Belladonna deshalb eher weniger, der feministische Anstrich und die voyeuristische Gestaltung stehen bis zum Schluss im Widerspruch. Als ästhetische Erfahrung ist der vergessene Klassiker jedoch für alle ein Muss, die Spaß an Grenzüberschreitungen haben. Dass dies kein besonders große Zielgruppe ist, war vor 40 Jahren nicht anders als heute: Trotz Teilnahme an der Berlinale war Belladonna ein Vollflop, Mushi Productions musste noch im selben Jahr Konkurs anmelden. Und das ist schade, denn vergleichbar experimentierfreudige Filme waren damals wie heute kaum zu finden.

Fazit: Bizarr, alptraumhaft, ein sexuell aufgeladener Sinnesrausch – es mögen mehr als 40 Jahre vergangen sein, doch noch immer ist Belladonna ein einzigartiges Beispiel dafür, was bei Animationsfilmen möglich ist. Experimentierfreudige Zuschauer sollten ihn deshalb zumindest einmal erlebt haben, auch wenn der Inhalt deutlich weniger spannend ist.

Wertung: 7 von 10

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Blu-ray

Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl

Horror , geschriebenam 16 Oktober, 2014 von Keine Kommentare

(„La Cueva“ directed by Alfredo Montero, 2014)

Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine WahlEinen netten kleinen Urlaub auf einer kleinen Insel verbringen und dabei zusammen eine schöne Zeit haben, mehr wollten die fünf Freunde (Marta Castellote, Xoel Fernández, Eva García-Vacas, Marcos Ortiz, Jorge Páez) ja gar nicht. Und anfangs standen die Chancen dafür auch gar nicht so schlecht. Alkohol, ein bisschen Drogen, ein wenig Sex und viel, viel Unsinn – die Jugendlichen wissen schon, wie man Spaß hat. Doch der vergeht recht schnell, als die fünf eine Höhle entdecken. Immer tiefen dringen sie in den verwinkelten Untergrund ein, gehen dabei so sehr in ihrem Abenteuer auf, dass sie nicht merken, dass sie längst die Orientierung verloren haben.

„Dieser Film kann Atemnot und Beklemmungen verursachen. Anschauen auf eigenes Risiko!“ Wenn Cover damit werben, nur etwas für wirklich Hartgesottene zu sein, entlockt das der Zielgruppe meist nur ein abfälliges Grinsen. Doch dieses könnte ihnen hier vergehen, denn Die Höhle ist tatsächlich für klaustrophobieaffine Zuschauer mindestens eine Herausforderung, wenn nicht gar eine Zumutung. Und selbst wem beim Gedanken an steckengebliebene Aufzüge oder endlos lange Tunnel nicht der Schweiß ausbricht, wird hier auf eine harte Probe gestellt. Schon nach wenigen Minuten sieht man im Dunkel kein oben und unten mehr, es wird durch kleinste Öffnungen gequetscht, der Ausweg wird zu einer fernen Erinnerung.Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl Szene 1

Während die Aufnahmen in der real existierenden Höhle also von Anfang an echte Horroratmosphäre verbreiten, ist der spanische Film inhaltlich und auch bei der Umsetzung weit weniger spannend. Fast schon ärgerlich beispielsweise ist die Entscheidung, hier mal wieder auf den längst überfüllten Found-Footage-Zug aufspringen zu wollen. Das ist zu Beginn sogar noch einigermaßen plausibel, schließlich werden Campingurlaube auch im realen Leben oft zum Einsatzort filmwütiger Zeitgenossen, die alles und jeden filmen, gleich ob es nun interessant ist oder nicht.

Im späteren Verlauf von Die Höhle wird es aber weit weniger nachvollziehbar, wenn die Jugendlichen längst ums Überleben kämpfen und eigentlich ganz andere Dinge im Kopf haben sollten als die Dokumentation ihrer Verzweiflungstaten. An einigen Stellen verdanken wir der Egoperspektive immerhin stimmungsvolle Aufnahmen. Die restliche Zeit hätte man ohne aber auch sehr gut leben können, zumal es sich hier ohnehin nicht um gefundene Aufzeichnungen handelt, die Idee hinter der Pseudodokumentation also auch mit Füßen getreten wird.Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl Szene 2

Die Geschichte an sich ist dabei einfach und ohne große Abwechslung, dafür aber effektiv. Im Mittelpunkt stehen hier keine Monster oder unheimliche Begegnungen, sondern die durchaus realitätsbezogene Frage: Was tun, wenn man in einer Höhle eingesperrt ist, ohne Vorräte, ohne Kommunikationsmittel, ohne Hoffnung, wieder herauszukommen? Was also als reiner Stimmungshorror beginnt, nähert sich schnell Katastrophenfilmen wie Überleben! an, mit ähnlichen krassen Folgen. Ob die in der Form tatsächlich auch realistisch sind, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Zumindest lassen sie einen darüber nachgrübeln, wie man wohl selbst in einer solchen Situation reagiert hätte, und dabei gleichzeitig die böse Ahnung entstehen, dass das größte Monster, welches in der Dunkelheit lauert, am Ende wohl doch der Mensch ist.

Fazit: Die Höhle ist nicht nur für Klaustrophobiker ein geradezu unmenschlich spannender Film. Während die Atmosphäre sehr stark ist, kann man das vom Inhalt nicht unbedingt behaupten, die Found-Footage-Einbindung ist zudem nur teilweise geglückt.

Wertung: 6 von 10

Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl ist seit 14. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

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DVD

Under the Skin

Fantasy, Science Fiction, Thriller , geschriebenam 15 Oktober, 2014 von Keine Kommentare

(„Under the Skin“ directed by Jonathan Glazer, 2013)

DGT.DVD_Inlay_RZ.indd„Könnten Sie mir den Weg zeigen?“ Neu ist die Masche nicht, variiert wird ebenso wenig. Doch Originalität ist auch nicht wirklich notwendig, wenn man so überirdisch schön ist wie Laura (Scarlett Johansson). Das ist in ihrem Fall auch kein großes Wunder, denn die hübsche Frau ist tatsächlich ein Alien. Und eines mit einem großen Appetit auf Mensch. Aus diesem Grund fährt sie auch ohne Ende mit ihrem Van durch Schottland, sammelt Männer ohne große Bindungen, dafür aber großem Verlangen auf und bringt sie in eine Wohnung, aus der sie nie wieder lebend entkommen.

Neun Jahre Pause hatte der Werbe- und Musikvideoregisseur Jonathan Glazer eingelegt, bevor er mit Under the Skin erneut dem Filmgeschäft einen Besuch abstattete – allein das sorgte bereits im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit. Dabei hätte es das gar nicht gebraucht, wer die seltsame Mischung aus Science Fiction und Thriller das erste Mal sieht, wird ihn auch ohne Hintergrundwissen so schnell nicht wieder vergessen.

Am Inhalt liegt das weniger, denn dem verweigert sich die lose Adaption des gleichnamigen Romans von Michel Faber fast völlig. Nach einem äußerst surrealen Einstieg, dessen einziger Erkenntnisgewinn darin besteht, dass Laura nicht-menschlichen Ursprungs ist, sind wir auch schon mit ihr in den Straßen unterwegs, immer auf der Suche nach Menschen, die einsam sind. Verloren. Menschen, die keiner vermissen wird. Allein deshalb hat Under the Skin von Anfang an auch etwas Melancholisches an sich. Trostloses. Finsteres.Under the Skin Szene 1

Und natürlich etwas Rätselhaftes, denn Erklärungen gibt einem Glazer nicht an die Hand. Wie auch, wenn es nahezu keine Dialoge gibt? Man muss sich schon einige Minuten gedulden, bis überhaupt jemand etwas sagt. Und wenn, handelt es sich dabei um die recht nichtssagenden Gespräche mit den potenziellen Opfern. Die wurden dann auch von Laien gespielt, die aufgezeichneten Konversationen wurden heimlich mit versteckten Kameras gefilmt. Aus diesem Grund wirkt Under the Skin oft auch gar nicht wie ein Film, sondern vielmehr wie eine Fernsehsendung, bei der ein Reporter Reaktionen von Passanten aufsammelt.

Diese Beliebigkeit nimmt jedoch ein jähes Ende, sobald die Männer mit Laura die Wohnung betreten. Was folgt ist eine der verstörendsten Sequenzen, die man dieses Jahr in einem Film zu sehen bekam. So fremdartig anders, so faszinierend, so unsterblich schön und unsterblich schrecklich zugleich. Sicher könnte man versuchen, diese zu beschreiben. Ganz einfach wäre das jedoch nicht, vor allem aber unsinnig: Wie wir hier, begleitet von einer großartigen, hypnotischen Musik, im Nichts verschwinden, muss das erlebt, nicht erzählt werden. Dass Under the Skin insgesamt fast schon übertrieben nichtssagend ist, hier Figuren auftreten, über die wir nichts wissen, oft nicht mal den Namen, wird da zur Nebensache. Denn dieses Rätseln gehört gerade dazu, die freie Leinwand, die wir mit Interpretationen füllen dürfen.Under the Skin Szene 2

Wenn der Film ein Problem hat, dann sind es auch gar nicht die vielen bizarren Momente, sondern dass nach diesen starken audiovisuellen Alpträumen einfach nichts Interessantes mehr kommt. In der zweiten Hälfte von Under the Skin bewegt sich der Fokus weg von den monströsen Vorgängen hin zum Monster selbst und dessen Wunsch, keins mehr zu sein – ein Thema also, das einem im Horrorgenre doch recht häufig begegnet. Das jedoch ist naturgemäß schwer zu vermitteln, wenn auch aufgrund der fehlenden Dialoge kein Zugang zu Laura möglich ist. Das zudem auch die Einfälle fehlen – seien sie auf der inhaltlichen oder der inszenatorischen Seite – um dem altbekannten Motiv neues Leben einzuhauchen, weicht die anfangs immens große Faszination zuerst der Gleichgültigkeit, später sogar der Langeweile. Und dieser zunächst so einmalige Film wird auf einmal etwas, was man bei aller Unvorhersehbarkeit der Ereignisse wohl am wenigsten erwartet hätte: banal.

Fazit: Der Inhalt von Under the Skin ist ebenso einfach wie rätselhaft. Doch die Stärke liegt woanders: Der surreale Science-Fiction-Thriller bietet in der ersten Hälfte ein audiovisuell einmaliges Erlebnis, bevor er in der zweiten Hälfte jedoch in Belanglosigkeit und Langatmigkeit versinkt.

Wertung: 6 von 10

Under the Skin ist seit 10. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Blu-ray

Unter Bestien – Der alte Mann und die Wölfe

Abenteuer, Drama , geschriebenam 14 Oktober, 2014 von Keine Kommentare

(„Shal“ directed by Ermek Tursunov, 2012)

Unter Bestien – Der alte Mann und die WölfeSchafe, Pferde, Fußball – viel braucht Kasym (Erbulat Toguzakov) ja nicht, um glücklich zu sein. Zusammen mit seiner Familie lebt der alte Mann in der Steppe Kasachstans und genießt den Frieden der Abgeschiedenheit. Doch damit ist es vorbei, als er eines Tages zusammen mit seiner Schafsherde in einen Schneesturm gerät. Sein Enkel versucht zwar verzweifelt, einen Suchtrupp zu organisieren, doch niemand will ihm so recht helfen. Dabei schwebt sein Großvater trotz seiner langen Erfahrung tatsächlich in Lebensgefahr, denn ein Rudel wilder Wölfe treibt dort sein Unwesen.

Gerade einmal 127 Seiten lang war die Novelle „Der alte Mann und das Meer“, als sie 1952 erschien. Doch trotz seiner Kürze wurde die Geschichte um einen Greis, der sich auf offener See einen Kampf auf Leben und Tod mit einem riesigen Marlin liefert, zu einer der bekanntesten des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway. Und eine der zeitlosesten. Kein Wunder also, dass sie immer wieder für Kino und Fernsehen adaptiert wurde, bis heute, sei es als Spielfilm, als Miniserie oder auch als wunderschöner Animationsfilm.Unter Bestien – Der alte Mann und die Wölfe Szene 1

Regisseur und Drehbuchautor Ermek Tursunov nimmt nun die klassische Vorlage, führt sie aber in eine ganz andere Richtung. Der offensichtlichste Wechsel betrifft natürlich den Schauplatz: Bei Unter Bestien – Der alte Mann und die Wölfe wird das Meer gegen die Steppe Kasachstans getauscht, der Marlin gegen Wölfe. Und auch das Drumherum entspricht nicht mehr so ganz der literarischen Quelle. Aus dem Gehilfen Manolin wurde hier der Enkel des Protagonisten, zu dem er außerdem ein recht kompliziertes Verhältnis hat, das immer wieder von Konflikten und Missverständnissen geprägt ist.

Wahnsinnig spannend ist die Familiengeschichte nicht, weshalb sich der Film anfangs auch ein wenig zieht. Erst als Kasym im Sturm verloren geht, zeigt Unter Bestien seine wahren Stärken. Der Kampf zwischen Mann und Wolf wird hier wie in der Vorlage zu einem ganz existenziellen zwischen Mensch und Natur, zu einem Wettstreit um Vorherrschaft und Selbstbehauptung. Und das ist nicht nur auf der realen Ebene, sondern auch auf der psychologischen spannend, denn immer wieder erhalten wir auch Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt des alten Mannes.Unter Bestien – Der alte Mann und die Wölfe Szene 2

Richtig neue Aspekte gewinnt der kasachische Film Hemingways Vorlage trotz der Änderungen nicht ab, rein des Inhalts wegen gibt es also kaum Gründe, diese Fassung vorzuziehen. Deutlich besser sieht es aber – wortwörtlich – bei der Umsetzung aus, denn die raue Natur der Steppen, die Schneelandschaften und auch die Wölfe sind ein sehr lohnenswerter Anblick. Wer gerne Naturaufnahmen sieht, wird hier gerade in der zweiten Hälfte sehr gut bedient. Allerdings muss man sich auch auf eine Erzählweise einstellen, die sich sehr viel Zeit lässt und das Überlebensdrama leider immer wieder in die Monotonie abgleiten lässt.

Fazit: Unter Bestien versetzt die bekannte Hemingway-Novelle zwar ins Kasachstan der Neuzeit, findet inhaltlich sonst aber wenig neue interessante Aspekte. Doch trotz gelegentlicher Monotonie fasziniert der existenzielle Kampf zwischen Mensch und Natur, der hier zudem in sehr schöne Bilder der kargen Steppe verpackt wurde.

Wertung: 6 von 10

Unter Bestien – Der alte Mann und die Wölfe ist seit 23. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Enemy

Thriller , geschriebenam 13 Oktober, 2014 von Keine Kommentare

(„Enemy“ directed by Denis Villeneuve, 2013)

EnemyDie ganz große Abwechslung bietet der Alltag von Geschichtsprofessor Adam (Jake Gyllenhall) ja nicht. Die Arbeit läuft, er hat eine hübsche Freundin namens Mary (Mélanie Laurent), mit der er zwar nicht viel spricht, dafür aber oft und ausgiebig Sex hat. Eine etwas unerwartete Wendung nimmt sein Leben, als er auf Anraten eines Kollegen einen Film ansieht und darin einen Schauspieler entdeckt, der ihm aufs Haar gleicht. Fasziniert (und verstört) von dieser Gemeinsamkeit, setzt Adam alles daran, diesen Doppelgänger aufzuspüren. Und tatsächlich hat er Erfolg: Anthony St. Claire (Gyllenhaal) nennt sich der Gesuchte, ist Schauspieler und mit der schwangeren Helen (Sarah Gadon) verheiratet. Doch mit dieser Erkenntnis gerät alles erst recht aus den Fugen.

Denis Villeneuve und Jake Gyllenhaal, das ist eine Kombination, die wir vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal in Prisoners bewundern durften. Doch mit der harten Entführungsgeschichte hat die zweite Zusammenarbeit – eigentlich die erste, denn Enemy entstand zuvor – nur wenig gemeinsam. So wie der Thriller nur mit wenigen Genrevertretern wirklich vergleichbar ist. Fordernd sind sie jedoch beide, und richtig empfehlenswert auch.

Ausgangsmaterial ist dieses Mal ein Roman, auch wenn sich Villeneuve  bei der Umsetzung von „Der Doppelgänger“ des Schriftstellers José Saramago nicht allzu sklavisch an die literarische Quelle gehalten hat. Wer das Werk des Portugiesen kennt oder auch die Verfilmung von „Die Stadt der Blinden“ gesehen hat, wird aber auch bei Enemy die bekannte Mischung aus Charakterstudie und mysteriöser Atmosphäre vorfinden. Und mysteriös ist dabei noch harmlos ausgedrückt, denn der Film tut alles dafür, um Erwartungen im Nichts enden zu lassen und Vermutungen ad absurdum zu führen.Enemy Szene 1

Schon die erste Szene – eine Art exklusive Orgie à la Eyes Wide Shut, verbunden mit dem großen Auftritt einer Spinne – lässt einen verlegen am Kopf kratzen. Denn einen Kontext oder gar eine Erklärung, die verweigert uns Villeneuve hier, oft genug auch im weiteren Verlauf. War Prisoners bei aller charakterlichen Komplexität ein doch recht geradliniger Film, findet man hier vor lauter Kurven den Weg nicht mehr. Warum sehen die beiden gleich aus? Was hat es mit den Spinnen auf sich? Ist das Geschehen überhaupt real? Fragen gibt es zwangsläufig, Antworten jedoch nicht. Das wird für manche auch tatsächlich ein Problem darstellen: Um Enemy genießen zu können, braucht es sowohl die Bereitschaft zu ausgiebigen Interpretationen als auch eine hohe Frustrationsgrenze. Ein Faible fürs Surreale ohnehin.Enemy Szene 2

Letztere wird nicht nur durch die rätselhafte Geschichte erreicht, sondern auch Bild und Musik. Von einigen Szenen einmal abgesehen, verlässt Enemy beim Gezeigten zwar nie den Boden der Realität, doch durch die farbarme, leicht verwaschene Optik hat man als Zuschauer oft das Gefühl, nie ganz da zu sein. Dass wir keine Orientierungspunkte bekommen, nicht einmal psychologische Andockpunkte – bis auf die drei nicht immer nachvollziehbaren Hauptfiguren gibt es hier kaum Menschen – verstärkt dann noch den Eindruck, in einer Art Parallelwelt gefangen zu sein. Weniger subtil, aber nicht minder effektiv, ist die musikalische Untermalung des atmosphärisch brillanten Films: bedrohlich, hypnotisch, fremd lässt sie selbst in den klareren Momenten keinen Zweifel daran aufkommen, dass hier vieles nicht so ist, wie es erscheint.

Fazit: Das Verwirrspiel um zwei Doppelgänger versucht erst gar nicht, dem Zuschauer plausible Antworten an die Hand zu geben. Das ist fordernd, oft überfordernd, aber doch auch eine faszinierend surreale Interpretationsübung.

Wertung: 7 von 10

Enemy ist seit 10. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

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