Kino

Can A Song Save Your Life?

Drama, Komödie, Musik, Romanze , geschriebenam 25 August, 2014 von Keine Kommentare

(„Begin Again“ directed by John Carney, 2014)

CanASongSaveYourLife_Plakat_A3.inddSo richtig viel Glück im Leben hatten die beiden in der letzten Zeit ja nicht. Die junge Musikerin Gretta (Keira Knightley) steht im Schatten ihres langjährigen Freundes Dave, der gerade seinen großen Durchbruch feiert und sein Rockerleben lieber ohne sie genießt. Plattenproduzent Dan (Mark Ruffalo) hat privat nicht minder große Probleme: Seine Exfrau Miriam (Catherine Keener) will nichts mehr mit ihm zu tun haben, und auch das Verhältnis zur gemeinsamen Tochter Violet (Hailee Steinfeld) war schon einmal besser. Darüber hinaus steht er plötzlich ohne Job da, nachdem er aus dem Label gekickt wurde, das er einst selbst gegründet hatte. Als er bei seiner Frustsauftour Gretta begegnet, sieht er darin seine Chance. Mit ihr will er der ganzen Welt beweisen, dass er noch immer ein Gespür für große Talente hat.

Zurück zu den Wurzeln: Nach einem Ausflug ins reine Komödienfach mit Zonad, kehrt hier John Carney zu dem zurück, was ihn groß gemacht hat. Schließlich zeigte der irische Regisseur und Drehbuchautor schon bei Once die verbindenden Kräfte der Musik. Wer den oscargekrönten Überraschungserfolg mochte, wird deshalb viele Gemeinsamkeiten feststellen. Da wäre neben dem großen Fokus auf die Lieder – zeitweise wird mehr gesungen als gesprochen – auch eine romantisierte, vielleicht sogar idealisierte Stimmung. Im Kontrast dazu bleibt die an und für sich naheliegende Beziehung der beiden Protagonisten auch bei Can A Song Save Your Life? nur angedeutet, mit den Mechanismen der klassischen Romanze wird gespielt, vollends angewendet werden sie nie.(L-R) KEIRA KNIGHTLEY and ADAM LEVINE star in CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?

Doch es gibt auch Unterschiede, und die werden bereits bei der Besetzung deutlich. Waren Markéta Irglová  und Glen Hansard allenfalls in Folkkreisen ein Begriff, findet man hier mit den etablierten Schauspielern Keira Knightley, Mark Ruffalo und Catherine Keener deutlich größere Namen. Hinzu kommt Adam Levine, hauptberuflich Sänger bei Maroon 5 und Sexiest Man Alive.

Auch sonst schielte Carney dieses Mal deutlich mehr in Richtung Mainstream, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Positiv ist, dass sich der Ire bei seinem neuesten Film stärker für seine Handlung interessiert. War Once relativ bald eine reine Stimmungsangelegenheit, mehr impressionistisch denn erzählend, gibt es hier tatsächlich eine Geschichte, so simpel sie auch sein mag. Und auch der Humor wurde stärker herausgearbeitet, gerade das komödiantische Talent von Mark Ruffalo findet immer wieder ein dankbares Ventil.Can A Song Save Your Life? Szene 1

Mit der konventionelleren Ausrichtung ging gleichzeitig aber auch das Raue verloren, das Once noch ausgezeichnet hatte. Die Handkamera wurde gegen ein professionelles Equipment ausgetauscht, der Alltag der Unterschicht gegen riesige Bühnen und kreischende Schulmädchen, spröder Folk gegen geradlinige Popnummern. Zwar versucht Carney an anderen Stellen die Magie des Alltags einzufangen, indem er Grettas Album auf den Straßen New Yorks einspielen lässt, sich so Straßenlärm, Naturrauschen und Gebrauchsgegenstände mit der Musik verbinden. Doch nur manchmal geht der Plan auf. Größtes Problem ist die mangelnde Glaubwürdigkeit. Die Rolle als verletzte Frau mag man Keira Knightley noch abnehmen, die der leidenschaftlichen Musikerin eher nicht. Unterhaltsam ist Can A Song Save Your Life? dennoch, insgesamt auch nicht mal unbedingt schlechter als der gefeierte „Vorgänger“. Aber er bleibt am Ende mehr die Behauptung eines Gefühls, weniger das Gefühl selbst.

Fazit: Wieder einmal erzählt John Carney von der verbindenden Liebe zur Musik. Das ist dieses Mal fokussierter, professioneller und unterhaltsamer, dafür ging die raue Authentizität verloren.

Wertung: 7 von 10

Can A Song Save Your Life? läuft ab 28. August im Kino

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Blu-ray

The LEGO Movie

Abenteuer, Action, Animation/Trickfilm, Filmtipp, Komödie , geschriebenam 24 August, 2014 von Keine Kommentare

(„The LEGO Movie“ directed by Phil Lord, Christopher Miller, 2014)

The LEGO MovieVorschriften und Regeln sind doof, für die meisten zumindest. Aber Emmet ist nicht wie die meisten. Ihm macht es Spaß, sich komplett konform zu verhalten, hat auch zu jeder Zeit eine schlaue Betriebsanleitung dabei, die ihm alles sagt, was er über das Leben wissen muss. Dachte er zumindest. Als er eines Tages unfreiwillig eine Ruine entdeckt und dabei die mysteriöse Wyldstyle kennenlernt, wird sein Weltbild gehörig auf den Kopf gestellt. Lord Business, der allseits geliebte Herrscher über die LEGO-Welt, soll in Wahrheit deren Zerstörung planen. Eine Gruppe von superbegabten Meisterbauern unter der Führung des alten Mystikers Vitruvius versucht, ihm Einhalt zu gebieten. Und auch Emmet spielt dabei eine große Rolle, denn einer alten Prophezeiung zufolge ist er der große Auserwählte.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galten LEGO-Figuren noch als reines Spielzeug für die Jüngeren, ein Relikt aus unserer Kindheit. Wie es die Verantwortlichen des dänischen Unternehmens geschafft haben, ist ein kleines Rätsel, aber in den letzten Jahren erlangten ihre Bauklötze einen Kultstatus, der an keiner Altersgrenze Halt macht. Vor allem bei Videospielen entwickelten sie sich zu einer festen Größe, durften für Adaptionen von Herr der Ringe, Batman oder auch Star Wars herhalten. Und irgendwann – so dachte man wohl – war der eigene Ruhm so hoch, dass man ohne angeheftetes Franchise Geschichten erzählen könne. Vorhang auf für The LEGO Movie.LEGO

Die eigentliche Geschichte ist natürlich zielgruppengerecht äußerst simpel: Ein Durchschnittsmensch, der über sich hinauswachsen muss und zum Retter der Welt wird, das ist natürlich gerade im Segment für ein jüngeres Publikum ein gern gesehenes Thema. Doch das Abenteuer unserer Chaosgruppe ist eben nicht nur das, sondern wird durch sehr viel Humor aufgelockert. Wer es gerne etwas albern-absurder mag, dem wird hier auf jeden Fall genug Futter fürs Zwerchfell geboten. Denn so wie beim Zusammenbauen der Klötzchen der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, warf das Regie- und Drehbuchgespann Phil Lord und Christopher Miller hier ohne Rücksicht auf Verluste alles zusammen, was ihnen auch nur irgendwie einfiel. Dabei haben sie den Look des Vorbilds wunderbar eingefallen, selbst die Special Effects sehen weniger nach Computer als vielmehr nach Kinderzimmer aus.LEGO

Eine solche Maßlosigkeit kann natürlich böse nach hinten durchgehen, doch das Duo zeigte schon in Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen sein Talent für verrückte Animationsfilme. Und das gilt auch hier. Dabei zeichnet sich The LEGO Movie durch seine dicke Portion Eigenironie und zahlreiche Anspielungen auf bekannte Franchises aus. Ähnlich wie Ralph reichts funktioniert so auch sein Spielzeugkollege auf mehreren Ebenen: ein ausgelassener Spaß für die Kleinen, ein nostalgischer für die Großen. Hinzu kommen die wenig verhohlenen satirischen Untertöne und Spitzen gegen die Auswüchse der Konsumgesellschaft, in der für Individualität kein Platz herrscht. Der Kampf gegen den bösen Lord Business wird so zeitgleich zu einem Kampf gegen Konformität und eine Liebeserklärung an die Fantasie und das Kind in uns allen, die mit einer etwas sentimentalen, aber sehr schönen Note endet – und einem breiten Grinsen im eigenen Gesicht.

Fazit: Der große Auftritt der dänischen Spielzeugfiguren richtet sich von der Geschichte her eindeutig an ein jüngeres Publikum. Doch die originalgetreue Umsetzung, die nostalgische Note und die vielen ironischen Anspielungen sind auch für die Älteren ein großer Spaß.

Wertung: 8 von 10

The LEGO Movie ist seit 21. August auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich

 

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Blu-ray

In Fear

Horror , geschriebenam 23 August, 2014 von Keine Kommentare

(„In Fear“ directed by Jeremy Lovering, 2013)

In FearWir haben nichts zu fürchten außer der Furcht selbst. Oder vielleicht doch?

Es hätte eine so schöne Überraschung sein sollen: Eigentlich auf dem Weg zu einem Musikfestival reserviert Tom (Iain De Caestecker) sich und seiner neuen Flamme Lucy (Alice Englert) ein Zimmer in einem abgelegenen Hotel. Doch wie abgelegen es ist, das hätte keiner von ihnen geahnt. Als sie in dem kleinen Wald ankommen, ist der Weg zwar immer schön ausgeschildert. Nur führen die Wegweiser nirgends hin und auch die Karte hilft ihnen nicht weiter. Während die beiden sich in dem Labyrinth aus Bäumen, Dickicht und Straßen sich immer weiter verfahren, es langsam Nacht wird und auch das Benzin langsam knapp wird, kommt beiden eine furchtbare Ahnung: Das ist kein Zufall. Da treibt sich noch jemand außer ihnen im Wald herum und beobachtet sie.

Selbst wer in seinem Leben schon viele Horrorfilme gesehen hat und entsprechend viel Genreerfahrung mitbringt, darf sich hier auf einen recht bemerkenswerten Beitrag aus England freuen. Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Lovering, der vor Kurzem eine Folge der dritten Staffel von Sherlock inszenieren durfte, zeigt gerade in der ersten Hälfte ein sicheres Händchen für Atmosphäre. Tief hängende Bäume, die es unmöglich machen, sich zu orientieren, enge Straßen, eine allmähliche Dunkelheit, viel Regen, dessen Tropfen sich mit der unheimlichen Musik abwechseln – hier wird schnell das Gefühl von Bedrohung aufgebaut, obwohl nichts passiert. Oder vielleicht auch genau deshalb.In Fear Szene 1

Schön ist, wie Lovering lange offen lässt, ob da überhaupt eine tatsächliche Bedrohung existiert oder ob sie nicht eine Einbildung der beiden ist. Vor allem Lucy zeigt schnell paranoide Züge, obwohl es keinen konkreten Anlass dafür gibt. Natürlich ahnt man als Zuschauer, dass da etwas nicht stimmen kann, mehrere Andeutungen und Genrestandards wie eine verlassene Hütte mit „Keep Out“-Schild sprechen meistens eine eindeutige Sprache. Und doch, so ganz sicher kann man sich nie sein. Ähnlich wie beim Klassiker Blair Witch Project appelliert auch In Fear erst einmal an unsere Urängste vor dunklen Orten und dem, was dort auf uns lauert und verzichtet dabei dankenswerterweise auch auf „Found Footage“-Spielereien.In Fear Szene 2

Leider jedoch wusste Lovering nicht so recht, wohin er mit der Geschichte eigentlich sollte. Irgendwann biegt er auf einen viel weniger spannenden Weg ab, der zu sehr auf Bewährtes setzt, auf bekannte Szenen aus dem Horrorleitfaden. Das wäre noch zu verschmerzen, wenn dabei nicht die Glaubwürdigkeit derart leiden würde. Denn vieles, von den Ereignissen selbst bis zum Verhalten der Figuren, ist nur noch schwer mit dem eigenen Verständnis für Realität zu vereinbaren. Und erst einmal aus der Illusion gerissen, fällt es schwer, weiterhin mitzufiebern und den Schrecken des verirrten Paares anzunehmen. Interessante Aspekte gibt es auch da noch, beispielsweise Fragen zur Furcht an sich und was sie aus uns macht. Doch auch hier bleibt es bei Andeutungen, ganz darauf einlassen wollte man sich nicht. Schade um das vergeudete Potenzial. Dennoch ist In Fear ein über weite Strecken sehenswerter Genrefilm gewesen, der auf jeden Fall neugierig macht, wohin es Lovering als nächstes verschlägt.

Fazit: Sehr starke erste Hälfte, danach etwas enttäuschend. In Fear ist anfangs ein Musterbeispiel für Atmosphäre und vermittelt eine packend-pranoide Stimmung. Später wird es jedoch deutlich konventioneller und auch unglaubwürdiger.

Wertung: 6 von 10

In Fear ist seit 21. August auf DVD und Blu-ray erhältlich

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DVD

Tamala 2010 – A Punk Cat in Space

Animation/Trickfilm, Anime, Fantasy, Science Fiction , geschriebenam 22 August, 2014 von Keine Kommentare

(„Tamala 2010 – A Punk Cat in Space“ directed by t.o.L., 2003)

Tamala 2010 – A Punk Cat in SpaceUnd wir bleiben beim Thema: Nachdem wir letzte Woche mitansehen durften, wie in Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde ein Volk minderbemittelter Vögel unseren Planeten ansteuert, geht es dieses Mal in die andere Richtung. Denn in Teil 16 unseres fortlaufenden Animationsspecials folgen wir einer Katze, die von der Erde nach Orion will. Und das ist nicht das einzig Verquere an Tamala 2010 – A Punk Cat in Space.

Katzen und Comics, das war nicht erst seit „Garfield“ oder „Calvin & Hobbes“ eine beliebte Kombination. Und das gilt dann natürlich auch für die bewegten Bilder: Ob die Zeichentrickurgesteine Tom (aus Tom & Jerry) oder Sylvester (aus Sylvester & Tweetie), der Katzenkrimi Felidae, der Disneyklassiker Aristocats oder die leider immer noch nicht auf Deutsch erschienenen Kritikerlieblinge Le Chat du rabbin und A Cat in Paris – die vierbeinigen Fellknäuels haben es sich im Animationsbereich doch sichtlich gemütlich gemacht. Doch wenn bei Tamala 2010 Vergleiche herangezogen werden müssen, dann taugen Fritz the Cat und Felix the Cat noch am ehesten.

Ebenso wie Ralph Bakshis Debüt ist auch die japanische Verwandte eher weniger für kindliche Augen geeignet. Sex spielt in dem Anime zwar keine große Rolle – auch wenn einige der Tiere offensichtlich eine Schwäche für Leder und SM pflegen – Gewalt mitunter schon. Manchmal sehen wir sie direkt, bei den brutalen Auseinandersetzungen zwischen den Hunden und Katzen auf Planet Q beispielsweise. Doch am verstörendsten ist Tamala 2010 bei einer Szene zu Beginn, wo wir Aufzeichnungen eines lange zurückliegenden, im wahrsten Sinne bestialischen Massakers zu Gesicht bekommen.Tamala 2010 – A Punk Cat in Space Szene 1

Mit Felix the Cat wiederum hat der Animationsfilm zwei Eigenschaften gemeinsam: 1. Die Charakterdesigns im Stil von anno dazumal 2. Der Hang zum Bizarren. Könnte man anfangs noch meinen, Tamala 2010 sei eine typische Samstagmorgen-Abenteuergeschichte, kommen immer seltsamere Elemente hinzu. Eine Zombiekatze warnt vor den Machenschaften eines Kults, eine größere Postverschwörung ist im Gange, ein Katzenunternehmen hat ein Monopol auf praktisch alles, die menschliche Schlangenkatzenmutti will Tamala ganz für sich, der Rockerhundpolizist hält eine kleine Maus in seinem Vogelkäfig. Handlungsfetischisten werden an den zusammenhangslosen Episoden verzweifeln, und selbst äußerst eloquente Zeitgenossen dürften Schwierigkeiten haben, im Anschluss zu beschreiben, was sie in den vergangenen rund 90 Minuten eigentlich gesehen haben.

Dabei ist die Optik sogar sehr überschaubar, fast schon primitiv. Nicht nur bei den Figuren, auch bei den Hintergründen müssen wir ohne Details auskommen, manchmal gibt es nicht einmal Hintergründe. Oder Farben. Nur in wenigen Szenen oder wichtigen Elementen wird coloriert, ansonsten ist Tamalas Welt durchgängig Schwarz-Weiß. Dass sie komplett im Computer entstanden ist, fällt daher oft nicht weiter auf. Bis auf eine Ausnahme: Wann immer das einjährige Kätzchen in den Schlaf sinkt und träumt, sehen wir eine düstere, futuristische 3D-Render-Stadt. An der Stelle zeigt sich nicht nur das Alter des Films – Tamala 2010 stammt von 2003, entsprechend veraltet sind die Grafiken – sondern auch die Hintergrundgeschichte.Tamala 2010 – A Punk Cat in Space Szene 2

Hier wurde kein Manga verfilmt und keines der großen japanischen Animationsstudios hat seine Finger im Spiel. Stattdessen geht nahezu alles auf das Künstlerduo t.o.L. (kurz für trees of Life) zurück. Das schrieb nicht nur das Drehbuch und führte Regie, auch die Musik – mal elektronisch-sphärisch verstimmt, dann wieder nur lustiger Soundeffekt – stammte von den beiden. Daher wundert es auch nicht weiter, dass Tamala 2010 eher filmisches Versuch ist, weniger ein tatsächlicher Film. So als hätte jemand einen anderthalb Stunden langen Musikclip gedreht, dabei jedoch meistens die Musik vergessen. Lohnend ist der Ausflug des Kätzchens deshalb vor allem für experimentierfreudige Zuschauer, denn sie erwartet ein verwirrender Trip ohne Regeln, Grenzen oder Inhalt. Wer jedoch einen „normalen“ Anime sucht, der sollte lieber beim Regal einen Schritt weiter gehen, denn hier wird er keinen finden.

Fazit: Film oder nicht Film, das ist hier die Frage. Viel Inhalt hat das Künstlerprojekt Tamala 2010 nicht, die Optik ist sehr einfach. Experimentierfreudige Animationsfans werden jedoch fasziniert auf die 90-minütige Ansammlung bizarrer Einfälle starren.

Wertung: 7 von 10

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Blu-ray

Die Frau hinter der Wand

Mystery, Thriller , geschriebenam 21 August, 2014 von 1 Kommentar

(„Die Frau hinter der Wand“ directed by Grzegorz Muskala, 2013)

Die Frau hinter der WandDas mit dem auf eigenen Beinen stehen hatte sich Martin (Vincent Redetzki) wirklich anders vorgestellt. Den Platz an der Uni hat er bekommen, dem Jura-Studium steht theoretisch also nichts mehr im Weg. Praktisch hatte er aber nicht damit gerechnet, wie schwierig es sein würde, in Berlin eine Wohnung zu finden. Als er per Zufall das Angebot erhält, Untermieter von Simone (Katharina Heyer) zu werden, zögert er auch nicht lange. Dass die Wohnung eine Bruchbude ist, nimmt er in Kauf. Und auch dass sein Vormieter Robert plötzlich verschwand. Doch je länger er bleibt, umso mysteriöser wird die Geschichte, vor allem Roberts altes Tagebuch ist mit seinen alptraumhaften Zeichnungen kein besonders schönes Willkommensgeschenk.

Ein Student, der in eine Wohnung zieht, dessen Vormieter unter ungeklärten Umständen verschwunden ist – das hatten wir gerade schon in Zimmer 205 gehabt. Anders als dort ist der Fernsehfilm Die Frau hinter der Wand jedoch kein Remake, und mehr Thriller als Horror. Unheimlich ist er dennoch. Gerade zu Beginn demonstriert Regisseur und Ko-Autor Grzegorz Muskala, dass der viel gescholtene deutsche Genrefilm durchaus mit dem anderer Länder mithalten und mit einer schön angespannten Atmosphäre aufwarten kann.Die Frau hinter der Wand Szene 1

Die Mittel dazu sind einfach, aber effektiv: Beispielsweise spielt nahezu der gesamte Film in Martins schäbiger, enger Wohnung oder in der von Simone. Dadurch stellen sich auch bei hartgesotteneren Zuschauern schnell klaustrophobische Gefühle ein. Hinzu kommen die leicht verfremdete Musik und natürlich die seltsamen Figuren. Während Martin vergleichsweise normal erscheint, lässt sich das von seinem Umfeld nur schwer behaupten. Schon Ludwig (Ronald Nitschke), der ihn durch eine Kelleröffnung anspricht und ihm die Wohnung vermittelt, hinterlässt nicht den vertrauenerweckendsten Eindruck. Künstlerin und Femme fatale Simone neigt zu Stimmungsschwankungen, ihr Partner Sebastian (Florian Panzner) ist ein schmieriger Schläger, eine weitere Nachbarin hat Wahnvorstellungen.

Natürlich ist das übertrieben, ins Groteske verzerrt, so wie der Rest von Die Frau hinter der Wand. Man hat eigentlich nie das Gefühl, es mit realen Personen zu tun zu haben, gerade Florian Panzers Darstellung würde als Karikatur durchgehen. Auch wenn wir hier nie ins Fantastische abgleiten, so wirklich fühlte man sich hier der Realität gegenüber nicht verpflichtet. Nachvollziehbar ist hier nur wenig, man merkt schon deutlich, dass es hier um die Seltsamkeit der Seltsamkeit willen ging. Die Geschichte selbst rückt da eher in den Hintergrund und nicht alles, was während der gut anderthalb Stunden passiert, erfährt zum Ende eine Aufklärung.Die Frau hinter der Wand Szene 2

Die Frau hinter der Wand ist deshalb auch weniger den Zuschauern zu empfehlen, die den Alptraum im Alltag suchen, dafür hat die Grundstimmung eine zu surreale Färbung. Wer sich aber genau daran erfreut, wem es mehr auf Atmosphäre als auf Geschichte ankommt, sollte sich den deutschen Genrebeitrag einmal genauer anschauen.

Fazit: Normal? Das ist hier nur wenig. Die Figuren sind unwirklich, die Ereignisse mysteriös, das Setting klaustrophobisch. Die Geschichte selbst ist nur Nebensache, dafür zeigt der deutsche Thriller in Sachen Atmosphäre, wie’s gemacht wird.

Wertung: 7 von 10

Die Frau hinter der Wand erscheint am 22. August auf DVD und Blu-ray

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