DVD

Blood Ties

Crime, Drama , geschriebenam 21 September, 2014 von Keine Kommentare

(„Blood Ties“ directed by Guillaume Canet, 2013)

Blood TiesEs soll ja Geschwister geben, die ihr ganzes Leben miteinander wetteifern, ähnliche Berufswege einschlagen, nur um zu zeigen, wer von ihnen der Bessere ist. Nicht so bei Chris (Clive Owen) und Frank (Chris Crudup). Die gingen lieber gleich völlig konträre Wege: Der eine ist ein Gangster, der andere ein Cop – weshalb beide auch immer wieder in Interessenkonflikte geraten. Dieses Mal soll alles anders sein, nach seiner frühzeitigen Entlassung aus dem Knast wegen guter Führung will Chris ein redliches Leben beginnen. Doch Frank bleibt misstrauisch, und das aus gutem Grund. Denn Chris hat bald schon genug von der unwürdigen Handlangerarbeit, dann doch lieber wieder die deutlich profitablere schiefe Bahn.

Dass Schauspieler ganz gerne mal auf dem Regiestuhl Platz nehmen, ist bekannt. Doch dass jemand das fremdsprachige Remake eines Filmes dreht, in dem man seinerzeit selbst die Hauptrolle spielte, das hat Seltenheitswert. So geschehen in Blood Ties, wo Guillaume Canet die französische Romanverfilmung Les liens du sang noch einmal selbst inszeniert. Zwar verlegt er die Handlung von Lyon nach New York, an der grundsätzlichen Geschichte – basierend auf „Deux frères: flic & truand“ von Bruno and Michel Papet – hat sich jedoch nichts geändert.Blood Ties Szene 1

Noch immer geht es hier mehr um die beiden Brüder und ihr kompliziertes Verhältnis zueinander, die eigentlichen Verbrechen sind eher Nebensache. Blood Ties braucht deshalb auch recht lange, bis er mal in Fahrt kommt: Die erste Hälfte des Films ist der Einführung der Figuren und ihrer Lebensumstände gewidmet, hier wird vor allem gesprochen – oder gestritten – weniger geschossen. Ein bisschen Sitzfleisch sollte man hier deshalb schon mitbringen, viel passieren tut zunächst nicht. Ganz auf Spannung muss man zwar nicht verzichten, schließlich folgen während der gut zwei Stunden schon noch einige Action- und Verfolgungsszenen. Doch selbst wenn Canet mal ein bisschen aufs Gaspedal tritt, bleiben diese Momente gediegen und unauffällig, so wie der Rest des Films auch.

Nicht kleckern, sondern klotzen heißt es dafür bei der Besetzung: Canet konnte nicht nur seine Lebensgefährtin Marion Cotillard für seinen neuesten Film gewinnen, um die Rolle von Chris’ heruntergekommener Exfrau zu spielen. Die Hollywoodstars Clive Owen, Mila Kunis und James Caan sind ebenso mit von der Partie wie Matthias Schoenaerts (Der Geschmack von Rost und Knochen), Zoe Saldana (Guardians of the Galaxy) und Lily Taylor (The Conjuring). Und auch bei der Ausstattung ließ man sich nicht lumpen, die sorgfältig zusammengestellte Einrichtung, die Kostüme, die Autos – hier wird schon sehr schön stimmiges 70er Jahre Flair verbreitet.Blood Ties Szene 2

Schade nur, dass der Inhalt der französisch-amerikanischen Koproduktion mit der edlen Verpackung nicht mithalten kann. Zu oft verließ man sich hier auf die Inspirationen der bekannten Genrevorbilder, originelle Einfälle findet man keine. Zusammen mit dem gemächlichen Tempo wirkt Blood Ties so immer ein wenig behäbig und bieder. Kompetent ja, aufregend nein. Was deutlich weniger ist, als man angesichts der bekannten Namen wohl erhofft hat. Was bleibt, ist ein solides Krimi-Drama ohne große Überraschungen, ohne große Stärken, aber auch ohne große Schwächen.

Fazit: Mit seinem beeindruckenden Schauspielerensemble und dem edlen Dekor lässt Blood Ties auf Großes hoffen. Insgesamt ist das Krimidrama aber zu behäbig und wenig originell, um sich wirklich von anderen Genrevertretern abzuheben.

Wertung: 6 von 10

Blood Ties erscheint am 25. September auf DVD und Blu-ray

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Blu-ray

Hangover 2

Komödie , geschriebenam 20 September, 2014 von Keine Kommentare

(„The Hangover Part II“ directed by Todd Phillips, 2011)

Hangover 2Zwei Jahre sind vergangen seit ihrem kollektiven Absturz in Las Vegas, doch Stu (Ed Helms), Phil (Bradley Cooper) und Alan (Zach Galifianakis) erinnern sich noch lebhaft an die verheerenden Folgen des Junggesellenabschieds. Als diesmal Stu an der Reihe ist, den Bund fürs Leben einzugehen, stellt er daher auch gleich klar: Diesmal wird es keinen Abschied geben, zu groß ist das Risiko eines Rückfalls. Die Freunde willigen ein, wenn auch mit gehörigem Grummeln. Nur ein einziges Bier wollen sie zur Feier trinken. Doch dann wachen die drei in einem heruntergekommenen Hotel in Bangkok auf, Stus zukünftiger Schwager ist verschwunden, und sämtliche Erinnerungen an den Vorabend gleich mit.

Wenn ein Film über 450 Millionen einspielt und damit sein Budget um mehr als das Zehnfache übertrifft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung vor der Tür steht. Im Fall des Überraschungserfolgs Hangover ging das jedoch rekordverdächtig schnell: Noch bevor der erste Teil in den Kinos lief, wurde bereits der Nachfolger in Auftrag gegeben. Und das Ergebnis gab den Machern recht, denn Hangover 2 packte auf die Einnahmen gleich noch mal 100 Millionen drauf. Dabei wurde das Drehbuchteam komplett ausgewechselt, denn die ursprünglichen Autoren sahen keinen Weg, die Geschichte fortzusetzen. Todd Phillips, der wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm und diesmal auch mitschrieb, wohl ebenso wenig: Er dreht den Film der Einfachheit halber ein zweites Mal 1:1 und tauschte lediglich den Ort aus.Hangover 2 Szene 1

Zumindest drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man beide Filme kurz hintereinander anschaut. Das Grundprinzip ist also identisch, in beiden Filmen wachen die drei Männer auf und versuchen anhand von kleinen Indizien wie in einem Krimi die Nacht zuvor zu rekonstruieren. Das ist noch immer lustig, zumal sich Phillips und seine Koautoren wieder allerhand reichlich absurde Situationen ausgedacht haben. Aber sie ähneln denen des Vorgängers zu sehr. Für Kenner des Originals fällt damit der Überraschungsmoment weg, der noch einen wichtigen Teil des Reizes von Hangover ausmachte. Schließlich lebte die Komödie davon, dass ständig etwas passiert, das man so nicht hatte vorhersehen können.Hangover 2 Szene 2

Witziger ist Hangover 2 daher, wenn man das erste Chaosabenteuer eben nicht gesehen hat. Allerdings wird man dann Probleme haben, alles zu verstehen; viele Anspielungen und Gags richten sich an Wiederholungsschauer, gerade der Anfang setzt doch ziemlich viel voraus. Bei einigen Gastauftritten leidet ebenfalls die Komik ohne Vorkenntnisse, denn vorgestellt wird hier niemand.

Was die Kopie dem Original voraus hat, ist die Optik. Die Produktionskosten wurden mehr als verdoppelt, als Belohnung werden wir mit tollen Bildern aus Thailand verwöhnt: Nachtleben, schäbige Straßen, selbst ein Kloster darf hier nicht fehlen. Und auch der Actionanteil wurde spürbar erhöht, was sich gerade in den rasanten Verfolgungsszenen bemerkbar macht. Zu sehen gibt es also auch bei Hangover 2 genug, zu lachen sowieso – sofern man etwas derberen Humor mag. Wer einen Nachschlag ohne große Variation wollte, der bekam genau das serviert. Für alle anderen ist die Komödie aber eine der überflüssigsten, die jemals gedreht wurden.

Fazit: Hangover 2 nimmt das erfolgreiche Prinzip des Vorgängers und wiederholt es nahezu ohne Änderung. Für Fans des ersten Teils ist das eine gute Nachricht, zumal auch die Optik aufgebohrt wurde. Der Rest wird hier das Gefühl nicht los, doch alles schon einmal gesehen zu haben.

Wertung: 6 von 10

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DVD

Genius Party

Animation/Trickfilm, Anime, Fantasy, Science Fiction , geschriebenam 19 September, 2014 von 1 Kommentar

(„Genius Party“ directed by various, 2007)

Genius PartyWer sich letzte Woche nicht von unserem Appell überzeugen ließ, dass ein einzelner Kurzfilm sehr wohl den Kauf einer DVD rechtfertigen kann, der bekommt diese Woche mehr Inhalt fürs Geld geboten: In Teil 20 des fortlaufenden Animationsspecials präsentieren wir eine Anthologie, die gleich sieben kleine Werke in sich vereint.

Einige der Regisseure werden deutsche Animefans bereits kennen. Shinichiro Watanabe (Baby Blue) war für die beiden Kultserien Cowboy Bebop und Samurai Champloo verantwortlich. Auch Masaaki Yuasa (Happy Machine) hat es mit zwei Werken in die heimischen Regale geschafft: Mind Game und Tatami Galaxy. Shôji Kawamori (Shanghai Dragon) machte sich als Schöpfer von The Vision of Escaflowne und Super Dimension Fortress Macross einen Namen, führte aber auch selbst mehrfach Regie, unter anderem bei der Serie Arjuna und der Kenji-Miyazawa-Hommage Spring And Chaos. Die anderen vier hingegen – Atsuko Fukushima (Genius Party), Shinji Kimura (Deathtic 4), Yoji Fukuyama (Doorbell) und Hideki Futamura (Limit Cycle) – arbeiteten vorher eher in der zweiten Reihe.

Was nun führte aber diese sieben mal mehr, mal weniger erfahrenen Animationskünstler zusammen? Während andere Anthologien oft gemeinsame Ausgangsmaterialien haben (Memories, Manie Manie) oder einen thematischen Überbau (Allegro non troppo, Animatrix), fehlt hier beides. Einzige Vorgabe war, doch der eigenen Kreativität mal so richtig freien Lauf zu lassen. Und das taten sie. Das ist auf der einen Seite wundervoll, denn mit dem notorisch experimentierfreudigen Animationsstudio Studio 4°C (Tekkonkinkreet, First Squad) entstanden so eine Reihe visuell einzigartiger Kurzfilme. Nachteil: Durch die fehlende Gemeinsamkeit entsteht auch irgendwo der Eindruck von Beliebigkeit.Genius Party Szene 1

Das hängt auch damit zusammen, dass bei aller optischen Spielerei bei den meisten die eigentliche Geschichte zu kurz kam. Baby Blue ist der Beitrag, dem man noch am ehesten eine klassische Handlung unterstellen könnte: Der erstaunlich melancholische Abschlussfilm erzählt von zwei Jugendlichen, die zusammen die Schule schwänzen, um ein letztes Mal Zeit miteinander zu verbringen. Doorbell ist ebenfalls interessant, aber schon deutlich abgehobener: Wir folgen einem jungen Mann, dessen Leben von einem Doppelgänger vereinnahmt wird. Optisch konventionell, sind diese beiden Geschichten der Ruhepol zu den oft verrückten Einfällen der Kollegen. Inhaltlich eher langweilig ist hingegen Shanghai Dragon, wo ein kleiner Junge mit Hilfe eines „magischen Stiftes“ eine Invasion verhindern muss. Immerhin sind die vom Jungen zum Leben erweckten Zeichnungen in einem ganz anderen Stil, wodurch es zu netten Kontrasten kommt.

Die anderen vier nutzten die Gelegenheit von Genius Party vor allem, um sich auf der Bilderseite so richtig auszutoben – mit unterschiedlichem Ergebnis. Großartig ist vor allem Happy Machine, ein Kurzfilm über ein Baby, das auf der Suche nach seiner Mutter einem Feuerwesen und vielen eigenartigen Kreaturen begegnet, und auch sonst hielt man es hier nicht so mit den Gesetzmäßigkeiten der uns bekannten Welt. Dass Yuasa bei der Frage nach Einflüssen auf seine Arbeit als Animationskünstler unter anderem Der phantastische Planet nannte, wird wohl nirgends so deutlich wie hier. Im direkten Vergleich kann es die Titelgeschichte Genius Party damit nicht aufnehmen, obwohl auch der ebenfalls deutlich surreal gefärbte Kurzfilm dank der seltsamen Wesen seine Momente hat.Genius Party Szene 2

Deathtic 4 wiederum dürfte die Liebhaber der morbiden Animationsfilme von Tim Burton (Nightmare Before Christmas, Corpse Bride) ansprechen. Auch wenn die CGI-Optik manchmal etwas grob ist, erzeugt das Abenteuer einer Gruppe von Monsterkindern eine wohlig-düstere Atmosphäre. Limit Cycle ist der vielleicht faszinierendste, gleichzeitig aber auch langatmigste der sieben Geniestreiche. Ähnlich wie im Science-Fiction-Klassiker Serial Experiments Lain stehen hier philosophische Überlegungen im Mittelpunkt, die in ein sehr technisches Drumherum verpackt werden. Da treffen Animation auf verzerrte Realbilder, eine Offstimme spricht zu abstrakten Klängen über Gott. Ist man anfangs noch gefesselt von der willkürlichen Kombination von Bild, Sprache und Musik, ermüdete Futamura den Zuschauer aber auf Dauer mit dem Endlosbeschuss – kürzer wäre hier besser gewesen.

Dennoch werden experimentierfreudige ihre helle Freude daran haben, so wie Genius Party allgemein eher die Liebhaber des Ungewöhnlichen anspricht. Nicht alles davon ist geglückt, doch die vielen verschiedenen kombinierten Techniken und Stile sind eine willkommene Unregelmäßigkeit  im Meer der optisch zunehmend stromlinienförmigen Animationsfilme. Fünf weitere Beispiele, die für dieses Projekt entstanden, wurden übrigens in einer zweiten Anthologie namens Genius Party Beyond gesammelt, die wir euch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gesondert vorstellen werden.

Fazit: Sieben Filme, sieben Volltreffer? Ganz so weit muss man hier nicht gehen. Wie bei Anthologien üblich schwankt auch hier die Qualität, zudem fehlt es auch an einer Linie. Doch das macht Genius Party für Experimentierfreudige auch zu einem lohnenswerten Erlebnis: ein freier Bilderrausch mit teils deutlich surrealer Färbung.

Wertung: 7 von 10

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Blu-ray

Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz

Crime, Thriller , geschriebenam 18 September, 2014 von Keine Kommentare

(„St George’s Day“ directed by Frank Harper, 2012)

Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist GesetzAlle guten Dinge müssen einmal ein Ende haben. Selbst wenn sie wie bei Ray Collishaw (Craig Fairbrass) streng genommen nicht wirklich gut waren – zumindest für andere. Zusammen mit seinem Cousin Micky Mannock (Frank Harper) gehört er zur Spitze der Londoner Verbrecherhierarchie. Ein letzter Coup soll ihm helfen, sich zur Ruhe zu setzen und seinen Lebensabend zu genießen. Dummerweise geht dieser letzte Coup jedoch völlig schief, als bei einem Drogengeschäft mit der russischen Mafia Waren im Wert von 50 Millionen Pfund verloren gehen. Dass dabei auch noch sein Bruder drauf ging, stimmt Vladimir Sukhov (Zlatko Buric) natürlich nicht gnädiger. Doch Ray und Micky haben schon eine rettende Idee, wie sie das nötige Geld auftreiben: ein Diamantenraub in Berlin.

Hin und wieder sieht man einen Film, bei dem man hinterher richtig sprachlos ist. Nicht weil er so atemberaubend gut ist, oder so schockierend schlecht. Nein, das Problem liegt eher in der völligen Mittelmäßigkeit und Austauschbarkeit. Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz ist einer dieser Filme, über die man nicht viel sagen kann, weil deren einzig bemerkenswerte Eigenschaft die ist, völlig unbemerkenswert zu sein. Das kann man nun gut finden, wenn man ein Fan des britischen Gangsterfilms ist und Nachschub braucht. Oder eben schlecht, wer lieber etwas wirklich Neues sehen möchte.Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz Szene 1

Tatsache ist, dass Darsteller Frank Harper bei seinem Regiedebüt ganz genau geschaut hat, was andere so vorher in dem Genre getan haben. Schon der Anfang, wenn die einzelnen Charaktere durch Untertitel eingeführt werden, kommt einem recht bekannt vor. Und auch sonst dürfte man in den gut anderthalb Stunden das eine oder andere Déjà-vu-Erlebnis haben. Der Unterhaltung hat das nicht geschadet, dank der stylischen London-Bilder ist Footsoldiers of Berlin relativ kurzweilig, auch wenn die Spannung sicher höher hätte sein dürfen, für einen Gangsterfilm passiert hier relativ wenig. Geredet wird dafür umso mehr.Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz Szene 2

Wenn Harper etwas vorzuwerfen ist, dann ist das – neben der mangelnden Kreativität – dann auch sein Versuch, seinen Film cleverer zu gestalten, als er ist. Das zeigt sich neben den vorhersehbaren Wendungen und den unnötig umständlichen Dialogen vor allem bei Figuren. Ständig werden neue eingeführt, ohne dass sie je Gelegenheit bekommen, auch nur den Hauch von Tiefe zu entwickeln. Natürlich muss nicht jeder Krimiausflug so exzessive Charakterstudien wie True Detective betreiben. Wenn man jedoch bis zum Schluss die einzelnen Protagonisten kaum auseinanderhalten kann, weil sie alle so wenig eigenständige Züge haben, dann ist das schon etwas dürftig. Viel verpassen würde man daher nicht, wenn man Footsoldiers of Berlin überspringt, wirklich viel falsch macht man hier aber auch nicht.

Fazit: Kennt man einen, kennt man sie alle – Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz ist ein im Grunde austauschbarer Beitrag zum englischen Gangsterfilm. Die Überzahl an Figuren und die fehlende Spannung sind etwas ärgerlich, ansonsten geht das Ergebnis aber in Ordnung.

Wertung: 5 von 10

Footsoldiers of Berlin – Ihr Wort ist Gesetz ist seit 15. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Kino

Concerning Violence

Dokumentation, Historisch , geschriebenam 17 September, 2014 von Keine Kommentare

(„Concerning Violence“ directed by Göran Hugo Olsson, 2014)

Concerning ViolenceMan mag es kaum glauben angesichts der aktuellen Diskussionen um die zunehmende Irrelevanz Europas, aber es gab eine Zeit, da war der alte Kontinent tatsächlich der Nabel der Welt. Mehr noch, gleich mehrere Großmächte wetteiferten um die Vorherrschaft um den Rest des Planeten, teilten eifrig auch alle anderen Kontinente unter sich auf. Die große Zeit der Kolonien ist zwar längst vorbei, doch einige Länder kämpfen noch immer mit den Schatten der Vergangenheit und dem Versuch, eine eigene Identität aufzubauen. Nirgends wird das deutlicher als in Afrika, wo der Abzug der früheren Herrscher zu einem Machtvakuum führte.

Dorthin entführt uns der schwedische Dokumentarfilmer Göran Hugo Olsson und zeigt Archivaufnahmen der unterschiedlichsten Länder des schwarzen Kontinents, die zwischen den 60ern und 80ern gedreht wurden. Für Geschichtsinteressierte ist das auf jeden Fall spannend, wir sehen Bilder aus Rhodesien, aus Tansania, Angola, Weiße und Schwarze, Missionare und Revolutionäre. Und den Tod. Immer wieder sehen wir Gewalt, Verstümmelungen, grausige Bilder aus einer grausigen Epoche, als Afrika seine Freiheit zurückforderte.Concerning Violence Szene 1

Während das Gezeigte auf jeden Fall Wirkung hinterlässt, ist das Drumherum deutlich fragwürdiger. Olsson begnügte sich nicht damit, die Aufnahmen für sich zu sprechen, sondern nutzte einen Kniff, um einen „Zusammenhang“ herzustellen: Zwischen den neun Szenen lässt er Ex-Fugees-Sängerin Lauryn Hill aus „Die Verdammten dieser Erde“ vorlesen, jener Schrift des französischen Denkers und erbitterten Koloniegegners Frantz Fanon. Inhaltlich passt das natürlich ideal zusammen, die Kombination der erschreckenden Bilder und der flammenden Forderung nach Freiheit geht durch Mark und Bein.

Doch lange hält der Effekt des Überraschungsangriffs nicht an. Ähnlich wie Everyday Rebellion kürzlich verzichtet auch diese Anti-Gewalt-Dokumentation auf einen Kontext, tut so, als wären die Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence im Grunde austauschbar. Ein bisschen mehr Auseinandersetzung mit den einzelnen Geschichten wäre schön gewesen, denn so verkommt Concerning Violence zu einer einzigen Europakritik. Und so berechtigt die Anklage der Verbrechen von einst auch ist, ganz erschließt sich nicht, inwiefern die 50 Jahre alte Schrift außerhalb ihres historischen Hintergrundes heute noch relevant ist.Concerning Violence Szene 2

Was fehlt ist ein Blick ins heute und auf die Alternativen. Was bedeutet die geforderte Dekolonisierung? Welche Folgen hat das, wenn ein unterdrücktes Volk plötzlich auf sich gestellt ist? Antworten darauf gibt es nicht – obwohl Fanon in seinem Manifest auch darüber sprach – es werden nicht einmal die Fragen gestellt. Dadurch bekommt Concerning Violence einen unangenehm dogmatischen Beigeschmack, den es überhaupt nicht gebraucht hätte, schließlich wären die neun Szenen für sich genommen schon spannend genug gewesen.

Fazit: Archivaufnahmen aus Afrika zwischen den 60ern und 80ern, das ist nicht nur für historisch interessierte ein spannendes Thema. Durch den fehlenden Kontext und die problematische Kombination mit einer alten Anti-Kolonisations-Schrift wird Concerning Violence aber schnell unangenehm dogmatisch.

Concerning Violence läuft ab 18. September im Kino

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