Kino

A Most Wanted Man

Thriller , geschriebenam 7 September, 2014 von Keine Kommentare

(„A Most Wanted Man“ directed by Anton Corbijn, 2014)

A Most Wanted ManMuslime, die illegal nach Deutschland kommen – da werden Geheimdienste schnell nervös. So auch beim russisch-stämmigen Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin), der eines Tages in Hamburg auftaucht, um sich mit dem britischen Privatbankier Tommy Brue (Willem Dafoe) zu treffen. Recht schnell entbrennt ein Kampf innerhalb der verschiedenen Behörden, wer sich des mutmaßlichen Terroristen bemächtigen darf, vor allem zwischen Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman), dem Leiter einer deutschen Spionageeinheit, und Dieter Mohr (Rainer Bock), dem Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes, ist die Rivalität groß. Und auch die USA will in Gestalt von CIA-Agentin Martha Sullivan (Robin Wright) ein Wörtchen mitreden. Lediglich die engagierte Rechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) setzt sich für den von allen Seiten verfolgten ein.

Fast könnte man meinen, da wolle jemand vom NSA-Skandal und dem damit verbundenen Misstrauen den Geheimdiensten gegenüber profitieren, denn hier sind die Verfassungsleute und Agenten die Bösen, nicht die vermeintlichen Fanatiker. Tatsächlich aber basiert A Most Wanted Man auf dem 2008 erschienenen gleichnamigen Roman von John Le Carré, dessen Bücher schon die Vorlage für Der Spion, der aus der Kälte kam oder Dame, König, As, Spion lieferten. Doch wenn ein Name zukünftig mit dem Film hier in Verbindung gebracht wird, dann wird es nicht der des englischen Erfolgsautoren sein, sondern Philip Seymour Hoffman. Denn der liefert hier als mürrischer und verschlossener Agent nicht nur eine gewohnt starke Leistung, es ist auch eine der letzten, bevor er Anfang des Jahres überraschend verstarb.A Most Wanted Man Szene 1

Bemerkenswert ist die Besetzung aber nicht nur seinetwegen. Neben Hoffman gibt es mit Willem Dafoe und Robin Wright zwei weitere Hollywoodstars, dazu kommt eine ganze Riege bekannter deutscher Schauspieler (Nina Hoss, Rainer Bock, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Herbert Grönemeyer, Vicky Krieps), die sich mit zum Teil recht kleinen Nebenrollen zufriedengeben. Allein dieses Gipfeltreffen internationaler wie nationaler Stars zu sehen, lohnt bereits den Besuch des Films. Störend dabei nur, dass A Most Wanted Man komplett in Englisch gedreht wurde, was bei einem Film, der in Deutschland spielt und dessen Cast hauptsächlich deutsch ist, schon irritiert. Verständlich ist es sicher, wenn man für die Hauptrolle des deutschen Agenten einen weltweit bekannten Darsteller bevorzugte, sonderlich authentisch wirkt der Thriller im Original dadurch jedoch nicht.

Doch um Authentizität ging es hier ohnehin nur wenig. Die blassen Bilder sind stimmungsvoll, keine Frage, und zeigen ein düsteres, dreckiges Hamburg fernab vom Touristenhochglanz oder Reeperbahnromantik. Zusammen mit der Musik und eben den starken Schauspielerleistungen ist die europäische Koproduktion ein Vorbild für dichte Atmosphäre. Bei der Geschichte jedoch gab man sich sichtlich weniger Mühe. Natürlich sind Spionagefilme selten ein Musterbeispiel für Glaubwürdigkeit. Ein Freischein sollte das Genre dann aber doch nicht sein, vieles bei A Most Wanted Man ist wenig plausibel oder durchdacht. Und ein wenig subtiler und differenzierter hätte die Kritik an den Geheimdiensten auch sein dürfen.A Most Wanted Man Szene 2

Aber selbst wenn man darüber hinwegsehen kann und auch über die insgesamt nicht sonderlich interessanten Figuren, fährt sich der niederländische Regisseur Anton Corbijn (Control, The American) zwischenzeitlich fest und die fesselnden Intrigen und Machtspiele machen leichter Monotonie Platz. Das ist insofern schade, weil der Beginn und auch das Ende stark sind, die Erwartungen also schnell sehr in die Höhe steigen. Die werden jedoch nur zum Teil erfüllt, das erhoffte absolute Highlight ist der Film nicht geworden. Was bleibt ist bei aller Kritik aber ein guter Thriller, an dem nicht nur Genrefans ihren Spaß haben werden.

Fazit: A Most Wanted Man ist ein weiteres Zeugnis der großen Schauspielkunst von Philip Seymour Hoffman, aber auch der Inszenierungskunst von Anton Corbijn. Während der spröde Spionagethriller in Sachen Atmosphäre mehr als überzeugt, sind Geschichte und Figuren weit weniger interessant.

Wertung: 7 von 10

A Most Wanted Man läuft ab 11. September im Kino

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Blu-ray

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Biographie, Drama, Politik , geschriebenam 6 September, 2014 von Keine Kommentare

(„Mandela: Long Walk to Freedom“ directed by Justin Chadwick, 2013)

Mandela - Der lange Weg zur FreiheitInteresse an Politik hatte Nelson Mandela (Idris Elba) schon immer gehabt, engagierte sich noch während seines Studiums in der Opposition. Doch irgendwann reicht es dem Anwalt nicht mehr, die Ungerechtigkeiten seines Landes Fall für Fall zu bekämpfen – das gesamte System Südafrikas muss geändert werden. Als Führungsfigur des ANC (African National Congress) verschreibt er sich daher dem Kampf für eine Gleichberechtigung der Farbigen, zunächst gewaltfrei, später zur Not mit Waffen. Immer wieder gerät er dabei mit der regierenden Partei aneinander, bis er schließlich im Gefängnis landet. Doch das hält Mandela nicht auf: Mit der Unterstützung seiner zweiten Frau Winnie (Naomie Harris) führt er als Inhaftierter seinen Widerstandskampf fort.

Kann ein einziger Film dem Leben eines Menschen gerecht werden, noch dazu von einem, der zu einer der prominentesten und einflussreichsten Politikerköpfe des 20. Jahrhunderts wurde? Wohl nicht, wenn man Mandela: Der lange Weg zur Freiheit als Maßstab nimmt. Dabei sind die Ausgangsbedingungen gar nicht so schlecht, Regisseur Justin Chadwick hat bereits bei Die Schwester der Königin und The First Grader Erfahrungen mit Filmporträts historischer Persönlichkeiten gesammelt. Und auch mit dem üppigen Budget von 35 Millionen Dollar, die dem Britisch-Südafrikanischen Film zur Verfügung standen, lässt sich so einiges anfangen.Mandela - Der lange Weg zur Freiheit Szene 1

Dass die gut angelegt wurden, zeigt sich auch schon in den ersten Minuten: An der Ausstattung lässt sich kaum etwas bemängeln, Mandela schafft es sehr schön, ein Zeitgefühl für die einzelnen Epochen zu vermitteln. Und auch das Make-up-Team hat ganze Arbeit geleistet, schließlich hatte man die schwierige Aufgabe, Idris Elba vom jungen Mann bis ins hohe Alter ein glaubwürdiges Äußeres zu verpassen. Das ist ihnen auch gut gelungen. An Elbas eigener Arbeit ist ebenso wenig etwas auszusetzen, der Schauspieler verkörpert mit viel Würde den sicher nicht immer einfachen Freiheitskämpfer.

Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Dass knapp zweieinhalb Stunden – so lange dauert Mandela: Der lange Weg zur Freiheit – nicht genug ist, um Jahrzehnte in ihrer Gänze zu beleuchten ist klar. Und so ist es auch kein Wunder, dass Chadwicks Biopic ein Langzeitprojekt wurde, an dem immer wieder herumgeschrieben wurde, um die notwendige Mischung aus zeitlicher Breite und inhaltlicher Tiefe zu finden. Anfangs ist das Ergebnis noch stimmig, man erfährt von einzelnen wichtigen Episoden in Mandelas Leben, aber auch über die Situation der Schwarzen während der Apartheid, denen im Gefängnis nicht einmal lange Hosen zugestanden wurden. Der Film zeigt symbolisch anhand dieser Kleidungsfrage, welche absurden Ausmaße die Rassentrennung annahm.Mandela - Der lange Weg zur Freiheit Szene 2

Während wie beim „was“ einiges erfahren, bleibt das „warum“ aber weitestgehend im Dunkeln. Die Beziehung Mandelas zu seinen beiden Frauen, sein Aufstieg zur Ikone, die Annäherung zwischen Schwarz und Weiß, all das wird vorausgesetzt, ohne je plausibel und greifbar werden. Gerade für einen Film, der eine einzige Person zum Thema hat, ist das erstaunlich blutleer, Mandela wird nie zu einem tatsächlich interagierenden Menschen. Dabei schweigt Mandela: Der lange Weg zur Freiheit nicht einmal die negativen Seiten aus: Die rücksichtslosen Tendenzen des Friedensnobelpreisträgers werden ebenso gestreift wie die Gräueltaten, welche die Schwarzen sich gegenseitig zufügten. Und doch bleibt das schale Gefühl, über zwei Stunden auf ein Werbeplakat geschaut zu haben, das legitime Fragen mit Schlagwörtern ersetzt hat und leere Flächen hinter großen Reden versteckt. Man muss daher schon eine große Toleranzgrenze für Pathos mitbringen, um das Drama zu überstehen und die positiven Aspekte überhaupt genießen zu können.

Fazit: Wer ist Nelson Mandela? Diese Frage beantwortet das Biopic nur ansatzweise, statt Tiefgang erwartet den Zuschauer vor allem Pathos. Einige interessante Hintergründe erfahren wir jedoch und auch die Ausstattung und das Make-up stimmen.

Wertung: 5 von 10

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit ist seit 5. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Blu-ray

Ein Brief an Momo

Animation/Trickfilm, Anime, Drama, Fantasy, Komödie , geschriebenam 5 September, 2014 von 1 Kommentar

(„Momo e no tagami“ directed by Hiroyuki Okiura, 2011)

Ein Brief an MomoUnd wir bleiben beim Gefühlvollen: Nachdem wir uns letzte Woche beim wunderbar altmodischen Toys in the Attic das Herz gewärmt haben, fangen wir in Teil 18 unseres fortlaufenden Animationsspecials mit einem gebrochenen an. Aber auch mit der Erkenntnis, dass es manchmal lohnt, jahrelang auf jemanden zu warten.

„Liebe Momo“, mehr ist dem 11-jährigen Mädchen nicht geblieben. Ein Brief, den Momos Vater ihr kurz vor seinem Tod noch schreiben wollte, über die Anrede aber nicht hinauskam. Viel ist es nicht, aber der größte Schatz, den sie hat. Etwas, an dem sie sich festhalten kann in ihrer neuen Heimat, der kleinen Insel Shio. Ihre Mutter war es, die alle Zelte in Tokio abbrechen wollte, um hier ein neues Leben anzufangen. Momo selbst ist darüber nur wenig begeistert: Sie kennt niemanden, auf der Insel ist nichts los und ihre Mutter ist den ganzen Tag außer Haus. Doch Aufregung naht in Form der drei Kobolde Kawa, Mame und Iwa, die ein Talent dafür haben, alles auf den Kopf zu stellen – umso mehr, da Momo die einzige ist, die sie sehen kann.

Wer schon etwas länger Anime schaut, könnte eventuell beim Namen des Regisseurs stutzig werden. Hiroyuki Okiura, war das nicht …? Genau, vor mehr als zehn Jahren inszenierte er den Neoklassiker Jin-Roh, der seit einigen Monaten endlich wieder regulär erhältlich ist. Seither hatte er sich auf seine Animationstalente beschränkt, zum Beispiel bei Paprika, Regie führte er jedoch danach lange nicht mehr. Natürlich hat sich seither viel im Animeumfeld getan, was gerade im Vergleich der beiden Filme auffällt. War Okiuras erster großer Film noch weitestgehend Zeichentrick, hat hier an vielen Stellen der Computer Einzug erhalten. Immerhin hielt man sich mit übertriebenen Effekten zurück, meistens fügen sich die handgezeichneten, aquarellartigen Hintergründe und die rechnergestützten Objekte und Animationen gut zusammen. Schön anzusehen sind sie beide, auch die zweite Zusammenarbeit mit dem Animationsstudio Production I.G (Eden of the East, Ghost in the Shell) überzeugt durch realistische Charakterdesigns und schöne Lichteffekte.Ein Brief an Momo Szene 1

Der entscheidende Unterschied zwischen seinen beiden Langfilmen betrifft ohnehin den Inhalt. Jin-Roh, das auf einem Manga von Mamoru Oshii basierte, war halb dystopischer Thriller, halb psychologisches Drama. Letzteres teilt Ein Brief an Momo, an dessen Geschichte Okiura sieben Jahre selbst geschrieben hat, mit dem „Vorgänger“. Doch auch wenn die Ausgangslage traurig ist und einige Szenen herzzerreißend sind, ist die Grundstimmung doch oft auch heiter. Das liegt zum einen an den lichtdurchflutenden Landschaftsaufnahmen, die sehr schön die Atmosphäre des ländlichen Japans im Sommer einfangen.

Aber auch die drei ungebetenen Gäste sorgen immer wieder für Auflockerung. Laut eigener Angabe einst mächtige Götter, die Menschen mit Haut und Haar verschlucken konnten, sind sie heute nicht viel mehr als tollpatschige, einfach gestrickte Minimutanten. Deren Slapstickeinlagen verhindern, dass Ein Brief an Momo seiner Tristesse erliegt, sind aber auch ein bisschen zu albern gehalten, so wie der Humor insgesamt eher kindlich ist. Für Erwachsene ist daher vor allem die Kombination interessant: Hier treffen Coming of Age, Familiendrama, Fantasy und Comedy aufeinander. In die Tiefe geht zwangsweise keines der Elemente, bei derart vielen Genrezutaten reichen selbst zwei Stunden nicht aus. Aber die Mischung stimmt, hier wird einmal in jedem Gefühlssegment vorbeigeschaut, der Wohlfühlfaktor darf nicht fehlen, trotz der Länge wird es nie langweilig.Ein Brief an Momo Szene 2

Der Vergleich zu atmosphärisch ähnlich gelagerten Filmen aus dem Hause Ghibli liegt auf der Hand, auch wenn es qualitativ da doch noch ein Stück fehlt. Gerade bei den vielen mythologischen Wesen war Chihiros Reise ins Zauberland doch deutlich abwechslungsreicher und fantasievoller. Wem dieser gefallen hat, sollte aber auch dem rührenden Ein Brief an Momo einmal eine Chance geben. Eine willkommene Rückkehr von Okiura ist die Genremischung allemal. Bleibt nur zu hoffen, dass uns der Regisseur nicht wieder über zehn Jahre warten lässt, bevor er sich mit einem neuen Film zurückmeldet.

Fazit: Sicher hätte man bei Ein Brief an Momo stärker in die Tiefe gehen können, anstatt sich in einer Mischung aus Comedy, Drama und Fantasy zu verlieren. Aber die Genremixtur bietet gute Unterhaltung, geht zu Herzen und überzeugt auch bei der Optik.

Wertung: 7 von 10

Ein Brief an Momo ist seit 5. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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DVD

The Blacklist – Die komplette erste Season

Crime, Thriller, TV-Serie , geschriebenam 4 September, 2014 von Keine Kommentare

(„The Blacklist – Season 1“ directed by various, 2013)

The Blacklist – Die komplette erste SeasonSo ein erster Tag bei der neuen Arbeit ist immer aufregend. Was wird alles passieren, wem wird man begegnen, worauf kann ich mich freuen? Sicher nicht auf das, was Elizabeth Keen (Megan Boone) erwartet, als sie ihre Stelle als FBI-Profiler antritt. Raymond „Red“ Reddington (James Spader), einer der meistgesuchten Verbrecher, hat sich gestellt und bietet an, dem Geheimdienst lauter Superkriminelle zu liefern. Unter zwei Bedingungen: 1. Er will Straffreiheit. 2. Er arbeitet nur mit Elizabeth zusammen. Warum er Letzteres fordert, kann keiner sagen, am wenigsten die Betroffene selbst. Aber man arrangiert sich, fasst tatsächlich diverse Schwergewichte. Doch bald verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Privatem, ihre Ehe mit Tom (Ryan Eggold) leidet und Elizabeth muss erkennen, dass ihr eigenes Leben einige düstere Geheimnisse bereithält.

FBI-Agenten, die mit einem Schwerverbrecher zusammenarbeiten, um andere Kriminelle dingfest zu machen, das ist seit Das Schweigen der Lämmer ein immer wieder gern verwendetes Motiv. Wenn dann im Mittelpunkt auch noch der fernsehtechnisch brutal ausgeschlachtete Beruf des Profilers steht, dann ist der Impuls groß auszuschalten, noch bevor die erste Folge über die Mattscheibe flimmert. Doch im Falle von The Blacklist wäre das – der wenig originellen Ausgangssituation zum Trotz – keine besonders gute Entscheidung. Aus zwei Gründen.The Blacklist – Die komplette erste Season Szene 1

Der erste ist passionierten Fernsehschauern längst vertraut: Schon in der Kultserie Boston Legal durfte James Spader beweisen, dass er über Jahre hinweg die Menschen zum regelmäßigen Einschalten animieren kann. Ob ihm das hier auch gelingt, wird die Zeit zeigen, seine starke Präsenz aber ist unbestritten. Er interpretiert seine Rolle als Mischung aus nettem Onkel und psychopathischem Serienkiller, aus der man nie so ganz schlau wird. Manchmal sind seine ausladenden Manierismen etwas over the top und eine Entwicklung ist bei Red im Verlauf der 22 Episoden von Staffel 1 auch nicht auszumachen, gerade im Vergleich zu Elizabeth und ihrem FBI-Kollegen Donald Ressler (Diego Klattenhoff). Man kann nicht einmal sagen, ob die graue Eminenz der Kriminalität überhaupt ein Mensch ist. Doch das macht eben auch den Reiz aus, wenn er sphinxgleich mit einem Lächeln auf dem Gesicht über große Verschwörungen spricht, ohne seine eigenen Geheimnisse preiszugeben.

Was uns zum zweiten Grund bringt: Schon früh wird klar, dass es eine Verbindung zwischen dem höflichen Monster und der unbedarften Agentin gibt. Doch wie die genau aussieht ist ebenso unklar wie die Identität der mysteriösen Menschen, die plötzlich alle in Elizabeth’ Leben auftauchen. Menschen, die alle etwas über sie wissen, wir aber nichts über diese Leute. Krimifreude dürfen hier daher hemmungslos drauflos spekulieren, worum es bei der ganzen Geschichte eigentlich geht. Denn von Folge zu Folge zu Folge bekommen wir mehr kleine Mosaiksteinchen, die mal zusammenpassen, oft auch nicht, The Blacklist schlägt unerwartete Wege ein, um dann auf einmal wieder an einer bekannten Stelle herauszukommen. Oft ist es gerade Neugierde, die einen dazu veranlasst, doch noch ein weiteres Mal einzuschalten.The Blacklist – Die komplette erste Season Szene 1

Während die wendungsreiche Rahmenhandlung auf jeden Fall reichlich Pluspunkte sammelt, ist das bei den einzelnen Fällen nicht immer der Fall. Ähnlich wie Hannibal hat auch diese Krimiserie das Problem, in einer Folge gleich zwei Geschichten erzählen zu müssen: die allgemeine von Elizabeth und Red und die konkrete der einzelnen Verbrecher. Dass Letztere dabei oft zu kurz kommen, ist wenig überraschend. Wenn aber zum wiederholten Male die Verbrecher in nur wenigen Minuten identifiziert werden, ist das schon etwas albern. Spannend wird es trotzdem oft genug, denn The Blacklist ist alles andere als zimperlich. Gewalt ist hier kein Fremdwort, immer wieder wird es brutal, teils sogar morbide. Und davor sind nicht einmal die Charaktere gefeit, so manche der Figuren wird bei den Credits von Folge 22 nicht mehr dabei sein. Die endet übrigens, wie es sich in dem Genre gehört, mit einem Cliffhanger. Einige Fäden finden endlich zusammen, dafür findet man plötzlich neue. Glücklicherweise ist daher bereits eine zweite Staffel in der Mache, welche die Tage in den USA startet und dann auch hoffentlich bald ihren Weg zu uns findet.

Fazit: Auch wenn die Ausgangssituation alles andere als originell ist, bietet The Blacklist gute Krimiserienunterhaltung. Das liegt zum einen am übergroß spielenden James Spader, aber auch die wendungsreiche Rahmenhandlung hält einen bei der Stange.

Wertung: 7 von 10

The Blacklist ist seit 4. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Blu-ray

Beziehungsweise New York

Drama, Komödie, Romanze , geschriebenam 3 September, 2014 von Keine Kommentare

(„Casse-tête chinois“ directed by Cédric Klapisch, 2013)

Beziehungsweise New YorkAuch die größte Liebe kann irgendwann einmal vorbei sein. So wie bei Xavier (Romain Duris) und Wendy (Kelly Reilly). Lange waren die beiden glücklich miteinander, haben zwei großartige Kinder, aber nach zehn Jahren ist die Luft einfach draußen. Als Wendy verkündet, mit den Kindern nach New York zu ziehen, um mit einem neuen Mann zu leben, fällt Xavier dennoch aus allen Wolken. Die Vorstellung, die Kleinen nicht mehr sehen zu können, ist unerträglich. Und so entschließt der Franzose, selbst nach Big Apple überzusiedelen. Zum Glück lebt seine beste Freundin Isabelle (Cécile de France) mit ihrer Partnerin Ju (Sandrine Holt) dort und kann ihrem früheren Mitbewohner Starthilfe geben. Und bald schon steht auch Martine (Audrey Tautou) wieder vor seiner Tür, ihre beiden Kinder im Schlepptau.

Nicht nur im Leben von Xavier und Martine ist viel passiert, kaum etwas erinnert hier noch an L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr jener Auslandsstudium-Kult-Komödie, in der die beiden ihren ersten Auftritt hatten. Schon in Teil zwei der Reihe, L’auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg zeigte Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch, dass er kein Interesse an der Wiederholung seines Erfolgskonzeptes hatte. Die Culture-Clash-Momente und das augenzwinkernde Spiel mit Klischees waren in der Fortsetzung stark eingeschränkt, stattdessen rückten die Liebesprobleme der Protagonisten in den Vordergrund, der Ton wurde deutlich ernster. In Beziehungsweise New York geht er diesen eingeschlagenen Weg bewusst weiter. An einigen Stellen spielt er noch mit kulturellen Unterschieden, wenn der Franzose auf die Amerikaner trifft. Doch deutlich wichtiger ist ihm zu zeigen, welch sonderbare Wege so ein Leben manchmal nehmen kann – egal, ob nun in den USA, Europa oder sonst wo.Beziehungsweise New York Szene 1

Fans der ersten Stunde mögen darüber enttäuscht sein, dass sie endgültig von der Chaos-WG Abschied nehmen müssen, viele Charaktere nicht einmal mehr auftauchen. Doch dem Film selbst hat es gut getan, sich von den Vorgaben zu lösen. Krankte Wiedersehen in St. Petersburg deutlich daran, dass Klapisch zwei grundverschiedene Filme in einen packen wollte, wirkt Beziehungsweise New York wieder mehr aus einem Guss. Das bedeutet jedoch nicht, dass dem französischen Regisseur sein Faible für Spielereien und absurde Momente abhanden gekommen sind. Auch dieses Mal greift er in die inszenatorische Trickkiste, verwendet Papiercollagen, eine Rahmenerzählung in Gestalt von Xaviers Verleger und zum Schluss baut er eine Szene ein, die nicht zufällig an den ersten Teil erinnert – ein schön nostalgisches Geschenk.

Doch das größte Geschenk ist es, die Charaktere von damals wiederzusehen. So richtig erwachsen sind sie alle nicht geworden. Sicher, man hat ein paar Falten mehr, sie sind Väter und Mütter geworden und beruflich einigermaßen im Leben angekommen. Aber noch immer haben sie die sympathische Eigenschaft, eigentlich gar nicht so genau zu wissen, was sie wollen und wer sie sind. Die Orientierungssuche damals, eingequetscht in die 7er WG in Barcelona, sie hat nie wirklich geendet. So wie Xavier und die anderen damals zur Identifikationsfigur von Austauschstudenten wurden, sind sie es heute eben für die Zuschauer im mittleren Lebensabschnitt, die zusammen mit ihnen älter, aber nicht unbedingt weiser geworden sind.Beziehungsweise New York Szene 2

Dass Beziehungsweise New York dabei wie seine Vorgänger auch keine richtige Geschichte zu erzählen hat, sondern eher auf Episoden setzt, muss kein Manko sein. Im Gegenteil. In einer der schönsten Szenen der Liebestragikomödie denkt der notorisch selbstreflektierende Xavier darüber nach, dass ein Leben nicht nur aus den großen, besonderen Momenten bestehen kann, sondern auch Platz für die kleinen, unwichtigen sein muss. Mit seinen Kindern durch die Stadt laufen, eine Straße überqueren. Ja, das Leben kann chaotisch sein, verrückt, banal und verwirrend, zum Beispiel wenn man als Franzose eine Chinesin heiraten muss, um Amerikaner zu werden und so die Kinder wiedersehen zu können, die man mit einer Engländerin hat, die man aus seiner Zeit in Spanien kennt. Aber vielleicht ist genau das auch das Schöne am Leben.

Fazit: Von der charmanten Leichtigkeit in L’auberge espagnole ist hier kaum mehr etwas übrig, stattdessen erzählt Beziehungsweise New York, welches Chaos einen im mittleren Alter so erwartet. Doch auch wenn der Humor deutlich weniger wurde, ist der dritte Teil ein willkommenes Wiedersehen mit der Chaostruppe geworden und bietet einige schöne Gedanken über das Leben.

Wertung: 7 von 10

Beziehungsweise New York ist seit 1. September auf DVD und Blu-ray erhältlich

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