DVD

Die Muppets

Familie, Komödie, Musical , geschriebenam 19 April, 2014 von Keine Kommentare

(„The Muppets“ directed by James Bobin, 2011)

Die MuppetsKermit der was? Wer in den 70ern bis weit in die 80er hinein zu Halloween als grüner Frosch verkleidet um die Häuser gezogen ist, dem dürfte die Anerkennung der anderen gewiss gewesen sein. Vielleicht sogar ein bisschen Neid. Aber heute? Da hagelt es nur Spott, wie Walter feststellen muss. Der ist zwar ein paar Jahre zu spät geboren, um die Muppet Show noch selbst im Fernsehen erlebt zu haben. Seitdem er die Puppen aber als Kind auf Video gesehen hat, sind die Mitglieder des eigenwilligen Künstlerensembles seine großen Idole, mehr noch, seine Seelenverwandte. Schließlich ist Walter selbst ein Muppet und hatte nie so richtig reingepasst, in die Welt der Menschen.

Nur sein Bruder Gary (Jason Segel) kümmert sich aufopferungsvoll um den kleinen Muppetnarr – zum Leidwesen seiner Freundin Mary (Amy Adams). Einfach mal ein bisschen zeit zu zweit verbringen, ist das wirklich zu viel verlangt? Offensichtlich, selbst bei der Reise nach Los Angeles zur Feier der 10-jährigen Beziehung ist Walter mit dabei. Andererseits wäre es schon reichlich gemein gewesen, ohne ihn zum legendären Muppets-Studio zu fahren. Vielleicht aber auch nicht, denn vom Glanz der alten Zeiten ist nichts mehr übrig: Alles ist verfallen, keiner interessiert sich mehr dafür. Bis auf den reichen Geschäftsmann Tex Richman (Chris Cooper). Der vermutet nämlich enorme Ölquellen auf dem Gelände und plant deshalb, das Studio abzureißen. Als Walter das erfährt ist klar: Das muss verhindert werden! Dafür aber müssen die Muppets zehn Millionen Dollar auftreiben, eine Benefizshow soll das nötige Kleingeld besorgen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn die Stars von einst sind längst in alle Winde verstreut.Die Muppets Szene 1

Als 2011 Die Muppets in den Kinos anlief, war es nicht unbedingt so, als hätte die Welt sehnsüchtig darauf gewartet. Zwölf Jahre waren seit dem letzten Ausflug Muppets aus dem All vergangen. Und dass die Puppen in der Zwischenzeit auch noch von Disney aufgekauft wurden, war Wasser auf den Mühlen der Zweifler. Schon einmal waren die Kultpuppen für die Zeichentrickserie Muppet Babies bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht worden. Wie würde dann erst das Mäuseimperium mit ihnen umgehen, zumal diesmal die Veteranen Frank Oz und Jerry Nelson fehlen?

Äußerst respektvoll, wie sich herausstellte. Sicher, der einstige Anarchohumor hatte gelitten. War die Muppet Show gleichermaßen für Kinder wie für Erwachsene geeignet, richtete sich der Comebackfilm primär an ein jüngeres Publikum: die farbenfrohe Gestaltung, die fröhlichen Lieder, die sympathischen Hauptfiguren, der allgegenwärtige Idealismus und die Betonung von Freundschaft – da gibt es nichts, an dem sich der Nachwuchs stören dürfte.

Doch auch die älteren Semester finden bei Die Muppets viel nach ihrem Geschmack – zumindest wenn man selbst früher ein Fan der Show war. Auffallend ist der häufige Gebrauch von Selbstironie. Egal, ob der eigene verblasste Ruhm thematisiert wird oder die Muppets eine genial-einfache Methode entwickeln, schneller zu reisen, die Drehbuchautoren Jason Segel und Nicholas Stoller nutzen jede Gelegenheit, den eigenen Film aber auch die der anderen aufs Korn zu nehmen.Die Muppets Szene 2

Eine satirische Metakomödie ist der siebte Ausflug der Puppen aber dennoch nicht, denn bei allem Spott spürt man als Zuschauer, dass der Film eine echte Herzensangelegenheit war. Streckenweise ist Die Muppets mit seinen vielen Anspielungen und Selbstzitaten fast schon unverschämt nostalgisch. Manipulativ? Ja, auch das irgendwie. Hin und wieder hat man schon den Eindruck, dass hier etwas zu sehr versucht wurde, an die Kindheitserinnerungen der Zuschauer zu appellieren. Doch wirklich übelnehmen will man dem Film das nicht, spätestens wenn die Rasselbande ihren alten Klassiker „Rainbow Connection“ anstimmt, dürften so manchen die Tränen in den Augen stehen. Und natürlich dürfen auch die Cameoauftritte bekannter Stars nicht fehlen. Einige wie Jack Black bekommen sogar größere Rollen, andere werden nicht einmal namentlich genannt. Ein Teil des Vergnügens ist damit auch dieses Mal, alle Berühmtheiten entdecken zu wollen.

Perfekt ist Die Muppets dennoch nicht. Vor allem enttäuscht, dass der einzige Puppenneuzugang Walter so gar nichts von dem Charme seiner Vorgänger hat. Und ob die altehrwürdigen Figuren bei den Kindern von heute einen Stellenwert einnehmen können, wie es früher einmal der Fall war, das bleibt abzuwarten. Aber der Film macht Spaß, Herz hat er auch. Ein bisschen ist es so, als würde man alte Freunde treffen, die man Jahre nicht mehr gesehen hat. Sicher ist es nicht mehr dasselbe, die Umstände haben sich geändert, man selbst hat es auch. Aber da ist noch immer etwas Vertrautes. Etwas, von dem man gar nicht merkte, dass es einem fehlt. Da sieht man dann auch über den einen oder anderen Mangel hinweg.

In dem Sinne: willkommen zurück!

Fazit: Nicht ganz so anarchisch wie früher, richtet sich die Rückkehr der Muppets eher an ein jüngeres Publikum. Dafür dürfen erwachsene Zuschauer beim nostalgischen Comebackfilm oft in Erinnerungen schwelgen und über die häufige Selbstironie schmunzeln.

Wertung: 7 von 10

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DVD

Prisoners

Filmtipp, Thriller , geschriebenam 13 April, 2014 von Keine Kommentare

(„Prisoners“ directed by Denis Villeneuve, 2013)

PrisonersDas Wetter ist trübe, die Straßen verwaist, jeder hat es sich zum Feiern in den eigenen vier Wänden gemütlich gemacht. Nichts also deutet darauf hin, dass dieses Thanksgiving anders verlaufen sollte als die Male zuvor. Aber in der Kleinstadt irgendwo in der Einöde Pennsylvanias passiert ohnehin nie was. Und so schnappen sich Keller (Hugh Jackman) und Grace Dover (Maria Bello) die beiden Kinder, um mit den Nachbarn Franklin (Terrence Howard) und Nancy Birch (Viola Davis) und deren Töchter zusammen zu feiern. Man isst, unterhält sich, musiziert zusammen, ein Familientag wie aus dem Bilderbuch.

Doch diese Bilder nehmen im späteren Verlauf alptraumhafte Züge an, als die beiden Jüngsten der Familie draußen spurlos verschwinden. Die Hoffnung, die Kinder hätten sich vielleicht versteckt oder beim Spielen die Zeit vergessen, zerschlagen sich bald, da muss etwas Anderes dahinterstecken. Oder auch jemand. Einen Schuldigen haben die Familien auch bald ausgemacht: Der geistig zurückgebliebene Alex Jones (Paul Dano) hatte nachmittags mit seinem Wohnmobil in der Nähe geparkt und die Töchter hatten dieses unbedingt von innen ansehen wollen. Als Alex bei der Vernehmung durch Detective Loki (Jake Gyllenhaal) auch noch fliehen will, ist die Sachlage klar. Doch Beweise gibt es nicht und der Verdächtige ist bald wieder auf freiem Fuß. Während Loki auf der Suche nach Hinweisen ist, beschließt Keller, die Sache selbst in die Hand zu nehmen – schließlich steht das Leben seiner Tochter auf dem Spiel.Prisoners Szene 1

Nach wirklich viel Handlung hört sich das nicht an. Wenn man dann auch noch erfährt, dass abgesehen von den Personen oben kaum jemand mehr hinzukommt und auch die Schauplätze sehr überschaubar sind, stellt sich einem unweigerlich die Frage: Wie will man mit dem Material bitte schön zweieinhalb Stunden füllen? Zur großen Überraschung funktioniert das nicht nur, sondern ist auch noch verflucht spannend. Obwohl die Bestandteile einfach sind und trotz Überlänge, Prisoners kommt praktisch ohne Längen aus. Und damit hat der franko-kanadische Regisseur Denis Villeneuve so manchem alteingesessenen Hollywoodkollegen einiges voraus.

Spannend ist der Film aber nur zum Teil aufgrund des Falls an sich. Der ist in Ordnung, neben dem Hauptverdächtigen tun sich mit der Zeit noch andere Fährten auf. Richtig komplex wird es jedoch nie, Villeneuve lässt sich viel Zeit beim Nachgehen dieser Spuren und überfordert seine Zuschauer auch nie mit mehreren parallel laufenden Lösungsansätzen. Ein traditioneller Whodunit mit vertrackten Tatvorgängen, dutzenden Verdächtigen und ebenso vielen Motiven ist Prisoners also nicht, Krimifans bekommen hier nur wenig zum Grübeln.

Nein, die eigentliche Stärke des Films sind seine Protagonisten. Denkt man anfangs, der Titel würde sich allein auf die beiden entführten Mädchen beziehen, ahnt man schnell, dass jeder hier auf seine Weise ein „Gefangener“ ist: Loki kämpft gegen die Reglementierungen seines Berufes, Keller kann vor lauter Rachegedanken kein Recht und Unrecht unterscheiden, seine schwer depressive Frau Grace ist ans Bett gefesselt, Alex spricht seit seiner Jugend nicht mehr, dessen Tante Holly (Melissa Leo) lebt einsam in ihrem Haus. Jeder hat hier irgendwo seine Leichen im Keller, seine dunklen Geheimnisse und erlittenen Traumata. Zeitweise kommt hier so viel ans Tageslicht, dass die Kleinstadt so düster wirkt wie Twin Peaks oder das Boston in Hannibal – und auch ebenso übertrieben.Prisoners Szene 2

Interessant sind dabei vor allem die verschiedenen Ansätze, mit Schicksalsschlägen umzugehen. Immer wieder fragt Keller die anderen und damit die Zuschauer, wie sie in seiner Situation reagieren würden. Villeneuve vermeidet es jedoch, eine eigene Antwort auf dieses moralische Dilemma geben zu wollen, überlasst dies lieber seinen Figuren. Und die fallen oft erschreckend aus, sind in ihrem Schmerz und der Verzweiflung aber immer auch nachvollziehbar. Prisoners ist damit eben nicht nur herkömmlicher Entführungsthriller, sondern gleichzeitig auch eine Charakterstudie über die Auswirkungen von Schicksalsschlägen. Jackman hat dabei die dankbarste Rolle als auseinanderbrechender Vater; eine Aufgabe, die der Australier mit Bravour löst. Aber auch Gyllenhaal als einsamer Cop hat seine starken Momente.

Wem Prisoners gefallen hat, der sollte sich übrigens schon einmal den 22. Mai vormerken. An dem Tag startet nämlich Enemy in unseren Kinos, den Villeneuve zusammen mit Gyllenhaal noch vor seinem großen Durchbruch gedreht hat. Und auch dort bleiben die beiden dem Thrillergenre treu.

Fazit: Wie gehen wir mit Schicksalsschlägen um? Wie würde der Zuschauer in einer solchen Situation reagieren? Verpackt in einen Entführungsthriller präsentiert uns der kanadische Regisseur Denis Villeneuve eine Charakterstudie, die trotz Überlänge und einfacher Geschichte bis zum Schluss seine Spannung hält.

Wertung: 8 von 10

Prisoners ist seit 13. Februar auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Blu-ray

Badges of Fury

Action, Crime, Komödie , geschriebenam 12 April, 2014 von 1 Kommentar

(„Bu Er Shen Tan“ directed by Tsz Ming Wong, 2013)

Badges of Fury„Wenn du schon gehen musst, dann mit einem Lächeln.“ Fast könnte man mein, da hätte jemand zu viel Batman geschaut. Gemeinsamkeiten gibt es nämlich keine zwischen den vier Opfern, abgesehen davon, dass es jüngere Männer waren und sie sehr sehr plötzlich verstarben – immer mit einem glückseligen Ausdruck auf dem Gesicht. Und das ist nicht ganz einfach, wenn man gerade aus einem Flugzeug fiel oder beim Turmspringen verunglückte. Was also steckt hinter dieser mysteriösen Todesreihe?

Lichts ins Dunkel sollen ausgerechnet die Polizisten Huang Feihong (Jet Li) und Wang Bu Er (Wen Zhang) zusammen mit ihrer Chefin Angela (Michelle Chen) bringen. Sehr erfolgversprechend ist das nicht, nachdem der letzte gemeinsame Einsatz der drei ein völliges Desaster war. Damals konnten sie weder die Beute, noch die Verbrecher dingfest machen. Doch dieses Mal scheint es besser zu laufen, immerhin haben sie eine Spur. Und die führt sie zum bekannten Filmstar Liu Jingshui (Liu Schishi) und deren üppig ausgestatteten Schwester Dai Yiyi (Liu Yan).

Krimi trifft Komödie, garniert mit viel Hongkong-Action, so könnte man Badges of Fury zusammenfassen. Auf dem Bildschirm präsentiert sich das in etwa so, als wäre Blödelprofi Louis de Funès wieder lebendig, zum Asiaten geworden und hätte die Kunst des Kung-Fu erlernt. Da werden durchaus Erinnerungen an klassische Hongkong-Action-Komödien wach, etwa an die Police Story-Reihe mit Jackie Chan. Nur dass hier alles noch mal eine Spur alberner ist.Badges of Fury Szene 1

Das zeigt sich gerade in den Kämpfen. Martial-Arts-Filme sind ja dafür bekannt, dass sie lästige physikalische Ideen wie die Schwerkraft gerne mal ignorieren und Helden durch die Luft, an Wänden oder auch auf dem Wasser laufen lässt. Badges of Fury tut das ebenfalls, macht sich gleichzeitig aber auch darüber lustig. Ganz so abgedreht wie in Tai Chi Zero wird es jedoch nicht, eine reine Parodie soll der Film auch nicht sein. Vielleicht wäre das aber gar nicht mal verkehrt gewesen, denn so wie es ist, bleibt das Debüt von Regisseur Tsz Ming Wong irgendwo in der Mitte stecken. Für eine „normale“ Action-Komödie nimmt es sich nicht ernst genug, für eine wirkliche Karikatur hätte man aber weiter gehen müssen.

Doch Parodie hin oder her, losgelöst vom komischen Kontext sind die Actionszenen so oder so sehenswert. Dass Genreveteran Jet Li (Hero, Flying Swords of Dragon Gate) das Kämpfen in Fleisch und Blut übergegangen ist, hat der Chinese schon oft genug bewiesen. Aber auch sein jüngerer Kollege Zhang Wen darf in Zukunft ruhig häufiger seine Beine durch die Luft wirbeln, wenn man das hier Gezeigte als Grundlage nimmt. Zum dritten Mal schon nach Ocean Heaven und Die Legende der weißen Schlange stehen die beiden hier gemeinsam vor der Kamera, Badges of Fury ist jedoch der erste, bei dem die Hauptrolle Wen gehört. Der ist in seiner Heimat dank mehrerer TV-Dramen längst ein Star, der internationale Durchbruch lässt aber noch auf sich warten.Badges of Fury Szene 2

Ganz klappen wird das hier auch nicht, dafür gibt es bei der Geschichte und dem Humor zu viele Schwächen. Der Fall an sich ist in Ordnung, baut einige falsche Fährten ein, nur um dann an einer völlig anderen Stelle wiederaufzutauchen. Einige Streckenabschnitte wirken dann aber doch erzwungen, ein reines Mittel zum Zweck. Und der Zweck besteht darin, möglichst viele Gagsalven abzufeuern. Nicht jede davon findet ihr Ziel, einige der Schenkelklopfer verlassen sich zu sehr auf Klamauk, ohne wirklich witzig zu sein. Insgesamt ist Badges of Fury aber durchaus eine amüsante Krimikomödie geworden. Ein Muss? Nein. Ein Kann dafür schon.

Fazit: Ähnlich wie frühere Hongkongfilme – nur noch viel alberner – verbindet Badges of Fury einen Kriminalfall mit Humor und Martial-Arts-Einlagen. Letztere sind auf jeden Fall sehenswert, Geschichte und Witze mal mehr, mal weniger gelungen.

Wertung: 6 von 10

Badges of Fury erscheint am 14. April auf DVD und Blu-ray

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Blu-ray

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse

Crime, Komödie , geschriebenam 11 April, 2014 von Keine Kommentare

(„00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ directed by Helge Schneider, 2013)

00 Schneider – Im Wendekreis der EidechseLange haben die Anhänger des gepflegten Nonsens auf die Rückkehr ihres Idols warten müssen. In Nebenrollen war Helge Schneider zwar immer mal wieder zu sehen, zuletzt im grausamen Ohne Gnade. Doch was seine eigenen Filme angeht, da mussten – oder durften? – die Zuschauer fast ein Jahrzehnt ohne ihn auskommen, seit Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm hatte Schneider nicht mehr auf dem Regiestuhl gesessen. Und das war 2004 gewesen.

Nun sind längere Pausen immer mit einem gewissen Risiko verbunden, schließlich läuft man Gefahr, in der Zwischenzeit vom Publikum vergessen worden zu sein. Das mag im Fall der „singenden Herrentorte“ ein bisschen schwieriger sein, dafür ist sein Schaffen dann doch zu speziell. Aber um ganz sicherzugehen, kramte Schneider für sein Comeback eine Figur aus der Mottenkiste, die zu seinen bekanntesten überhaupt zählen: der schnodderige Kommissar Roy Schneider. Der hatte schon 1993 einen Auftritt in Schneiders erstem Langfilm gehabt (Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem) und war ein Jahr drauf sogar als Hauptfigur zu sehen (00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter).

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse Szene 1

Viel geändert hat sich in den fast zwanzig Jahren seit seinem großen Einsatz nicht. Schneider mag älter geworden sein, trägt aber noch immer einen Trenchcoat, der damals schon nicht mehr zeitgemäß aussah, seine bevorzugte Waffe ist nach wie vor sein brillanter Verstand, mit dem er Jagd auf kuriose Verbrecher macht. Zwei sind es diesmal, die das heimische Mühlheim in Angst und Schrecken versetzt: ein gefährlicher Sexualverbrecher (Rudi Olbrich) und der frisch getürmte deutsch-türkisch-belgische Meisterverbrecher Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni), auch Eidechse genannt, weil er seine Opfer mit einer ätzenden Flüssigkeit bespuckt. Und auch privat hat der erfahrene Polizist einiges zu tun, der unangekündigte Besuch seiner amerikanischen Tante Tyree (Tyree Glenn Jr.) bringt ein ganz schönes Chaos mit sich.

Das verspricht so einiges an Handlung, doch wer Schneiders frühere Filme kennt, weiß dass es sich dabei mehr um die Parodie einer Geschichte handelt. Viel passieren tut auch hier nicht, der Charme von 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse liegt eher in dem bewussten Verzicht auf alles, was wir gemeinhin von einem guten Film erwarten. Da werden Szenen aneinandergereiht, die weder miteinander noch mit dem Plot etwas zu tun haben. Die Rollen werden größtenteils von Laien übernommen, die nicht einmal so tun, als wären sie Schauspieler. Und auch die Männer in schlecht aufgemachten Frauenverkleidungen dürfen nicht fehlen.00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse Szene 2

Und wie immer werden sich die Geister daran scheiden, ob und warum man sich das anschauen sollte. Am besten fährt auch bei 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse, wer Absurditäten zu schätzen weiß. Wenn Kommissar Schneider bei einer Abkürzung durch die Stadt auf einmal in den Bergen ist oder eines der Opfer regungslos auf dem Boden liegen bleiben soll, damit der Tatort nicht verändert wird – da darf man schon einmal schmunzeln. Laut gelacht wird bei Schneider hingegen traditionell wenig, dafür fehlt es an Pointen im eigentlichen Sinn, oft genug passiert streng genommen auch nichts. Neue Fans wird Helge Schneider also auch 2014 kaum gewinnen. Wer sich aber schon seinerzeit für seinen doch recht speziellen Humor begeistern konnte, darf sich freuen, dass das Multitalent im Alter kein bisschen normal zu werden droht.

Fazit: Wer eine Handlung braucht, richtige Charaktere, gute Schauspieler oder zumindest witzige Pointen, der braucht sich an 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse erst gar nicht zu versuchen. Langjährige Fans freuen sich hingegen darüber, dass Helge Schneiders Filme so absurd wie eh und je sind.

Wertung: 5 von 10

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse ist seit 11. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

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Inside Llewyn Davis

Drama, Filmtipp, Komödie, Musik , geschriebenam 10 April, 2014 von Keine Kommentare

(„Inside Llewyn Davis“ directed by Ethan Coen and Joel Coen, 2013)

Inside Llewyn DavisDoch nicht schon wieder! Kaum ein Ereignis ist bei Musikfans wohl so gefürchtet wie sie: die Vorband. Sicher, da ist immer mal wieder Interessantes dabei. Außerdem ist es legitim, ja sogar lobenswert, dem Nachwuchs eine Bühne zu bieten, die sie allein nie füllen könnten. Oft genug aber aus gutem Grund, böse Zungen behaupten sogar, sie wären allein aus dem Grund da, das Publikum beim Warten auf den Hauptact zum Bierkauf zu verleiten. Besonders hoch im Kurs scheinen da selbsternannte Singer-Songwriter zu sein, die voller Ernsthaftigkeit und nur mit einer Klampfe bewaffnet über Gott und die Welt singen. Das mag ehrlich gemeint sein, reicht oft aber nicht über Postkartenpoesie hinaus und kann einen dann schon mal zur Weißglut treiben.

Was nun, wenn man selbst Singer-Songwriter ist und mitansehen muss, wie diese inhaltsleeren Happy-Sappy-Prediger Plattenvertrag und fette Trinkgelder kassieren, die eigene Karriere aber nur in heruntergekommene Clubs führt? Llewyn Davis (Oscar Isaac) könnte ein Lied darüber singen, nur würde sich dafür wieder niemand interessieren. Schon das Album, das er mit Mike Timlin aufgenommen hatte, wollte niemand wirklich haben. Und bei seinem Debüt „Inside Llewyn Davis“ sieht es nicht besser aus. Zu düster und unkommerziell ist Llewyns Folkmusik, nichts, womit die Massen etwas anfangen könnten.

Ganz anders bei Jean (Carey Mulligan) und Jim (Justin Timberlake), die mit ihrer weichgespülten Heileweltinterpretation – und ihrem guten Aussehen – Anfang der 60er zu den Lieblingen der New Yorker Folkszene gehören und sich vor Anfragen gar nicht retten können. Llewyn hingegen ist schon froh, wenn er abends eine Decke über dem Kopf hat, kein Sofa, auf dem der glücklose Musiker nicht schon übernachtet hat, weil das Geld für eine eigene Bleibe fehlt. Privat sieht es nicht besser aus: Der senile Vater ist im Heim, die eigene Schwester will nichts mit ihm zu tun haben und Jean ist nach einem gemeinsamen One-Night-Stand mit ihm schwanger. Ob es seins ist, weiß niemand, für die Abtreibung soll er dennoch bezahlen. Einziger Lichtblick in der Misere ist die Aussicht, einmal vor dem berühmten Manager Bud Grossman (F. Murray Abraham) spielen zu dürfen und dann vielleicht endlich seinen Durchbruch zu schaffen.

Inside Llewyn Davis Szene 1

In ihren Filmen hatten die Brüder Ethan und Joel Coen schon immer eine Schwäche für Außenseiter gehabt, mit O Brother, Where Art Thou? zeigten sie 2000 bereits ihre Liebe zur volkstümliche Musik. Und das mit wahnsinnigem Erfolg, der Soundtrack ging damals in den USA fast 8 Millionen Mal über die Ladentheken. Wenn die eigenwilligen Regisseure bei Inside Llewyn Davis diese beiden Komponenten nun miteinander verknüpfen, ist das daher kaum überraschend. Anders als vielleicht erwartet, ist ihr neuestes Werk aber nur sehr bedingt im Komödiengenre angesiedelt. Ganz darauf verzichten mögen die Brüder auf witzige Einlagen zwar nicht, die betreffen aber eher einige kauzige Nebenfiguren oder den Running Gag, dass Llewyn sich ständig und unfreiwillig um Katzen kümmern muss.

Ansonsten herrscht eine melancholische Atmosphäre, die in überwiegend blass-braunen Bildern eingefangen wird. Eine wirkliche Handlung ist damit nicht verbunden, eher einzelne Episoden, die uns Charaktere und die damalige Zeit wiederbringen sollen. Hauptinspirationsquelle hierfür bildete der amerikanische Folkmusiker Dave Van Ronk, der in den 60ern eine Galleonsfigur dieses Genres war, und dessen Memoiren „The Mayor of MacDougal Street“. Das geht so weit, dass die fiktive Schallplatte „Inside Llewyn Davis“ der realen „Inside Dave Van Ronk“ nachempfunden wurde.

Eine reine Biografie ist Inside Llewyn Davis jedoch nicht. Während van Ronk ein freundlicher Mensch gewesen sein soll, kann man das von Davis kaum behaupten: Er stänkert, lästert und lässt recht ungehemmt seinen Frust über den mangelnden Erfolg an anderen aus. Doch trotz seines miesen Verhaltens, trotz seines Egoismus, Mitgefühl mit dem gescheiterten, leicht depressiven Sänger hat man, der es ernst meint, wirklich etwas sagen möchte, aber keine Zuhörer findet, während die seicht-albernen Nummern ein Massenpublikum erreichen. Der Film ist damit gleichzeitig eine Antwort auf Heuchelei im Musikbiz und die Suche nach dem schnellen Geld. Bestes Beispiel: Jean, die auf der Bühne von Harmonie singt, abseits davon aber ein ziemliches Miststück ist.

Inside Llewyn Davis Szene 2

Carey Mulligan spielt diese Rolle wunderbar und darf wie schon in Shame ihre tolle Stimme vorführen, auch die üblichen Verdächtigen John Goodman und F. Murray Abraham sorgen wieder für Glanzpunkte. Doch das Spotlight, das gehört einzig und allein Oscar Isaac, der in seiner ersten großen Hauptrolle nicht nur sein schauspielerisches, sondern auch sein gesangliches Talent unter Beweis stellt. Bei ihm wird Llewyn Davis zu einem komplexen Charakter, begabt, ausdrucksstark, aber eben auch verzweifelt, desillusioniert, zynisch und noch immer in Trauer um den Tod seines Kompagnons Mike.

Allein seinetwegen lohnt sich der Film schon, genauso für die Musik. Natürlich muss man mit Folk schon etwas anfangen können. Aber wer das tut, darf sich über den Soundtrack des erfahrenen Produzenten T-Bone Burnett freuen. Der war nicht nur für eine Reihe von Filmmusiken verantwortlich (O Brother, Where Art Thou?, Walk the Line), sondern arbeitete als  Produzent unter anderem für John Mellencamp, Natalie Merchant und die Counting Crows.

Fazit: Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht bei diesem Folk. Der episodenhafte Film der Coen-Brüder über einen fiktiven Sänger in einer Identitätskrise ist manchmal witzig, oft wehmütig und brillant gespielt.

Wertung: 8 von 10

Inside Llewyn Davis ist seit 10. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

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