Love Simon
© 20th Century Fox

Love, Simon

„Love, Simon“, USA, 2018
Regie: Greg Berlanti; Drehbuch: Isaac Aptaker, Elizabeth Berger; Vorlage: Becky Albertalli; Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg Jr., Jennifer Garner, Josh Duhamel, Logan Miller

Love Simon
„Love, Simon“ läuft ab 28. Juni 2018 im Kino

Eigentlich ist das Leben von Simon Spier (Nick Robinson) ja ganz normal. Er geht zur Schule, verbringt viel Zeit mit seinen Freunden Leah (Katherine Langford), Abby (Alexandra Shipp) und Nick (Jorge Lendeborg Jr.). Auch das Verhältnis zu seiner Familie ist gut. Größere Klagen? Gibt es nicht. Dafür ein Geheimnis, das er schon sehr lange mit sich herumträgt und das er niemandem offenbaren mag: Er ist schwul. Und auch wenn er sich eigentlich sicher ist, dass niemand aus seinem Umfeld ein Problem damit hätte, er bringt es einfach nicht übers Herz, mit anderen darüber zu reden. Als eines Tages dummerweise Simons E-Mails an eine Internetbekanntschaft in die Hände seines Mitschülers Martin (Logan Miller) fallen, wird ihm vielleicht aber gar nichts anderes übrigbleiben. Denn der weiß schon, wie er Simon damit erpressen kann.

So ganz eindeutig ist es ja nicht, ob man sich darüber freuen, ärgern oder einfach nur wundern soll: Love, Simon ist der erste Film eines großen Hollywoodstudios, der von einer homosexuellen Teenagerromanze handelt. Beispiele für solche Filme gibt es natürlich nicht zu knapp. Mit Call Me by Your Name war dieses Jahr einer für diverse Oscars nominiert, ganz zu schweigen von Heerscharen an LGBT-Filmemachern, die das schwierige Coming-out thematisieren. Doch vergleichbar stark im Mainstream eingebettet wie hier zu sein, das ist dann doch ein Novum.

Die Gewöhnlichkeit der Unsicherheit
Love, Simon versucht auch gar nicht, sich zu sehr von anderen Filmen abzuheben. Denn das ist irgendwo gerade der Punkt der Adaption des Romans Simon vs. the Homo Sapiens Agenda von Becky Albertalli. Simon soll gar nicht anders sein. Er ist ein typischer Schüler aus einer typischen Vorortfamilie. Die einen oder anderen Ticks gibt es schon in seiner Familie und in seinem Freundeskreis. Aber nichts, das gravierender wäre. Das wirklich störend wäre. So wie auch die Probleme der Beteiligten im Grunde recht banal sind.

Simon wird dadurch zu der perfekten Identifikationsfigur für das typische Zielpublikum einer Teenagerkomödie: Er ist nett, sieht gut aus, hat irgendwie alles und kommt doch nicht mit seinem Leben zurecht. So wie es einem eben manchmal ergeht, gerade in einem Alter, das mit unzähligen offenen Wegen, aber auch damit verbundenen Erwartungen verbunden ist. Darin darf sich jeder wiederfinden, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Immerhin, Simon selbst schwankt nicht, was seine Sexualität angeht. Dass er schwul ist, weiß er, sich selbst macht er da nichts vor. Anders als viele LGBT-Filme, bei denen diese Unsicherheit Teil des Problems ist, geht es für Simon „nur“ darum, seine Gefühle offen mitzuteilen.

Rührend, ohne weh zu tun
Das ist mit weniger Drama verbunden, als man vielleicht erwarten könnte. Selbst in den obligatorischen dunkleren Momenten, bleibt es hier vergleichsweise sonnig – Love, Simon ist eher rührend als wirklich bewegend. Das liegt auch an dem hohen Anteil an Humor, der hier von Anfang an dabei ist. Ob es die Marotten der Leute sind, eine schöne Zwischensequenz zu der Unsinnigkeit eines Coming-outs oder auch Simons Fantasien, wer denn diese mysteriöse Internetbekanntschaft sein kann: Es gibt häufiger Grund zum Lachen, vor allem aber zum Lächeln.

Nick Robinson (Jurassic World, Die 5. Welle) ist dabei ein echter Glücksgriff, dessen Charme und Natürlichkeit den späteren Hang zum Kitsch fast völlig vergessen lassen. Gerade auch die kleinen Momente, wenn er nervös auf sein Handy starrt, sehnsüchtig darauf wartet, eine neue Nachricht von Mister X zu bekommen, könnten schöner und süßer kaum sein. Der Rest des Ensembles steht ihm dabei hilfreich zur Seite: Mit Freunden, mit der Familie, da sind so viele wunderbare Szenen dabei, dass die Zeit bei Love, Simon verfliegt. Dass vieles vorhersagbar ist, sich der Film nicht zu weit von den etablierten Pfaden weg traut, mag man schade finden. Aber es ist nahezu unmöglich, hier jemandem böse zu sein. Nicht einmal dem nervigen Martin. Dafür ist das Plädoyer, dass jeder eine große Liebe verdient hat, letztendlich selbst viel zu liebenswert.



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Wie soll ich nur den anderen sagen, dass ich schwul bin? „Love, Simon“ nimmt die Schwierigkeit eines Coming-outs und kombiniert dieses mit den üblichen Teenie-Liebeskomödien-Mechanismen. Das ist insgesamt ein bisschen glatt, vorhersehbar, zum Ende auch etwas kitschig. Der unglaubliche Charme, die tollen Darsteller und viele witzige Szenen machen aus der Geschichte um einen unsicheren Jugendlichen dennoch ein Highlight.
8
von 10