Die dunkle Seite des Mondes
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Die dunkle Seite des Mondes

(„Die dunkle Seite des Mondes“ directed by Stephan Rick, 2015)

Die dunkle Seite des Mondes DVD
„Die dunkle Seite des Mondes“ ist seit 24. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich

Urs Blank (Moritz Bleibtreu) ist einer dieser Menschen, die alles im Leben zu haben scheinen. Nicht, weil ihm alles zugeflogen wäre, vielmehr weil der Wirtschaftsanwalt weiß, es sich zu nehmen. Diese Kaltschnäuzigkeit verschaffte ihm viel Geld, Respekt bei mächtigen Menschen wie seinem Geschäftspartner Pius Ott (Jürgen Prochnow) und auch seine hübsche Frau Evelyn (Doris Schretzmayer). Doch all das spielt keine Rolle mehr, als er mit einer cleveren Vertragsklausel Dr. Fluri (Marco Lorenzini) in den Ruin treibt und dieser sich daraufhin vor Urs das Leben nimmt. Verstört von diesen Ereignissen verläuft er sich einige Tage später im Wald, lernt dabei die hübsche Lucille (Nora von Waldstätten) kennen und folgt ihr zu einem Trip mit halluzinogenen Pilzen. Ein Trip, der in ihm anschließend ungeahnte Aggressionen freisetzt.

Dunkle, einsame Wälder bilden seit jeher eine dankbare Kulisse für düstere Geschichten, denn wer kann schon sagen, was dort unbemerkt von Menschenaugen so umhergeht? Gerade das Horrorgenre machte sich diesen Umstand zunutze, Vertreter wie Tanz der Teufel oder Blair Witch Projekt hätten ohne dieses Setting nie funktionieren können. Und selbst wenn mal keine Dämonen umhergehen, sondern es einfach nur um mysteriöse Vorkommnisse geht, wie zuletzt etwa in Jordskott, ist eine unübersichtliche Ansammlung von Bäumen und Büschen kaum zu schlagen. Auch Die dunkle Seite des Mondes, die Verfilmung von Martin Suters gleichnamigen Roman, spielt mit diesem Thema, lässt einen schwarzer Wolf umherstreifen und vermeintlich harmlose Pilze das Tor zur psychischen Hölle öffnen.

Bei Stephan Rick, der hier Regie führte und das Drehbuch mitschrieb, wird der Wald im Vergleich zur Vorlage dennoch sehr zurechtgestutzt. Gerade die späteren Survivaltrips von Urs, der inzwischen jegliche Kontrolle verloren hat, fielen der Schere zum Opfer, stattdessen spielt Die dunkle Seite des Mondes größtenteils in der Welt der Menschen. Sehr viel freundlicher ist diese aber auch nicht. Schon der Einstieg, wenn bei den Vertragsverhandlungen mit harten Bandagen gekämpft wird, lässt einen etwas an der Zivilisation verzweifeln. Wenn später eine geplante Fusion in den Mittelpunkt rückt, der Film dann auch gesellschaftskritische Züge annimmt, dann wird das ebenso makel- wie herzlose Frankfurt endgültig zu einem Ort des Schreckens. Ein Ort, den wir so genau eigentlich gar nicht hatten sehen wollen.

Atmosphärisch ist die Romanadaption dann auch sehr stark, spielt gekonnt mit Thrillermotiven, um so Spannung zu erzeugen. Was wird wohl noch passieren? Wie weit wird der durch den Rausch außer Kontrolle geratene Urs gehen? Und was genau hat diesen Wechsel eigentlich hervorgerufen? Beantwortet werden diese Fragen jedoch nicht wirklich, so geschickt Die dunkle Seite des Mondes darin ist, zusammen mit seinen Zuschauern im Trüben zu fischen, ertragreich ist das nicht immer. Zu finden gibt es dabei schon einiges, diverse verstörende Szenen etwa, die so sehr aus dem Nichts kommen, dass sie auch nach dem Abspann nicht wieder ganz gehen wollen. Und einen glänzend aufgelegten Moritz Bleibtreu, der vom skrupellosen Anwalt zu einem moralisch ambivalenten Monster mutiert, aus dem man nicht ganz schlau wird.

Das gilt dann auch für die übrigen Figuren, die nie so ganz die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient hätten. Während Jürgen Prochnow als eiskalter Gegenspieler, der für seine Ziele über Leichen geht, zumindest einige erstklassige Auftritte hat, sind die beiden weiblichen Hauptfiguren kaum beachtet, werden zwischenzeitlich auch uncharmant fallengelassen. Als Psychogramm funktioniert Die dunkle Seite des Mondes deshalb auch nur bedingt, hält sich dafür zu sehr an der Oberfläche auf. Im Zusammenspiel mit den Drama- und Thrilleranteilen wird daraus aber ein weitestgehend fesselnder Genrehybrid, der es dem Zuschauer nicht immer einfach macht und uns aufzeigt, dass die schlimmsten Abgründe nicht draußen im Wald lauern, sondern in uns selbst.



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Die Romanverfilmung „Die dunkle Seite des Mondes“ kombiniert Drama- und Thrillerelemente, ist mysteriös und teils auch gesellschaftskritisch. Einfach macht es einem der Genrehybrid nicht, dafür verweigert er dem Publikum dann doch zu viele Antworten. Spannend ist er aber, dazu noch erstklassig gespielt.
7
von 10