Bastard!!
© 1992 Kazushi Hagiwara/Shueisha

(„Bastard!! Ankoku no hakaishin“ directed by Katsuhito Akiyama, 1992/1993)

Bastard!!15 Jahre war der mächtige und bösartige Magier Dark Schneider eingesperrt, von einem Hohepriester im Körper des Jungen Rushe versiegelt. Und eigentlich war er dort ganz gut aufgehoben, so dachte man, schließlich hatte er zuvor versucht, die Stadt mit einer Armee aus Monstern zu überrennen. Doch als der Stadt nun eben jenes Schicksal erneut droht, weiß man sich nicht anders zu helfen, als die Kräfte des Hexenmeisters gegen die neue Bedrohung zu nutzen. Der Jungfrau Yoko obliegt nun die ehrenvolle Aufgabe, mittels eines Kusses die versiegelte Seele zu befreien. Tatsächlich gelingt das Wagnis auch. Mit dem kleinen Nachteil, dass Schneider ganz eigene Vorstellungen davon hat, was er mit seiner wiedererlangten Freiheit anfangen soll.

Wer schon während der ersten großen Mangawelle in Deutschland in den 90ern und frühen 00ern dabei war, für den führte fast kein Weg an „Bastard!!“ vorbei. Wortwörtlich: In nur wenigen Jahren wurden mehr als 20 Bände von Kazushi Hagiwaras überaus erfolgreicher Reihe hierzulande veröffentlicht, die Verkaufsregale waren voll von Schneiders Abenteuern. Umso eigenartiger, dass die bereits 1992/93 produzierte Animeadaption nie ihren Weg hierher fand, Fans mal wieder auf den Gang zum Importhändler angewiesen waren. Bis heute ist die Miniserie nicht auf Deutsch erhältlich, was sich angesichts des inzwischen recht großen Popularitätsverlustes der Vorlage wohl auch nicht mehr ändern wird.

Der ganz große Verlust ist das aus Kundensicht jedoch nicht. Im Grunde ist Bastard!! ein recht typischer Rollenspielanime, der sich doch sehr an den aus Dungeons & Dragons und Konsorten bekannten Elementen orientiert: mehrköpfige Drachen, böse Zauberer, Dunkelelfen, mächtige Dämonen. Das ist vom Prinzip her nicht sonderlich originell, hat aber doch ein paar Eigenheiten, welche ihn von der ähnlich gelagerten Konkurrenz unterscheiden. Neben häufiger Heavy-Metal-Anspielungen – etwa Whitesnake und Metallica – sind es vor allem zwei Punkte, die Bastard!! ein Gesicht geben.

Da wäre zum einen der Humor, der gerade auch zwischen den Protagonisten stattfindet, und manchmal fast schon in die parodistische Richtung geht. Und Sex. Nicht nur, dass Schneider eine offensichtliche Vorliebe dafür pflegt, ohne einengende Kleidung durch die Gegend zu laufen, auch die Damen dürfen sich von ihrer besten, mitunter unbekleideten Seite zeigen. Ganz so aufdringlich wie in heutigen Ecchi-Serien à la Queen’s Blade oder Demon King Daimao ist das nicht, Jungfrauen mit riesigen Brüsten, knappe Röcke, unter denen pinkfarbene Höschen hervorblitzen, und magische Schleimsorten, welche die knappen Leibchen der Damen zersetzen, das gab es aber auch schon vor mehr als zwanzig Jahren.

Das mag man dann witzig finden, wer jedoch einen reinen Fantasyanime will, sollte lieber auf das demnächst wiederveröffentlichte Record of Lodoss War warten. Ein Problem von Bastard!! liegt an der Kürze: Gerade einmal sechs Folgen umfasst die Miniserie, kann also naturgemäß nur einen Bruchteil der Geschichte umsetzen. Das betrifft gerade das Ende, welches nicht einmal versucht, das Ganze abzuschließen und einen so etwas unbefriedigt zurücklässt. Und auch zwischendurch bekommt man größtenteils nur kleine Momentaufnahmen spendiert: Der Anime ist sehr episodenhaft, ohne größere Rahmenhandlung, es will sich nicht so wirklich das Gefühl einstellen, Teil eines epischen Abenteuers zu sein. Dafür sind die Kämpfe recht lang, teilweise auch überraschend blutig – da darf zwischendurch auch mal ein Arm abgeschlagen werden. Technisch sind diese Auseinandersetzung jedoch weniger bemerkenswert, mehr als Durchschnittskost hat das Animationsstudio AIC (El Hazard, Vampire Princess Miyu) hier nicht angeliefert. Nostalgiker dürfen sich dank der typischen 80er Jahre Designs das Herz erwärmen lassen. Wer sich nicht gerade zu denen oder auch zu den großen Rollenspielfans zählt, hat hier jedoch nicht wirklich was verpasst.



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„Bastard!!“ kombiniert typische Rollenspielelemente mit Humor und viel Freizügigkeit. Das ist manchmal witzig, insgesamt aber eher eine Angelegenheit für große Fantasyfans oder auch Nostalgiker, die sich nicht so sehr an der fehlenden Rahmenhandlung stören.
5
von 10