Ip Man 3
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(„Yip Man 3“ directed by Wilson Yip, 2015)

Ip Man 3 DVD
„Ip Man 3“ it seit 23. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich

Von den großen Aufregungen vergangener Tage ist im Leben von Ip Man (Donnie Yen) kaum mehr etwas zu spüren, zusammen mit seiner Frau Wing-sing (Lynn Hung) und dem jüngeren Sohn führt er 1959 ein beschauliches Leben in Hong Kong. Doch damit ist es vorbei, als Gangsterboss Ma King-sang (Patrick Tam) mit aller Gewalt den Rektor einer Schule zu deren Verkauf überreden will. Zwar kann ein erster Angriff verhindert werden, auch dank des beherzten Einsatzes des Rikscha-Fahrers Cheung Tin-chi (Jin Zhang). Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Verbrecherbande ihren Willen bekommt – auch deshalb weil Polizeichef Fat Po (Kent Cheng) aufgrund korrupter Kolonialmächte die Hände gebunden sind.

Niemals wieder wollte Donnie Yen die Rolle des legendären Kung-Fu-Großmeisters Ip Man übernehmen, hatte er geschworen. Jene Rolle also, mit dem er sich auch über seine übliche Martial-Arts-Zielgruppe hinaus einen Namen machte. Aber wie das nun mal so ist, „niemals“ ist ein sehr dehnbarer Begriff, gerade wenn es wie hier um eine Menge Geld geht. Glücklicherweise hatten sich die Macher der Reihe nicht großartig mit den tatsächlichen historischen Ereignissen im Leben Ips auseinandersetzen müssen, entsprechend viel Freiheit hatten sie dann auch bei dem doch noch nach einigen Jahren gedrehten dritten Teil. Und die haben sie für einen überraschend persönlichen Zugang zur Materie genutzt.

War Ip Man in den beiden Vorgängern eine sehr idealisierte Heldenfigur, die sowohl im Ring wie auch außerhalb jedem anderen Menschen auf dieser Erde überlegen zu sein schien, darf er jetzt hier doch mal an seine Grenzen stoßen. Die sind natürlich nur bedingt im Kämpferischen zu suchen – der Heldenstatus muss schließlich beibehalten werden –, sondern vielmehr im Privaten. Genauer ist es seine Frau, die im ersten Teil noch eine wichtige Rolle spielte und im zweiten recht uncharmant fallengelassen wurde, welche durch eine schwere Erkrankung alles infrage stellt, wofür Ip Man gelebt (und gekämpft) hat.

Wer die ersten zwei Teile gerade der Kämpfe wegen geschaut hat, könnte sich durchaus an diesem geänderten Tonfall stören. Ein bisschen gemischt sind die Gefühle hierbei dann auch schon. Auf der einen Seite profitiert der Film nicht unbedingt davon, dass Donnie Yen nun tatsächlich Schauspieltalent vorzeigen soll. Denn das war noch nie die Stärke seiner Filme gewesen. Dafür wurden aber sowohl der prominente Nationalismus wie auch der Pathos zurückgeschraubt, die beide erste Auftritte zu einer streckenweise ziemlich ärgerlichen Angelegenheit gemacht haben. Ip Man 3 ist im Guten wie im Schlechten ein recht normaler Film.

Ohnehin ist es vielleicht besser, dass der Actionteil etwas reduziert wurde, denn fünf Jahre nach Ip Man 2 wird das Alter Yens doch zunehmend deutlicher. War gerade der erste Teil aufgrund seiner geerdeten, realistischen Kämpfe sehenswert, wird inzwischen schon stark in die Trickkiste gegriffen, um noch den Eindruck körperlicher Überlegenheit zu erzeugen. Einige schöne Auftritte gibt es, gerade beim Zweikampf mit Mike Tyson, der hier eine kleine Nebenrolle spielt: Wenn fernöstliche Grazilität auf westliche Brachialgewalt trifft, dann war das schon beim letzten Mal auch ein Wettstreit der Weltansichten. Die dynamischeren Kämpfe gehen jedoch aufs Konto von Yens zehn Jahre jüngerem Kollegen Jin Zhang. Dass der hier als Figur so schlecht ausgearbeitet ist, zwei Gesichter hat, um deren Konformität sich niemand schert, ist natürlich ärgerlich, gleichzeitig aber auch wieder in der Tradition der bisherigen Filme, die sich in der Hinsicht auch schon nicht mit Ruhm bekleckert haben. Trotz der Gewichtsverlagerung bleibt so ein Martial-Arts-Streifen, der sich qualitativ nicht wirklich groß von den Vorgängern unterscheidet und für Fans derselben zumindest einen Blick wert ist. Gerade auch, falls Yen dieses Mal bei seinem „niemals“ bleibt und Ip Man 3 wirklich der letzte Teil gewesen sein sollte.



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Weniger Kämpfe, dafür mehr Persönlichkeit: „Ip Man 3“ legt etwas andere Schwerpunkte als die Vorgänger. Auf die gewohnt dynamischen Auseinandersetzungen muss man diesmal eher verzichten, dafür ist der sanftmütigere Abschluss weitestgehend frei von den aufdringlichen nationalistischen Tönen der Reihe.
5
von 10