(„The Jungle Book“ directed by Wolfgang Reitherman, 1967)

DschungelbuchGlück im Unglück: Als das Findelkind Mogli im indischen Dschungel ausgesetzt wird, scheint dessen Schicksal schon besiegelt. Doch der schwarze Panther Baghira hat Mitleid mit dem Menschen und bringt den Jungen daher zu den Wölfen, die ihn wie einen der ihren aufziehen. Und vielleicht wäre er dort auch geblieben, gäbe es da nicht den Tiger Shir Khan, der alle Menschen aus tiefstem Herzen verabscheut. Um Mogli vor diesem zu beschützen, beschließen Baghira und die Wölfe daher, das Menschenkind doch noch in das nahegelegene Menschendorf zu bringen und begegnen auf dem Weg dorthin den unterschiedlichsten Tieren.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg.
Und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir egal von welchem Fleck.“

Es gibt Filmlieder, die kennt man einfach, kann sie immer mitsummen, teilweise auch den Text aufsagen, selbst wenn man sie Jahre, vielleicht Jahrzehnte nicht mehr gehört hat. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, im englischen Original „The Bare Necessities“, gehört sicher dazu, war 1967 sogar für einen Oscar als bester Filmsong nominiert. Und das ist schon ein wenig ironisch, gehört das Lied doch zu den Überbleibseln einer früheren Fassung von Das Dschungelbuch, die noch vor der Produktion eingestampft wurde. Walt Disney selbst hatte sich an deren düsteren Stimmung gestört und ersetzte deshalb nicht nur den Drehbuchautor, sondern den Komponisten gleich mit dazu. Die 1894 erschienene literarische Vorlage von Rudyard Kipling sollten die neuen Autoren dann auch gleich ganz vergessen und lieber etwas eigenes daraus machen.

Mit dem tatsächlichen „Dschungelbuch“ hat die Disney-Variante dann auch nur am Rande etwas zu tun, die Auseinandersetzungen von Mensch und Natur wurden beiseite gekehrt, dass Mogli eigentlich mehrfach zwischen Dorf und Dschungel hin und her reist, fiel ebenso unter den Tisch. Aber für die Geschichte sollte man sich den Animationsfilm ohnehin nicht anschauen, denn die ist dünn bis nicht vorhanden. Der Weg ist hier das Ziel, die Reise in die Zivilisation ein bloßer Aufhänger, um unterwegs den unterschiedlichsten und kuriosesten Tieren zu begegnen.

Die haben es dafür in sich: Ob der finstere Shir Khan oder der verspielt-chaotische King Louie, die listige Schlange Kaa oder natürlich der gemütlich-tollpatschige Bär Balu, bis zu den kleinsten Nebenfiguren haben die Tiere so viel Persönlichkeit, wie sie kaum ein Mensch in realen Filmen erhält, in dem an erinnerungswürdigen Charakteren nicht unbedingt armen Disney-Oeuvre hat Das Dschungelbuch einen der vordersten Plätze in sich. Diese dann auch noch aufeinander loszulassen, ist dann fast schon zu viel des Guten: Hier jagt ein Gag den nächsten, im Sekundentakt stolpert Mogli in neue chaotische und witzige Situationen.

Das ist auch der eingängigen Lieder und der feinen Optik wegen ein Fest: Bei den Hintergründen hält sich aufgrund des Settings die Abwechslung zwar in Grenzen, dafür sind sie schön gestaltet und mit vielen Details versehen. Und die Animationen der Tierbande spielt ohnehin in einer ganz eigenen Liga, die Disney-Studios durften hier ihre besondere Klasse eindrucksvoll zur Schau stellen. Es ist fast schade, dass die fantastischen Figuren und die wundervolle audiovisuelle Umsetzung an einen derart nichtssagenden Inhalt verschwendet wurden. Aber wirklich drüber aufregen mag man sich dann doch nicht, dafür ist der Spaßfaktor einfach zu hoch und die 75 Minuten des Film zu schnell vorbei. Interessant wäre es schon gewesen zu sehen, was ohne die Einmischung von Walt Disney aus Das Dschungelbuch geworden wäre. Aber auch so hat sich der Ende 1966 gestorbene Pionier mit seinem letzten „eigenen“ Werk ein Denkmal gesetzt, der 19. abendfüllende Animationsfilm von Disney gehört zweifelsfrei zu den Klassikern im Zeichentrickbereich.

Das Dschungelbuch
Mit der düsteren, dramatischen Vorlage hat das kunterbunte „Dschungelbuch“ nur noch wenig gemeinsam, eine tatsächliche Geschichte ist bei der Adaption nicht geblieben. Dafür aber sind die Figuren fantastisch, die Lieder eingängig, Bilder und Animationen erstklassig und der Spaß insgesamt groß.
8von 10

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