(„Cloverfield“ directed by Matt Reeves, 2008)

CloverfieldEs beginnt mit dem Titel: Cloverfield. Während des kalten Krieges nutzte das US-Militär diesen Codenamen für New York City. Mehr als Name und VÖ-Datum wurden bis zum Kinostart kaum verraten. Doch die virale Marketingkampagne rund um den Film löste einen Hype innerhalb der Netzgemeinde aus. Unter anderem tauchten fiktive MySpace-Profile der Figuren im Film auf, die sich die ganze Zeit gegenseitig schrieben und urplötzlich damit aufhörten – am VÖ-Tag, natürlich. Außerdem gab es fiktive News von zerstörten Ölbohrinseln vor New York, fiktive Websites von japanischen Unternehmen, die es gar nicht gab und eine vierteilige Manga-Serie.

Wer also den Film schaut, sollte sich auch mal durch seine Netzgeschichte blättern, dort wurde inhaltlich mehr oder weniger vorgearbeitet und noch etwas mehr verraten. Cloverfield dauert nur 85 Minuten, ist komplett aus der Kameraperspektive einer bestimmten Gruppe von Zivilisten gefilmt und pures Adrenalinkino. Der Zuschauer beobachtet, wie der Filmer und seine Freunde durch New York flüchten, während ein riesiges Monster durch die Stadt wütet und das Militär Gegenangriffe startet.

Nach einem anfänglich doch eher langsamen Intro geht es nach 20 Minuten rund. Ständig passiert etwas, unaufhörlich müssen sich die Blicke auch auf Geschehnisse im Hintergrund konzentrieren. Mal erkennt man als Betrachter nur Silhouetten und Schatten, mal befindet er sich mittendrin im Chaos. Staub, Feuer, Schreie – und jede Menge Laufsport. Das Monster selbst gerät dabei interessanterweise nur dann in den Mittelpunkt, wenn die Flüchtenden seinen Weg kreuzen. Das mag manchen Filmfan nerven, doch es ist authentisch, weil es eben Aufnahmen von Flüchtenden sind.

Die Darsteller waren zum damaligen Zeitpunkt weitestgehend unbekannt, was ebenfalls ein Stilmittel von Found Footage Filmen ist. Lizzy Caplan kennt man beispielsweise aus The Interview oder zig Serienauftritten, Mike Vogel aus Poseidon oder Under The Dome und Jessica Lucas taucht in Melrose Place und Evil Dead auf. Sie alle machen ihre Aufgaben auf limitierter Basis sehr ordentlich. Sie schaffen es eine gute Balance zwischen Hollywood-Overacting und laienhaftem Zivilistendasein zu verkörpern.

Da wäre dann noch der Fakt, dass der Film so ziemlich jede Frage offen lässt, die man sich für gewöhnlich stellt. Wo kommt das Biest her? Wie kann man es besiegen? Was will es? Aber ganz ehrlich: Würden normale Zivilisten, die mehr oder weniger in diese Katastrophe hinein stolpern, diese Fragen von selbst beantworten können? Am Tag des Geschehens? Einen Tag später? Wohl kaum. Sei es aus Schock, wegen fehlender Infos der Regierung oder einfach aus Ignoranz oder Dummheit.

Was diese Dinge angeht bleibt der Film auf seine Art „realistisch“ und zieht seine Linie durch. Viele Cineasten werden sich am offenen Ende und dem Kameragewackel stören. Doch es ist gut und richtig so wie es ist. Cloverfield ist kein intellektuelles Drama und kein moralpredigender Antikriegsfilm, aber an Mystery und Science-Fiction mitunter das Beste, was die 00er Jahre auf Lager hatten. Und ganz nebenbei sind die Effekte einfach nur atemberaubend, ganz ohne 3D-Schnick-Schnack.

Cloverfield
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Cloverfield
Cloverfield ist im Bereich Found Footage die Messlatte für Blockbuster. Dramaturgisch und atmosphärisch ist der Film von Matt Reeves trotz Laiendarsteller überzeugender als manch anderer Monsterfilm mit mehr Budget. Wer Shaky - Cam und Open End nicht mag, der wird seine Probleme haben - für mich ist das Biest als Naturkatastrophe gelungenes Genre Crossover.
8von 10

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