A World Beyond
© Walt Disney

A World Beyond

(„Tomorrowland“ directed by Brad Bird, 2015)

A World Beyond
„Tomorrowland“ läuft ab 21. Mai im Kino

Wenn es um das Austüfteln und Verstehen von technischen Anlagen geht, da kann es keiner mit Casey Newton (Britt Robertson) aufnehmen. Doch als der Teenagerin eines Tages eine Anstecknadel in die Hände fällt, ringt auch sie um Erklärungen: Sobald sie das kleine Objekt berührt, findet sie sich in einer futuristischen Welt wieder, die nur sie sehen kann. Auf ihrer Suche nach Antworten lernt sie das Robotermädchen Athena (Raffey Cassidy) und den Erfinder Frank Walker (George Clooney) kennen, die beide nur zu gut wissen, worum es sich bei Caseys Vision handelt: Tomorrowland. Einst eine Stadt der Wissenschaft und der Künste, wurde sie unter dem despotischen Anführer David Nix (Hugh Lauri) zu einem Ort des Schreckens – und nur Casey kann sie noch retten.

Eines muss man Disney lassen: Sie sind nie um einen Einfall verlegen, wenn es darum geht, aus einer Sache Kapital zu schlagen. Nicht nur, dass sie ihre jährlichen Animationsfilme mit zahlreichen Spin-offs und Fortsetzungen ausschlachten, es in Kino und Fernsehen kein Entrinnen mehr vor Marvel gibt und auch Star Wars schon in zahlreichen Varianten in den Startlöchern steht, noch bevor mit The Force Awakens überhaupt der erste Teil fertig wurde. Nein, nun machen sie auch noch einen Film über Tomorrowland, eine der Attraktionen der Disney Vergnügungsparks. Braucht es das? Ist diese Form der Selbstreferenzierung nicht vielleicht doch ein bisschen viel? Mag sein, unterhaltsam ist A World Beyond aber, und streckenweise auch recht weit von den Bildern entfernt, die wir im Allgemeinen mit Disneyland und Co. verbinden.

Tatsächlich ist der Film an manchen Stellen überraschend düster geworden. Natürlich, einen vergleichbar surrealen Alptraum wie in dem Guerillahorror Escape From Tomorrow braucht hier keiner zu erwarten. Aber von der notorischen Glückseligkeit der konkreten Vorlage wird man hier verschont. Stattdessen handelt A World Beyond gar nicht so sehr von Traumwelten und einer glänzenden Zukunft, sondern ist im Grunde eine Dystopie, die ihre Inspiration in heutigen Verfehlungen und der menschlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Raubbau an der Erde findet und diese zu einer doch angenehm originellen Geschichte verarbeitet.

Das soll nicht heißen, dass A World Beyond wirklich bitter ist – das wollte man dem jugendlichen Zielpublikum dann doch nicht zumuten. Dass es hier später etwas rührseliger wird, dürfte niemanden überraschen, vorher setzt Regisseur und Ko-Autor Brad Bird – sonst vor allem durch Animationsfilme wie Die Unglaublichen und Ratatouille bekannt – sehr viel auf Humor. Wunderbar sind beispielsweise die fast schon satirisch gut gelaunten Roboter, welche alsbald Jagd auf Casey machen. Und auch der Kontrast zwischen der optimistischen Jungerfinderin und dem desillusionierten Frank zielt eindeutig und meist erfolgreich aufs Zwerchfell. Abgerundet wird der humoristische Ansatz durch einige Anspielungen und eine Reihe eigenwilliger, manchmal auch total bescheuerter Erfindungen, welche den an und für sich nachdenklichen Science-Fiction-Ansatz dann doch wieder ein Stück preisgeben.

Das ist es dann auch, was man A World Beyond vorwerfen könnte: Der Film kann sich in etwas mehr als zwei Stunden Laufzeit nicht so recht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Dystopie? Komödie? Umweltdrama? Hier wird alles so irgendwie miteinander verknüpft, vieles davon jedoch kaum ausgearbeitet. Unverständlich ist beispielsweise, weshalb die Figur der Casey als große Heilsbringerin etabliert wird, am Ende jedoch kaum etwas zu der Handlung beizutragen hat. Und auch das grandios aussehende Tomorrowland verschwindet schnell in der Vergessenheit: Dafür, dass der Ort eigentlich Titelgeber des Films ist, bekommen wir kaum etwas davon zu sehen. Enttäuschend ist das sicher, da versprach man sich nicht nur des Trailers wegen etwas mehr.

Doch auch wenn hier nicht alles zu Ende gedacht wurde, A World Beyond manchmal etwas unfertig  und zusammengeschustert wirkt, darf man hier doch seinen Spaß haben. Gerade weil sich in der letzten Zeit das Science-Fiction-Genre ein wenig sehr an der eigenen Ernsthaftigkeit ergötzt, tut es irgendwie gut, mal wieder einen Vertreter zu sehen, der den Balanceakt zwischen einfacher Unterhaltung und interessanten Ideen sucht und dabei auch noch eine recht gute Figur abgibt.



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Die Disney-Attraktion Tomorrowland als Film? Das funktioniert wider Erwarten gut und ist bei allem Humor teilweise auch überraschend düster. Allerdings wirkt manches hier etwas unfertig und zusammengeschustert, „A World Beyond“ schwankt zwischen Komödie und Dystopie hin und her. Dafür sieht die Welt von morgen brillant aus und hätte einen deutlich größeren Fokus als hier verdient.
7
von 10