Gardenia

Gardenia – Eine Frau will vergessen

(„The Blue Gardenia“, directed by Fritz Lang, 1954)

„How about you slip into something more comfortable, like a few drinks and some chinese food.“

Fritz Lang hatte sich Mitte der fünfziger Jahre in Hollywood bereits eingearbeitet, als er 1954 den Auftrag erhielt, The Blue Gardenia zu verfilmen – mit möglichst bescheidenem Budget und innerhalb kürzester Zeit. Der Stoff sollte auf einer Vorlage von Vera Caspary beruhen, die Film Noir-Liebhabern aufgrund ihres Romans „Laura“ nicht unbekannt sein dürfte, schließlich wurde letztgenannter Stoff bereits zehn Jahre zuvor, 1944 von Otto Preminger in einen Filmklassiker erster Güte umgewandelt. Einer der Darsteller sollte Raymond Burr sein, den man für die Rolle des Mordopfers verpflichten konnte. Burr, der gewaltige Kleiderschrank von einem Mann, sollte drei Jahre später zu einem der beliebtesten Fernsehstars werden in der Rolle Perry Masons, eine äußerst erfolgreiche Krimiserie, die bis 1966 über die Bildschirme flimmerte. Bis dahin hatte Burr zumeist unsympathische Charaktere verkörpert, so ist der bekannteste Film, in dem er mitspielte auch ein berühmter Thriller mit dem Titel Das Fenster zum Hof von Alfred Hitchcock. Fritz Lang drehte, wie es die Produktionsfirma verlangte, nun diesen kleinen Thriller mit Film Noir-Anleihen, in kurzer Zeit ab und schuf damit einen seiner weniger bekannten Filme.

Anne Baxter spielt Norah Larkin, eine Frau in den 30ern, die mit zwei Freundinnen ein Appartment bewohnt. Norah lebt in einer Traumwelt, hegt bereits lange die Sehnsucht, bald ihren Freund zu heiraten, der derzeit in Korea weilt. Ihre Träume werden jäh zerstört, als sie einen Brief von ihrem Freund erhält, indem er ihr schreibt, dass er in Korea eine Frau kennen gelernt habe, die er zu heiraten beabsichtige. Norah ist am Böden zerstört, will sich daraufhin mit einem feuchten Abend die schlechte Stimmung vertreiben lassen. Mit dem berüchtigten Frauenheld Harry Prebble (Raymond Burr) trifft sie sich daraufhin in einem chinesischen Restaurant, der „blauen Gardenie“. Prebble, der beruflich als Maler tätig ist, nimmt sie schließlich mit zu sich nach Hause, da er eindeutige Absichten verfolgt und es ist kein Geheimnis, dass er des Öfteren Damenbekanntschaften spät abends mit zu sich in die Wohnung nimmt. Norah ist jedoch zu betrunken und zu müde, um sich wehren zu können.

Als Prebble jedoch zudringlich wird, verliert Norah die Kontrolle. Wenig später wacht sie neben seiner Leiche auf, der festen Überzeugung, sie habe den Maler mit einem Schürhaken erschlagen. Anstatt sich der Polizei zu stellen, flüchtet sie. Aufgrund ihrer ständigen Angst, verhaftet zu werden, sieht sie sich mit Verfolgungswahn konfrontiert. Glück im Unglück ist da der Reporter Casey Mayo (Richard Conte), der sich entschließt, den Mörder auf eigene Faust zu erwischen, um seinen Namen in großen Lettern auf die Titelseite zu bekommen. Sein Trick ist simpel: Er veröffentlicht in der nächsten Ausgabe einen Brief an die unbekannte Täterin, indem er ihr verspricht, wenn sie sich stelle, werde die Zeitung für sie den besten Anwalt bezahlen, sodass sie vor Gericht kaum etwas zu befürchten habe. Für Norah beginnt eine qualvoller Entscheidungsprozess.

Der Inhalt klingt in etwa so spannend, wie es der Film letztlich ist, denn während der gesamten Spielzeit baut sich kaum Spannung auf und der einzige Hinweis, dass dieses Werk tatsächlich von Fritz Lang in Szene gesetzt wurde, findet sich relativ früh in verzerrten Traumsequenzen der Hauptakteurin. Davon abgesehen, wird dem Zuschauer hier ein sehr unspektakulärer Fall geboten, wo das größte Ärgernis nicht in der langweiligen Hauptdarstellerin liegt, sondern in dem sehr albernen und komplett unglaubwürdigen Trick des Reporters, der nicht nur die Frechheit besitzt, die Polizei in aller Öffentlichkeit mit einem oben angeführten Brief an der Nase herumzuführen, sondern der das unverschämte Glück hat, dass die angesprochene Figur noch dumm genug ist, darauf hereinzufallen. Der Leser kann beruhigt sein, das Finale des Films ist hiermit noch nicht verraten.

Doch das Ende ist ebenfalls nicht sonderlich interessant, da sehr trivial und vorhersehbar. Auch die Reaktionen Norahs sind die selben, wie man sie bereits aus dutzend ähnlichen Streifen kennt, klischeehaft und typisch, ohne dem Aspekt etwas Neues hinzugewinnen zu können. Positiv anzumerken ist der subtile Humor, den Drehbuchautor Charles Hoffman eingearbeitet hat sowie der schmierige Charakter Harry Prebbles – gleichzeitig abstoßend und faszinierend. Des Weiteren hält sich Lang hier nicht nur mit einer sehr detailierten Einleitung auf, sondern zudem mit zahlreichen geschwätzigen Dialogen, die kaum etwas zum Thema beizutragen haben, von denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, sie seien nur eingefügt worden, um die Laufzeit des Films zu erhöhen. So wie auch der Auftritt Nat King Coles, der einen kompletten Song zum Besten gibt. Letzteres ist zusätzlich eine wenig geschickt gemachte Schleichwerbung, wenn gegen Ende des Streifens in einem Plattengeschäft, lediglich LPs vom Capitol-Label zu sehen sind sowie ausschließlich Pakete mit breiten Capitol-Bannern – dem Label, bei dem Nat King Cole zu dieser Zeit unter Vertrag stand. Es ist anzunehmen, dass Capitol sich als Gegenleistung bei der Finanzierung des Films erkenntlich gezeigt hat.

Als überzeugender Thriller ist Gardenia zu träge, die Hauptfigur zu uninteressant und der Trick mit der Zeitungsannonce zu konstruiert, um überzeugen zu können. Leider hat Lang die Angstneurosen der Verdächtigen nicht genügend filmisch ausgeleuchtet. Handwerklich ist dies zweifelsohne ein routiniert gefilmtes Werk, das einigen seiner Kollegen aus der B-Film Ecke aus jener Zeit noch vorraus sein mag. Als Film von 45 Minuten hätte er sicherlich mehr überzeugen und besser unterhalten können, doch gestreckt auf 90 Minuten wirkt vieles zu redundant. Es bleibt zu konstatieren: kein magnum opus aus der Schmiede Fritz Langs.



(Anzeige)

5
von 10