Kino

Kick-Ass

geschrieben von am 1 Mai, 2010 Action, Comicadaption 10 Kommentare

(„Kick-Ass“ directed by Matthew Vaughn, 2010)

Mark Millar gilt als einer der erfolgreichsten Comicautoren unserer Zeit. Bei „Kick-Ass“, das er gemeinsam mit Starzeichner John Romita Jr. unter Marvels Imprint und Möchtegern Independenthaus Icon Comics realisierte, sprach man schon sehr früh von einer Leinwandadaption die dann sogar vor Abschluss des Comics bereits in Produktion ging. Geschickt wurde auf einschlägigen Comicmessen und natürlich im Internet eine große Werbekampagne angelegt die den immer noch andauernden Hype auslöste. Vor etwa einem Monat habe auch ich begonnen Millars Miniserie zu lesen und war ein wenig enttäuscht. Die glorreichen Zeiten in denen der Schotte mit seinem politisch angehauchten „Ultimates“-Storyarc oder dem über Jahre sorgfältig geplanten Crossover „Civil War“ überzeugte scheinen vorbei zu sein, nachdem dann auch noch die Verfilmung seines „Wanted“ nach wiederholter Sichtung höchst lächerlich wirkte trat ich sehr skeptisch an den aktuellen Kinostreifen heran.
Dave Lizewski (Aaron Johnson) hat den Ruf eines Nerds und Losers. Wenn er nach der Schule nicht gerade mit seinen Freunden über Comics philosophiert wird er vermutlich von irgendwelchen Kleinkriminellen um Handy und Taschengeld erleichtert. Die einzige Superkraft die der pubertierende Comicfreak besitzt, so er selbst, ist für Mädchen so gut wie unsichtbar zu sein. Er wurde nicht von einer radioaktiven Spinne gebissen, hatte keine traumatische Kindheit und kommt auch nicht von einem weit entfernten Planeten. Dennoch verspürt Dave das dringende Bedürfnis seinen nächsten zu helfen und die Gesellschaft vor Schurken zu schützen, was in seinem Fall unweigerlich zu der Frage führt: warum liest und mag eigentlich (fast) jeder Superheldengeschichten streift sich aber nachts kein Kostüm über um das Verbrechen selbst zu bekämpfen?
Mit dieser Prämisse und da ihm sein grauenhaftes Leben sowieso als zu langweilig und durchschnittlich erscheint, beschließt er kurzerhand New Yorks erster echter Superheld zu werden, zumindest glaubt er dies. Das passende Outfit, ein grüngelber Tauchanzug, ist schnell per Internet bestellt und die ersten Trainingseinheiten auf den Dächern des Big Apple absolviert er auch relativ gut, die erste offizielle Verbrechensbekämpfung endet allerdings in ein Desaster: Dave wird brutal zusammengeschlagen, erstochen, überfahren und zu guter letzt nackt von einem Notarzt ins Krankenhaus gebracht. Nachdem er wieder zusammengeflickt und auf den Beinen ist denkt er allerdings erst gar nicht daran das Kostüm an den Nagel zu hängen und gerät sogleich in die nächste Schlägerei bei der er diesmal, den vielen Metallimplantaten sei dank, aber die Oberhand behält. Während er das Opfer von drei Straßengangstern beschützt filmt ein Passant das Geschehen mit seinem Handy und stellt den Clip anschließend sofort ins Internet was ein gewaltiges öffentliches Interesse auf den neuen Helden mit Codenamen Kick-Ass lenken wird. Auch Damon Macready (Nicolas Cage) und seine elfjährige Tochter Mindy (Chloë Moretz) werfen interessiert ein Auge auf den neuen Star, werden sie nachdem die Sonne untergeht doch selbst zu einem Batman & Robin-Verschnitt bekannt als Big Daddy und Hit-Girl.
Doch die Beliebtheit von Kick-Ass kennt natürlich auch seine Grenzen, so verbinden Mafiaboss Frank D’Amico (Mark Strong) und dessen Sohn Chris (Christopher Mintz-Plasse) die immer wieder stattfindenden Angriffe auf ihr Drogengeschäft sofort mit dem neuen Superhero…
Millars Charaktere, die ein alteingesessenes Genre parodieren sollen, wirken zwar erfrischend die Story selbst weist allerdings so ihre Schwächen auf. So ergeht es „Kick-Ass“ sehr ähnlich wie „Wanted“ und endet als Aneinanderreihung von Mal mehr Mal weniger coolen Szenen bei denen man allerdings am Schluss nicht genau weiß was man davon halten soll. Gesellschaftliche Probleme denen niemand entgegensteht oder etwa die Web 2.0-Generation dessen Leben sich nur noch im Netz abspielt werden zwar offensichtlich angesprochen aber nicht zur Genüge verfolgt.
Größter Pluspunkt ist mit Sicherheit die ausgefallene Figur die Chloë Moretz spielen darf und die schon im Vorfeld für viel Diskussionsstoff sorgte. Das Mädchen metzelt und flucht sich durch die nicht ganz zwei Stunden Laufzeit und verdrängt im Film komplett die höchst langweiligen Auftritte von Kick-Ass. Von Nic Cage hatte ich mir nach „Bad Lieutenant“ ehrlich gesagt wieder mehr erwartet, sein Big Daddy geht aber im Großen und Ganzen in Ordnung. In der deutschen Synchronisation verliert seine Darstellung aber meiner Meinung nach einiges an Humor. Szenen wie etwa die in der er seiner Tochter zum Geburtstag anstatt dem Barbiecamper zwei Butterflymesser schenkt, funktionieren aber auch in der Übersetzung hervorragend.
Kick-Ass“ ist beileibe kein schlechter Film, die kursierenden Lobgesänge sind aber maßlos übertrieben, schließlich fehlt es an allen Ecken und Enden an greifbaren Inhalt. Reduziert man Matthew Vaughns Adaption nämlich auf seinen Kern bleibt mehr oder minder nur ein Teeniefilm mit hohem Brutalitätspegel übrig.
Wie so oft gilt auch hier: was im Comic gut klappt muss nicht notwendigerweise als Film funktionieren. Wenn Millar seine Geschichte in acht Ausgaben à 22 Seiten erzählen konnte muss Vaughn irgendwie eine Spielfilmlaufzeit zusammenbringen. Was eine Bildergeschichte oft in wenigen Panels abwickelt muss der Regisseur meistens zur Gänze zeigen, ansonsten wirkt das Geschehen unnatürlich und abgehackt. So werden Actionszenen gerne in die Länge gezogen und mit „cool wirkenden“ Elemente verstehen.
Ob Mark Millar aus dem Comic mehr rausholen konnte kann ich nur mit Vorbehalt beurteilen, da mir noch die abschließenden Kapitel fehlen. Die ersten vier Ausgaben hat Vaughn jedenfalls recht vorlagengetreu wenn auch ausgeschmückt ins Kino gebracht. Wie schon gesagt, sein größtes Problem dürfte wohl die Überbrückung der Laufzeit gewesen sein, was sein „Kick-Ass“ letztendlich leider nur zu kurzzeitlicher Unterhaltung verkommen lässt.


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10 Kommentare zu “Kick-Ass”

  1. Meiner Meinung nach sind die “cool wirkenden Elemente” aber auch tatsächlich cool. Schade ist es allerdings, dass die anfangs noch recht ausführlich vorgestellte Problematik, dass Menschen eher wegschauen als helfen, nach dem Auftreten von Hit Girl und Big Daddy aus den Köpfen gebrannt wird. Dafür stimmen Humor und Action.

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  2. Candide sagt:

    Meiner Meinung nach sind die “cool wirkenden Elemente” aber auch tatsächlich cool.

    Teilweise sicher, allerdings würde ich nicht sagen dass das Comic weniger cool ist nur weil es nicht fünf Seiten benötigt um einen Fight wiederzugeben, der Film hingegen hat dies bitte nötig um über die Runden zu kommen.

    Übrigens, was ich ganz vergessen hatte: der Soundtrack war zwar ganz ok und oft auch stimmig aber schlussendlich bei weitem nicht so überragend wie dies gerne andere Kollegen aus der Blogosphäre sehen.

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  3. Flibbo sagt:

    Die Abweichungen vom Comic sind enorm, waren meiner Meinung nach aber eine gute Entscheidung. “Kick Ass” kicks ass, dabei ist der Film sogar die nettere Version des Stoffs.

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  4. Candide sagt:

    Enorme Abweichungen? Finde der Film hat den Kern durchaus getroffen, aber wie gesagt ich habe nur die ersten Hälfte gelesen.

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  5. Parker sagt:

    Gestern ausgeliehen und gesehn und muss sagen, dass ich begeistert war (@ Candide: Ich glaube du bist durch deine Perspektive als Comic-Profi zu voreingenommen).
    In den Gewaltszenen hab ich (und meine Frau die Gemetzel sonst nur toleriert) herzhaft gelacht. Die Szene in der Hit-Girl das erste mal aus dem Nichts auftaucht und die Dealer abschlachtet fand ich von der Komik durchaus mit Tarantino vergleichbar.

    Der Plot war sehr gekonnt umgesetzt (kenne das Comic allerdings nicht).
    Bei Defendor stand die Psyche des Anti-Heros im Vordergrund und die “Was-Wäre-Wenn” Frage wurde so realisisch wie möglich behandelt.
    Bei Kick-Ass wurde auf Realismus komplett verzichtet und von Anfang an war klar, dass es ein humorvoller Actioner wird. Dabei wirkte die Story nie lächerlich. Der Grad der Selbstironie blieb aber stehts so hoch, dass man nicht auf die Idee kam die Sache zu ernst zu nehmen.

    Die Anleihen an US-Teen-Comedy hätten für meinen Geschmack auch weniger sein können, aber die Hauptzielgruppe (männlich, 14-20) wurde mit Sicherheit voll gefroffen, was auch ok ist.

    Den Soundtrack fand ich übrigens auch sehr passend. Das Bonusmaterial gaben interessante Einblicke in die Enstehung des Comics und in die Gedankenwelt der Künstler. Mark Millar hat mit Kick-Ass offenbar seine eigenen Jungendfantasien (er sprach selbst von 15+) umgesetzt, von daher ist Candides Kritik zur “Abkehr” von politischen Inhalten ein wenig fehl am Platz.

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  6. Candide sagt:

    Candide: Ich glaube du bist durch deine Perspektive als Comic-Profi zu voreingenommen

    Ich würde mich zwar selbst nicht als Profi bezeichnen, aber hier war ich sicherlich mit gewissen Vorkenntnissen “belastet”, ja.

    Mark Millar hat mit Kick-Ass offenbar seine eigenen Jungendfantasien (er sprach selbst von 15+) umgesetzt, von daher ist Candides Kritik zur “Abkehr” von politischen Inhalten ein wenig fehl am Platz

    Finde ich nicht, denn schließlich hat der Brite (bei mir) vor allem mit dieser Art von Comics gepunktet und sich einen Namen verschafft. Wanted oder auch Kick-Ass wirken da leider einfach zu konventionell, wenn auch doch sehr unterhaltsam.

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  7. Parker sagt:

    Finde ich nicht, denn schließlich hat der Brite (bei mir) vor allem mit dieser Art von Comics gepunktet und sich einen Namen verschafft.Wanted oder auch Kick-Ass wirken da leider einfach zu konventionell, wenn auch doch sehr unterhaltsam.  

    Ich weis nicht ob du das Bonusmaterial über die Entstehung des Comics gesehn hast, aber darin kommt eindeutig raus, dass der Mann ein totaler Nerd ist und quasi von Jugend an seine Hero-Phantasien hat. Ich empfinde deshalb Kick-Ass als absolut authentischen Film. Kick-Ass ist einfach “Back to the Roots”, als der junge Mark noch davon geträumt hat die bösen Jungs in seinem Kaff zu vermöbeln. Weg von Politik, Parallel-Universen und zu verschachtelten Storys, die wie man bei Watchmen gesehn hat den durchnittlichen Kino-Gänger überfordern.

    Ich hab auch schon gehört, dass Marvel sich deshalb so viel Zeit mit dem Rächer-Movie lässt weil befürchtet wird, dass es (vor allem in Europa wo fast keiner Thor und Capain Amerika kennt) floppen wird.

    P.S.: Im Gegensatz zum normalen Filmliebhaber bist du ein Comic-Profi. Ich kenne ausser dir nur eine Person die Ansatzweise so viele Comics hat bzw. so gut im Marvel-Universum bescheid weis.

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  8. Candide sagt:

    Ich weis nicht ob du das Bonusmaterial über die Entstehung des Comics gesehn hast, aber darin kommt eindeutig raus, dass der Mann ein totaler Nerd ist und quasi von Jugend an seine Hero-Phantasien hat.

    Hab ich leider nicht gesehen, war damals im Kino, die BD werde ich mir aber vielleicht mal holen.

    Vielleicht sprechen wir hier ganz aneinander vorbei, ich verstehe nämlich Deinen Einwand nicht so ganz. Was ich damit sagen wollte war nichts anderes, als dass mir persönlich Millar bei anderen Thematiken besser gefällt, that’s it.
    Mark Millar gehört nicht mehr zur klassischen British Invasion die die amerikanischen (Superhelden)comics quasi neu erfunden hat, sondern gehört bereits einer neueren Generation an, die dafür verantwortlich war, dass der Comicsektor der Ende der Neunziger quasi Pleite war, wieder ordentlichen Zuwachs verzeichnen konnte, nicht zuletzt aufgrund der “reiferen” Inhalte. Nun allerdings scheint er das Pulver irgendwie verschossen zu haben, deswegen auch meine Kritik an seine Werke.

    Allerdings muss ich sogleich auch zugeben vor kurzem dann doch wieder die verpassten Ausgaben seines Ultimate Universe-Relaunch Avengers nachbestellt zu haben und meine Freude daran zu haben. Nach vier Ausgaben, ist es allerdings noch etwas früh um wirklich Schlüsse ziehen zu können, bisher gefällt es jedenfalls.

    Was übrigens die Verfilmung der Rächer angeht, kann ich Dir nur teilweise beipflichten. Natürlich reagiert ein US-Publikum anders als die Leute vom alten Kontinent, allerdings muss selbst ich als mehrmaliger Verfechter der Adaptionen zugeben, dass die Bilder zum anstehenden Thor einfach nur Scheiße aussehen, der Trailer macht zum Glück da einiges weg (auch wenn er so gut wie alles rausholt was der Film wohl schlussendlich zu bieten haben wird). Da kann ich mir schon eher den Captain America Flick vorstellen, aber sprechen wir darüber wenn es soweit ist ;-)

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  9. Parker sagt:

    Was ich damit sagen wollte war nichts anderes, als dass mir persönlich Millar bei anderen Thematiken besser gefällt, that’s it.

    Eben nicht. Das ist mein Punkt, du trennst das persönliche Empfinden nicht von der Schublade in der du Millar sehn möchtest. Denn du schreibst weiter:

    Mark Millar gehört nicht mehr zur klassischen British Invasion die die amerikanischen (Superhelden)comics quasi neu erfunden hat, […] Nun allerdings scheint er das Pulver irgendwie verschossen zu haben, deswegen auch meine Kritik an seine Werke.

    Weswegen jetzt? Weil es dir persönlich nicht gefällt oder weil er nicht mehr zu Britsh Invasion gezählt werden kann?

    Ein Gleichnis vom Musik-Sektor macht meinen Einwand vielleicht deutlicher:
    Die Deftones sind immer noch eine Band die offenbar Spaß am spielen haben, trotz des tragischen Unfalls von Chi Cheng (andere Bands hätten sich vielleicht aufgelöst). Um die Jahrtausendwende wurden sie als “Nu Metal” Band gehyped und von ihrem bisher erfolgreichsten Album “White Pony” wurde der (unkommerzielle) Song “Elite” sogar mit einem Metal-Grammy geehrt.
    Mit jedem weiteren Album veränderten sie ihren Stil, fast jeder Member hat ein Side-Project am laufen, Chino Moreno behaupter sogar, dass er bei “Team Sleep” seinen eigenen Ideen mehr Raum geben kann. Da du Band selbst magst, weist du wahrscheinlich wie irrational es wäre die Band heute noch in die Nu-Metal Schublade pressen zu wollen.

    Für mich gibts bei Deftones als auch bei Kick-Ass nur eine Kritik die wirklich zählt: Der Stil gefällt mir nicht, weil [eigene Präferenz einsetzen] …

    Alles andere verzerrt total das Bild. Du würdest ja auch nicht über “Eyes Wide Shut” schreiben, dass der Film im Vergleich zu “Clockwork Orange” oder “Full Metal Jacket” zu wenig Gesellschaftskritik beinhaltet. Sondern du würdest vermutlich damit übereinstimmen, dass Kubrick hier ein Thema aufgreift, dass ihn schon seit seiner frühesten Karriere interessiert hat (und es genial umsetzt). Warum also nicht bei Mark Millar?

    Zum Thema Comic-Pro: Kein Kommentar mehr ;-)

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  10. Candide sagt:

    Ok, jetzt haben wir uns verstanden wo der Schuh drück und so gesehen hast Du natürlich Recht, auch wenn ich mich immer noch verteidigend sagen muss, dass ich in der Besprechung auch andersweitig Kritik angebracht habe:

    Millars Charaktere, die ein alteingesessenes Genre parodieren sollen, wirken zwar erfrischend die Story selbst weist allerdings so ihre Schwächen auf. So ergeht es „Kick-Ass“ sehr ähnlich wie „Wanted“ und endet als Aneinanderreihung von Mal mehr Mal weniger coolen Szenen bei denen man allerdings am Schluss nicht genau weiß was man davon halten soll. Gesellschaftliche Probleme denen niemand entgegensteht oder etwa die Web 2.0-Generation dessen Leben sich nur noch im Netz abspielt werden zwar offensichtlich angesprochen aber nicht zur Genüge verfolgt.

    Zum Thema Comic-Pro: Besser so ;-)

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