(„Mr. Arkadin“ directed by Orson Welles, 1955)

Herr Satan PersönlichEin weiterer Film Noir des Regisseurs, der durch seine Hörspieladaption von H.G. Wells Roman „Krieg der Welten“ landesweiten Ruhm erlang. Herr Satan persönlich von Orson Welles (Im Zeichen des Bösen) stammt aus dem Spätwerk seiner Hollywood-Ära.

Der Zigarettenschmuggler und Seefahrer Guy van Stratten (Robert Arden) findet den heruntergekommenen Jacob Zouk (Akim Tamiroff) in dessen schäbiger Dachwohnung und behauptet ihn retten zu wollen. Er erklärt ihm, wieso er der Meinung ist, das sein eigenes und das Leben von Jacob in Gefahr sei. Van Stratten war mit Mily (Patricia Medina) in Neapel zufällig Zeuge, wie Brako (Grégoires Aslan) erstochen wird. Kurz vor seinem Tod offenbart dieser den beiden aber noch ein Geheimnis, das den beiden Geld einbringen könnte. Die einzige Voraussetzung ist, dass sie hierfür den zwielichtigen und kontrollsüchtigen Millionär Gregori Arkadin (Orson Welles) erpressen müssten. Doch es kommt ganz anders. Van Stratten lernt an der französischen Rivera die Tochter Arkadins, Raina (Paolo Mori), kennen. Über die von Agenten ihres eifersüchtigen Vaters observierte Raina kommt van Stratten tatsächlich in Kontakt mit dem Millionär, nachdem er Raina nach Spanien auf das Schloss ihres Vaters begleitet.

Statt zu einer Erpressung, kommt es aber zu einem Deal zwischen den beiden: Arkadin gibt vor sich an die Zeit vor seinem Reichtum nicht mehr erinnern zu können und beauftragt van Stratten damit seine Vergangenheit durch die Anfertigung eines Berichts zu rekonstruieren. Während van Stratten die Spuren Arkadins durch ganz Europa und Nordafrika verfolgt, versucht Mily inzwischen Arkadin auf dessen Yacht auf eigene Faust auszuspionieren. Der Name Sofia führt van Stratten nach Mexiko, wo er der ehemaligen Geliebten Arkadins (Katina Paxinou) begegnet. Sofia gibt van Stratten gleich mehrere Geheimnisse preis, doch damit hat sich der Auftrag van Strattens noch nicht erledigt. Vielmehr weis van Stratten nicht mehr, was seine eigentliche Aufgabe ist.

Mit schiefen Kameraperspektiven und bizarren Figuren, wie der morphiumsüchtige Ex-Liebhaber von Sofia, verweist Herr Satan persönlich auf die Tradition des Deutschen Expressionismus der 1930er Jahre. Damit kommt ein „Wanken“ oder eine Instabilität zum Ausdruck, die auf die Krise am Ende hindeutet. Auf der anderen Seite trägt Welles‘ 98 minütiger Film Kernbestandteile des Film Noirs aus den 1940er und 50er Jahren. Daneben ist der Film mit weiteren Querverweisen gespickt. Zum Beispiel erinnert vor allem die Figur des herrschsüchtigen Arkadin an Romanhelden bei Fjodor M. Dostojewski. Oder Arkadins Schloss auf Spanien ist eine kleine Hommage an Franz Kafkas Roman „Das Schloss“.

Eine erzähltechnische Variante, die Welles in „Herr Satan persönlich“ anwendet, ist eine Klammer: Zu Beginn und gegen Ende des Films befindet sich der Protagonist in München bei Jocob Zouk. Dadurch hält Welles die Spannung stets aufrecht. Das Ende, so viel sei vorweggenommen wird kein Happy-End.

Auffallend sind ebenfalls die vielen volkstümlichen Szenen, wie die Büßerprozession und der Maskenball in Spanien oder das Weihnachtsfest in Deutschland. Auch der Spitzname „Oger“, den Raina ihrem Vater gibt stammt aus der Folklore. Der Name kommt aus dem Bereich der Märchen und geht auf das französische „ogre“ zurück, was soviel bedeutet wie „Menschenfresser“. Die zumeist hässlichen und große „Unholde“ ähneln der Figur in Welles Film. So fällt dieser durch seinen Kinnbart auf und ist von großer und starker Statur. Ein weiterer Verweis auf die Märchenwelt ist Arkadins Antwort auf die Frage Milys warum er einen Bart trage – „Damit kleine Mädchen Angst bekommen“. So präsentiert der Film nebenbei einen kulturgeschichtlichen Trip durch Europa.

Herr Satan persönlich
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