Kill Bill

geschrieben von am 23 März, 2009 Action 4 Kommentare

(“Kill Bill” directed by Quentin Tarantino, 2003)

Kill Bill Vol.1Ich mag es nicht wenn man “Kill Bill” als eine Film-Serie bezeichnet. Es war ursprünglich als Überlängenstreifen geplant und die zwei Teile nennen sich auch “Volume” und nicht etwa “Part“. Für mich stellt “Kill Bill” also einen einzigen Film dar und wenn ich darüber schreibe oder spreche dann beziehe ich mich auch immer auf beide Volumes. Leute die mit Aussagen wie “Teil 1 fand ich viel geiler” antanzen haben bei mir also von schon verloren um es mal geradeaus zu sagen.
Was Quentin Tarantino mit diesem grandiosen Epos geschaffen hat lässt sich nicht etwa in herkömmliche Genre-Schubladen stecken auch wenn ich es hier im Blog schlicht und einfach unter “Action” reinknalle. Action trifft es m.E. hier wohl am ehesten da in den insgesamt 247 Minuten Laufzeit wenig Ruhe aufkommt.Dass das Wunderkind nach Filmen wie “Reservoir Dogs” und “Pulp Fiction” und dem viel kritisierten “Jackie Brown” bereits längst zum Superstar avanciert ist, ist hier eigentlich wohl überflüssig zu erwähnen und doch möchte ich genau hier einhaken. Tarantino ist nicht so genial weil er haufenweise neue Techniken oder brillante Ideen erschafft sondern weil er ein “Über-Geek” ist der aus sämtlichen Filmen das beste extrahiert und daraus etwas Eigenständige strickt. Im Gegensatz zu anderen geläufigen Meinungen behaupte ich dass sein Brandzeichen nicht etwa seine berühmten und herrlichen Dialoge sind, sondern die Tatsache dass er vor großen Meistern des Kinos den Hut zieht und ihnen mit seinen Filmen nichts anderes als Tribut zollt.
Kill Bill Vol.2Es gibt wohl keine anderen Streifen die so viele Zitate enthalten wie ein Quentin Tarantino es tut. Diese Spiel wurde erst im zuletzt veröffentlichten “Death Proof” glänzend zur Schau gestellt. Der Zuschauer wird hier regelrecht mit Informationen, Anspielungen und Honorationen überschüttet, ja geplättet. Selbst nach dem zehnten mal bemerkt man irgendwas Neues, irgendein Filmposter oder ein zerfetztes Werbeplakat das kein Zufall sein kann und auch nicht ist.
Für mich persönlich ist “Kill Bill” was diesen speziellen Mix aus Tribut und Eigenständigkeit die Perfektion schlechthin. Nie hat man das Gefühl ein Dejavu zu erleben und dennoch kennt man so vieles und muss ständig schmunzeln. Bei Tarantino hat man stets das Gefühl dass die Charaktere im Film keine Fiktion sind sondern reale Menschen wie du und ich. Menschen die dieselben Filme gesehen haben, die gleichen Bücher lesen und ähnliche Musik hören wie wir.
Eastern meets Western” so könnte man den vierten Film von Tarantino wohl treffend titulieren. Die Kombination aus asiatischem Stil gepaart mit Elementen aus dem Spagehtti-Western gefallen, unterhalten und begeistern. Wenn man aber vom astethischen Wert absieht, entdeckt man bei Tarantino auch sehr ernste und wichtige Themen wie beispielsweise die Rolle der Frau, Barmherzigkeit und Gnade, Ehre und Gerechtigkeit oder sogar die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins. Der Kern der Story ist dabei aber so simpel wie bei den Vorbildern aus vergangenen Tagen:
Die Braut (Uma Thurman), dessen Namen der Regisseur bedacht ist bis fast ans Ende zu verschleiern, befindet sich auf einen Rachefeldzug. Einst war sie ein Mitglied des Killerkommandos “Deady Viper Assassination Squad” wo sie unter dem Patriarchen Bill (David Carradine) Folge leisten musste. Als sie erfuhr dass sie schwanger ist, änderte sich schnell ihre Weltanschauung. Plötzlich waren ihre mütterlichen Instinkte stärker als der Drang Menschen gegen Bezahlung zu töten. Die Blondine taucht also unter da sie weiß dass Bill diesen Verrat nicht dulden wird. Sie beginnt ein neues Leben in Texas, wo sie in einem Second-Hand-Plattenladen arbeitet und im Begriff ist ihren neuen Freund zu heiraten. Bill und der Rest seiner Schergen wären aber kein richtiges Tötungskommando wenn sie die Braut nicht auffinden könnten. Ausgerechnet bei der Hochzeitsprobe ist es dann soweit: vor Gottes Augen, dem Reverend Harmony (Bo Svenson) und dem Kirchen-Musikanten Rufus (Samuel L. Jackson) beginnt das was später als das “Massaker von Two Pines” bekannt werden wird.
Als Sheriff Earl McGraw (Michael Parks) den Tatort betritt scheint alles schon zu spät zu sein. Die Braut samt Gefolgschaft liegt blutverschmiert am Boden. Wer kann bloß so kaltherzig sein und eine schwangere Frau töten?
Stopp!
Tot ist die Braut noch lange nicht. Wie durch ein Wunder hat sie Bills Kopfschuss überlebt und wird nun für vier Jahre im Koma liegen.
Kaum ist sie erwacht vergeudet sie nicht viel Zeit um ihrem verlorenen Kind nachzutrauern. Zu groß ist der Groll den sie gegen Bill hegt und zu stark ihr mütterlicher Instinkt der sie zur unberechenbaren Raubkatze werden lässt. Nachdem die “Death List Five” angefertigt, ist kann es also losgehen: ihr erstes Opfer wird schließlich Vernita Green aka Copperhead (Vivicia A. Fox) sein. Es werden noch die chinesisch-japanisch-amerikanisch-stämmige O-Ren Ishii (Lucy Liu), Bills Bruder Budd (Michael Madsen), die hintertückische, einäugige Elle Driver (Daryl Hannah) und natürlich Bill selbst folgen. Letzerer hat allerdings noch einen beachtlichen Trumpf in der Hand…
Es gibt zu viele Szenen die ausführlich erläutert werden sollten, zu viel gib es Dialoge die es Wert wären hier zitiert zu werden; wahnsinnige Aufnahmen wie etwa der Showdown im “Haus der blauen Blätter” oder tolle Bilder die eine abgelegene Kapelle in El Paso zeigen, man kann sich gar nicht satt sehen an diesen superben Farbenspiel. Zu lang ist auch die Liste der Mitwirkenden die es verdient hätten hier im Blog zu stehen. Da gibt es beispielsweise Sonny Chiba den japanischen Samurai-Fillme-Star der als Hattori Hanzo diente oder Chiaki Kuriyama als die tödliche, kleine GoGo.
Das Gesamtbild wird von einem sorgfältig ausgewählten Soundtrack von Tarantino selbst und RZA perfekt abgerundet. Genauso wie bei den Bildern gibt es auch bei der Musik einen Kontrast zwischen Ost und West. Zum einen erklingen Töne von Ennio Morricone oder Luis Bavalov dann aber wieder Tracks von Meiko Kaji oder auch poppigere Songs und natürlich ein paar Stücke von RZA.
Wer diesen Inbegriff der Genialität tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte die schleunigst nachholen. Ich behaupte sogar, dass Tarantino mit “Kill Bill” ein Stück Filmgeschichte geschrieben hat. Er ist der Meister des Remixes und des Revivals, er ist der Freak der einst in einem Videoverleih schuftete und nun zum gefeierten Starregisseur aufgestiegen ist und nun in jeder Sekunde seiner Filme seinen Vorbildern Ehre erweist. Sogar in den Credits liest man Special Thanks an verstorbene Größen wie Sergio Leone, Chang Cheh, Lee Van Cleef oder Charles Bronson. Besonders hervorgehoben in den Credits ist übrigens einmal mehr Robert Rodriguez, der hier sogar den Titel “My Brother” verliehen bekommt.
Ich hoffe es gibt noch andere da draußen die genauso wie ich den neuen Streich “Inglourious Basterds” entgegenfiebern wie ich. Ich bin überzeugt Quentin wird wieder eine Menge Kritik einstecken müssen, aber ich bin genauso überzeugt dass er es wieder schaffen wir auf die eine oder andere Art zu faszinieren und zu begeistern.


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4 Kommentare zu “Kill Bill”

  1. Parker sagt:

    Gerade gesehn und wieder begeistert. Ich finde bei Vol 1. hat Tarantino mehr wert auf die Fights gelegt wobei er bei Vol 2. mehr wert auf die Dialoge gelegt hat. Bis zum Schluß ist eine Steigerung im Niveau spürbar. Der Abschluß-Dialog und die Schluß-Sequenz als die Braut/Mutter vor Freude weinend im Bad liegen ausserhalb der poppigen Coolness dessen was Tarantino sonst produziert hat. Das ist wenn man so will ein moralisches Statement und dürfte jeden der die überzeichnete Brutalität in seinen Filmen vorschnell verteufelt zum Schweigen bringen. Tarantino ist kein perverser Splatter-Fan, sondern ein Menschenfreund (umso weniger kann ich verstehen, dass er “Hostel” produziert hat).

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  2. Tarantino ist kein perverser Splatter-Fan, sondern ein Menschenfreund (umso weniger kann ich verstehen, dass er “Hostel” produziert hat).  Zitiere

    Dem muss ich in zweierlei Hinsicht wiedersprechen ! Erstmal sind Macher von Filmen mit hohem Gewaltfaktor nicht gleich menschenverachtende Monster. David Cronenberg macht extrem blutige Filme, die oft um das Thema Gewalt kreisen..ein sadistischer Misanthrop ist er aber anscheinend nicht.
    Dario Argento ist von Gewalt bzw. dem Bösen fasziniert und seine Filme sind voll von brutalen Morden, privat ist er Vegetarier ( O-Ton: “I’m a vegetarian, because I don’t want to kill things to eat” ) und scheint eine sehr sanfte Person zu sein.
    Zweitens: Tarantino hat oft genug Filme wie “Cannibal Holocaust” lobend erwähnt und wer den Film wirklich mag, hat bestimmt eine perverse Ader.

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  3. Parker sagt:

    Dachte mir schon das meine wertende Aussage einen Splatter/Horror-Fan zeizen würde ;-)

    Ich persönlich halte auch einen recht hohen Gewaltpegel aus und finde nix lustiger als “Happy Tree Friends”. Aber Splatter und Horror kann ich nicht verstehen. Deshalb sollten Fans dieser Genre meine Komentare diesbezüglich ignorieren.

    Was ich eignentich sagen wollte, dass der Durchschnitts-TV-Zombie in der Regel Tarantino als einen perversen Irren abstempelt, vor allem nach “Inglorious Basterds” den die meisten Deutschen gar nicht gepackt haben.
    Da “Rache” eines der Hauptthemen in allen Tarantino-Filmen ist und viele seiner Figuren Ego-fixierte Typen sind ist der Schluß von Kill Bill meiner Meinung nach bemerkenswert. Bills Tod ist nicht der Weisheit letzter Schluß und auch die Konversation mit der Braut/Mutter davor ist ungewöhnlich.

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  4. Ach mach dich mal locker ;-) Mein Tipp: Bring Dich nicht selbst um gute Filme! So einem Franchise-Stumpfsinn wie “Nightmare on Elmstreet” kann ich auch nicht viel abgewinnen, aber Filme wie “Videodrome”, “Eraserhead”, “Suspiria” oder “Dawn of the Dead” sind großes Kino…und selbst so ein perverses Machwerk wie “Cannibal Holocaust” verdient seinen Klassiker-Status, weil es die Grenzen zwischen Realität und Film eingerissen hat. “Horror” ist eine der letzten Bastionen der Kreativität, hier kann sich die Fantasie noch austoben und Grenzland erforscht werden :-)
    Ich persönlich hab übrigens den Eindruck das Tarantino selbst von spießigen Biedermännern respektiert wird und quasi Narrenfreiheit hat. Hätte ein Nobody KillBill gedreht wäre der mit großer Sicherheit auf dem Index gelangt..von wegen Selbstjustiz und so. Auch IB wurde in ‘Schland bei Weitem positiver aufgenommen als z.B in den Staaten…wer hasst Hitler schon mehr als die Deutschen ! Aber das ist mein rein subjektiver Eindruck.

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